Aufrufe
vor 1 Jahr

Stadtmagazin - Januar 2021

06 Einzelhandel in der

06 Einzelhandel in der Corona-Krise „Resignation kommt nicht infrage“ Kraft tanken und Zuversicht schöpfen heißt es im verlängerten Lockdown gerade auch für Einzelhändler und Gewerbetreibende der Region. Aktuell ist das leichter gesagt als getan, da staatliche Hilfen zögerlich fließen und Rücklagen schwinden. Die Sorgen und Nöte in den Städten sind groß. Die Hoffnung ist online. Neubrandenburg/Waren. Aufgeben gilt nicht! Das ist das Motto vieler Händler der Region in der Corona-Krise. Dass ihnen das Wasser bis zum Hals und manchen auch längst darüber steht, das facht dennoch immer wieder ihre Energie an, wie es weitergehen kann. „Resignieren kommt nicht infrage“, hat denn auch Michael Schröder, Chef der Werbegemeinschaft Innenstadt Neubrandenburg, als Botschaft: „Die Probleme sind da. Die Probleme sind groß. In unseren Breiten trifft es die meist kleinen Inhaber geführten Geschäfte am härtesten. Denn sie lebten oft auch vor Corona von Monat zu Monat und haben selten dicke Rücklagen. Insofern hat die Pandemie wie mit einem Brennglas auch in diesem Bereich Defizite deutlich gemacht.“ Hinzu käme, dass die angekündigten Staatshilfen nur zögerlich, noch gar nicht oder nur in Abschlägen gezahlt worden seien. „Nach jetzigem Stand müssen sich viele seit November ohne diese Hilfen über Wasser halten. Erst im März soll nun wohl Geld fließen. Das ist eine Katastrophe“, klagt Schröder. Vermehrt rege sich Wut in der Unternehmerschaft. Menschen, die das Risiko auf sich genommen haben, in eine Selbstständigkeit zu gehen und Verantwortung für weitere Mitarbeiter übernehmen, darf man jetzt nicht über die Klinge springen lassen, so der Tenor. Ergo: Gewerbetreibende der Stadt wandten sich jüngst in einem gemeinsamen Schreiben an die Landesregierung und forderten rasche Unterstützung und die unkomplizierte Auszahlung der zugesagten Hilfszahlungen. In dem Papier stellen die Verfasser insgesamt fünf zentrale Forderungen an die Landesregierung auf (siehe auch S. 7), wie etwa auch die Gleichbehandlung bei der Anspruchsberechtigung, die Rettung von Kleinstbetrieben und Jungunternehmern etwa mit einem Unternehmerlohn. „Es muss sofort etwas getan werden, um deren Existenzen zu sichern“, untermauert Michael Schröder, Werbegemeinschaft Innenstadt © U. Kielmann die Werbegemeinschaft ihren dringenden Appell. Denn nach Wochen des Lockdowns sehen mehr und mehr Geschäfte ihre Insolvenz auf sich zurollen. Um diese und massive Schäden für „innerstädtische Strukturen“ nicht Realität werden zu lassen, müsse die Landesregierung nun aktiv werden. Stadtverwaltung will auf Gebühr verzichten Doch mit Forderungen allein lässt sich kein Geld verdienen. Und die Innenstadtgemeinschaft, die immerhin 130 Unternehmer vertritt, trägt ihren Namen nicht vergebens. Gemeinsam wurde beispielsweise bereits vor vier Jahren der Vier-Tore-Gutschein ins Leben gerufen. Der bewährt sich nun einmal mehr. Die Einkaufsvielfalt unserer schönen Stadt Neubrandenburg steht dem Beschenkten offen – und das nicht nur im klassischen Einzelhandel, sondern u. a. auch in der Gastronomie und bei Dienstleistungsunternehmen. Den Vier-Tore-Gutschein gibt es für 10 Euro, 20 Euro und 44 Euro u. a. im Nordkurier-Servicepunkt in der Turmstraße 13 (kostenfreie Telefonnummer: 08004575 033). Will heißen: Shoppen ja, aber später. Doch die Einzelhändler sollen die Einnahmen daraus erst mal ein wenig über Wasser halten. Wie das noch besser und schneller gehen kann, darüber wird in den nächsten Tagen mit der Verwaltung beraten, zeigt sich Michael Schröder hoffnungsvoll. Und: „Der Gutschein ist sehr beliebt. Rund 200 000 Euro sind dadurch im Umlauf.“ Und auch, wenn die Geschäfte nicht geöffnet seien, sind die Auch wenn das Stadtzentrum verwaist aussieht, kommen Kunden und Händler auf ihre Art zusammen. © U. Kielmann Wolfgang Wander, Michael Kruse, Petra Voß (Vorstand Werbegemeinschaft) und Michael Schröder (v.r.) haben einen Appell an die Landespolitik gerichtet. © Werbegemeinschaft

Die Forderungen der Neubrandenburger Einzelhändler an die Landespolitik im Überblick – Die sofortige Auszahlung der Hilfen aus November und Dezember – Die Korrektur der praxisfremden Hürden für die Beziehung von Wirtschaftshilfen – Die Herstellung einer Gleichbehandlung bei der Anspruchsberechtigung – Die Rettung von Kleinstbetrieben und Jungunternehmern (Unternehmerlohn) – Schaffung von Kaufanreizen für Produkte und Dienstleistungen regionaler Unternehmen Händler auf allen Kanälen aktiv. Sei es nun ganz profan das Telefon zum Ware-Ordern für die Kunden, die sozialen Netzwerke … es wird geliefert, was und wie es unter diesen Umständen geht. Auch, um den Menschen zu zeigen, dass es weitergeht, dass es gut werden wird bzw. wieder gut werden muss. Dafür gibt es aktuell ein super Signal, das alle sehen können. Kunst! Der Verein der RWN- Künstler verteilte in gemeinsamer Aktion mit der Werbegemeinschaft Innenstadt wieder 40 Fotografien, Malereien und andere Werke an die Geschäfte. Bereits im April schmückte die moderne Kunst Schaufenster der Innenstadt. Die Idee: Passanten werden durch die Kunst im Schaufenster angehalten, die Händler bekommen ihre Aufmerksamkeit für die Waren, Künstler für ihre Werke. „Gerade für Textilgeschäfte, die auf Bestellungen angewiesen sind, ist das eine gute Ergänzung“, sagt Michael Schröder. Viele Ausstellungs-Möglichkeiten für Künstler gebe es zudem ja gerade nicht. Auch die Neubrandenburger Stadtverwaltung möchte ihr Scherflein beitragen: Die Kommune plant, die Corona-gebeutelten Händler und Gastronomen zu entlasten. Demnach soll die Zahlungspflicht für die Sondernutzungen an öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen aufgrund der Corona-Pandemie für die Monate April, Mai und Juni vergangenen Jahres ausgesetzt werden. Unternehmen, die sich aufgrund ihrer derzeitigen wirtschaftlichen Situation nicht in der Lage fühlten, die Sondernutzungsgebühren – diese Gebühr fällt etwa für das Aufstellen von Tischen und Stühlen, aber auch von Warenauslagen oder Werbeschildern im öffentlichen Raum der Stadt an – zu begleichen, könnten für die restlichen Monate darüber hinaus zunächst einen Antrag auf Stundung der Gebührenzahlung stellen, heißt es. Leider habe es Irritationen“ gegeben, da „fälschlicherweise“ der Juni jetzt berechnet wurde. Die entsprechenden Bescheide würden nun noch mal neu erstellt. Normalerweise nimmt das Rathaus pro Jahr rund 42 000 Euro aus diesen Gebühren ein. Nachbarstadt an der Müritz fürchtet Sterben in der City City-Manager Michael Schröder begrüßt das Vorhaben: „Das ist eine Wirtschaftsförderung, die Unternehmen helfen wird.“ Er plädierte aber dafür, nach Branchen zu differenzieren, je nachdem, wie stark diese vom Lockdown betroffen sind. Für Lebensmittelhändler oder zum Beispiel auch Drogerien, die in Corona-Zeiten nicht hätten schließen müssen und wirtschaftlich teilweise sogar profitiert hätten, mache ein Gebührenerlass aus seiner Sicht „keinen Sinn“. Zudem will die Stadt nach eigenen Angaben Claudia Bergmann sorgt sich um die Warener City. © NK/Archiv Die Händlerinnen Kirsten Hasenpusch („Gerry Weber“), Kerstin Pockrandt („Street One“), Bianca Ohlerich („Women by Neels“) und Rona Brunk („Marc‘O‘Polo“; v.l.) haben ihre Geschäfte mit heimischen Kunstwerken verschönert. © Tim Prahle Friedrich-Engels-Ring 1 17033 Neubrandenburg Tel. 0395 4 22 99 99 www.umzug-2000.de auch in den sozialen Netzwerken wieder aktiv für den lokalen Handel werben und einzelne Händler vorstellen, bei denen man auch im Lockdown lokal online bestellen kann. Ähnlich sieht es in der Nachbarstadt Waren (Müritz) aus. In dem als sommerliche Touristenhochburg bekannten Heilbad wird es in der Innenstadt immer stiller. In der Hauptbummel-Meile, die in der Müritzstadt eigentlich auch im Winter nie leer ist, begegnet man in diesen Tagen kaum einer Seele. Manche Bäcker haben eine Filiale dichtge- Neubrandenburger Möbelspedition Küchen- und Möbelmontage Wohnungsauflösung · Entrümpelung Entsorgung von Altmöbeln Außenaufzüge Einlagerung · Selfstorage Bereitstellung von Verpackungsmaterial Tresor- und Klaviertransporte mit Spezialtechnik bundesweit & international Der Spezialist für Seniorenumzüge Full-Service-Umzug und Rundum-Sorglospaket 07

Kompakt - StadtMagazin

Nordkurier Ratgeber

Kompakt

Nordkurier Ratgeber

Weitere Magazine

Kompakt - StadtMagazin