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Ratgeber Auto Ausgabe PM

SEITE 26 FREITAG, 26.

SEITE 26 FREITAG, 26. APRIL 2019 Auch beschlagnahmte Autos kommen zuweilen unter den Hammer. Foto: VEBEG GmbH Ausrangierte Fahrzeuge vom Militär können bei Auktionen ersteigert werden – bis auf wenige Ausnahmen. Foto: Fabian Hoberg Ein Mercedes-Benz 600 aus den 1960er-Jahren, der einst zum Fuhrpark des sowjetischen Staatsmanns Leonid Breschnew (1906-1982) gehörte, wurde bei einer Online-Versteigerung des Zolls für 103 600 Euro verkauft. Foto: Hauptzollamt GieSSen Behördenfahrzeuge Staatskarosse oder Militär-Jeep: Börsen für besondere Autos Wer auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Wagen ist, könnte bei Auktionen fündig werden, die erst einmal gar nicht spannend klingen. Denn sie allesamt werden von offiziellen Behörden betrieben. Doch so manches Fahrzeug, was dort unter den Hammer kommt, ist alles andere als alltäglich. Von Inga Stracke Frankfurt/Main. Wer hoch auf dem gelben Wagen nicht nur sitzen, sondern privat selbst einen fahren will, kann sich ein gebrauchtes gelbes Postauto kaufen. Auch einen gebrauchten olivgrünen Bundeswehr-Bulli oder die inzwischen nicht mehr immer „grüne Minna“ der Polizei sind Optionen. Doch damit nicht genug, es stehen auch mal Ferraris, gebrauchte U-Boote, Straßenkehrmaschinen, ein Airbus A300 oder ein ganzer Transrapid zum Angebot. Wo denn? Im normalen Autohaus gibt es solche gebrauchten Behördenfahrzeuge natürlich nicht. Aber etwa die Vertriebsgesellschaft für bundeseigenes Gerät (Vebeg), das Verwertungsunternehmen des Bundes, bietet online vieles: „Bei uns bekommen Sie alles, vom Amphibienfahrzeug über den Hubschrauber bis hin zur verschlissenen Trompete“, sagt Vebeg-Geschäftsführer Oliver Jasper. Nur Panzer, Kriegsschiffe und Waffen werden nicht angeboten, hier greift das Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen (KWKG). Auf der Vebeg-Seite lassen sich „Artikel des Bundes, der Länder und Kommunen, deren nachgeordneten Institutionen, der Bundeswehr sowie weiterer öffentlicher Einrichtungen und Unternehmen“ kaufen. Dazu gehören Scheinwerfer oder Schlafsäcke, aber auch mal ein orangefarbener Tiefladeanhänger aus dem kommunalen Dienst. In den Live-Auktionen kann man beispielsweise einen Feuerwehrwagen Mercedes 1120 AF TLF ersteigern – der Meistbietende bekommt den Zuschlag. Damit bestimmt letztendlich die Nachfrage auch den Verkaufswert. Es gibt Live-Auktionen, bei denen man die Preise sehen kann, aber auch länger eingestellte Fahrzeuge, im sogenannten „blauen Bereich“. „Dort haben wir das sogenannte „verdeckte Verkaufsverfahren“, sagt Jasper. „Der Interessent bietet den Preis, den ihm die Ware wert ist, in der Hoffnung, dass er der Meistbietende ist.“ 1951 gegründet, verkaufte die Vebeg ursprünglich besatzungseigene Güter, also Material der Alliierten aus dem Zweiten Weltkrieg. Jasper betont: „Inzwischen bieten wir neben militärischen Gütern aus Deutschland, England oder Österreich schon lange auch Fahrzeuge aus den kommunalen Diensten an, wie beispielsweise den Dienstwagen des Bürgermeisters.“ Doch Achtung: Prüfen und anschauen geht, aber Probefahren in der Regel nicht. „Das hat versicherungstechnische Gründe, die Fahrzeuge sind normalerweise nicht mehr zugelassen. Es sind aber Ansprechpartner vor Ort da, die zum Zustand etwas sagen können“, sagt Jasper. Zur genauen Prüfung rät auch der ADAC: „Der Kauf von Behördenfahrzeugen ist oft nur für Autofahrer interessant, die gute technische Modellkenntnisse mitbringen oder einen Experten dabei haben“, sagt ADAC- Sprecher Christian Buric. Der Zustand der Fahrzeuge ist bisweilen nicht mehr Fahrzeuge dürfen keinen Amts-Charakter mehr haben. Philip Puls, technischer Leiter beim Tüv Süd straßentauglich, wie beispielsweise bei einem Mercedes-Benz 250 GD Wolf, der als Schussziel gedient hatte und total zerlöchert war. „Grundsätzlich werden alle Fahrzeuge demilitarisiert.“ Eine Lafette für das MG müsse raus, aber normale Halterungen wie beispielsweise bei einem Geländefahrzeug wie dem Pinzgauer könnten durchaus bleiben. „Sogenannte taktische Zeichen des Militärs, Feuerwehr- oder Polizei-Aufschriften müssen unkenntlich gemacht werden.“ Philip Puls, technischer Leiter beim Tüv Süd, ergänzt: „Das Fahrzeug darf nicht den Anschein erwecken, dass es immer noch ein Behördenfahrzeug ist, es darf also keinen Amts-Charakter mehr haben.“ Nicht nur Aufschriften wie „Polizei“, „Feuerwehr“ oder „112“ müssten entfernt werden. Auch zusätzliche Licht- und Tontechnik muss man abbauen oder unbrauchbar machen. Auch andere Stellen versteigern online ausrangierte, beschlagnahmte Autos oder ehemalige Behördenfahrzeuge. Hinweise dazu geben die Internetseiten des Bundesfinanzministeriums, die des Finanzamts Bayern oder die der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen. Behörden-Auktionen im Internet Bei einer Online-Versteigerung des Zolls wurde dieser Lagonda V12 aus dem Jahre 1938 nach einer Bieterschlacht für 252 100 Euro verkauft. Foto: Hauptzollamt GieSSen • Versteigerungen des Finanzamtes Bayern www.finanzamt.bayern.de/ Muenchen/ Versteigerungen • Bundesministerium der Finanzen www.zollauktion.de/auktion • Versteigerungen der Oberfinanzdirektion NRW www.finanzverwaltung. nrw.de/de/versteigerungvon-kraftfahrzeugen • VEBEG – Verwertungsunternehmen des Bundes www.vebeg.de

FREITAG, 26. APRIL 2019 SEITE 27 Alte Karosse, moderner Antrieb: Dieser VW Käfer hat einen Elektromotor an Bord. Foto: Thomas Geiger Oldies unter Strom Wie in 100 Stunden aus einem Oldtimer ein E-Auto wird Die Deutschen lieben historische Fahrzeuge. Doch das Problem: Viele der Klassiker sind wahre Spritfresser und alles andere als umweltfreundlich. Das hat findige Tüftler auf eine Idee gebracht. Von Johanna Uchtmann und Peter Löschinger Blaustein. VW Käfer und Bulli als Elektroautos bietet die Firma Voltimer in Blaustein bei Ulm an. Die hat sich vor allem auf den VW Käfer und den VW Bulli aus den Generationen T1 und T2 spezialisiert. Dafür importieren sie vergleichsweise junge Gebrauchte mit geringer Laufleistung aus Südamerika und rüsten sie gemeinsam mit drei Partnerwerkstätten binnen 100 Stunden zum Elektroauto um, erläutert Firmenchef Johannes Boddien. Die ersten fünf Autos sind bereits fertig, drei weitere in Arbeit und drei in der Planung. Angetrieben werden Käfer und Bulli von einem elektrischen Industriemotor, der sonst in Rolltreppen und großen Toren verbaut ist. Er leistet 28 kW/38 PS und ist mit 220 Nm deutlich antrittsstärker als die Boxer-Benziner der Originale. Deshalb könnten die elektrisierten Klassiker Sind Klassiker wie der Wartburg eine gute Wertanlage? Von Thomas Geiger Wer beim Oldtimer-Kauf auf Rendite setzt, braucht Glück, vor allem aber Leidenschaft und Fachkenntnis. Kelkheim. Wer noch immer, oder recht neu, einen Wartburg 353 sein Eigen nennt, darf sich über einen satten Wertzuwachs des DDR-Klassikers freuen. Der Wartburg 353 gehört laut ADAC aktuell zu den großen Gewinnern auf dem Oldtimermarkt und bis zu 150 km/h erreichen, werden aber mit Blick auf die Zulassung bei der ursprünglichen Höchstgeschwindigkeit abgeregelt. Die Akkus lässt Voltimer selbst fertigen oder nutzt gebrauchte Zellen aus verunfallten Tesla-Modellen. Sie werden in vier Leistungsstufen verkauft: Es gibt den Käfer für etwa 30 000 Euro als City mit etwa 70 Kilometern Reichweite oder für knapp 40000 Euro als Hobby mit 140 Kilometern Aktionsradius. Den Bulli verkauft Boddien als Hobby mit 200 Kilometern Reichweite (59900 Euro) oder mit 400 Kilometern für etwa 75 000 Euro. Die Blausteiner Firma tritt mit ihrem Angebot in einen großen Markt ein. Oldtimer werden in Deutschland immer beliebter – und die Bundesbürger lassen sich ihr Hobby einiges kosten. Rund 2,5 Milliarden hat 2018 um 11,4 Prozent an Wert zulegen können. Der aktuelle Marktwert beträgt damit 5400 Euro (Zustand 2, gut gepflegt) und 3600 Euro (Zustand 3, durchschnittlich gepflegt). Aktueller Rendite-Gewinner auf dem Klassiker-Markt sind der VW Käfer 1300 (1967–1973) und der BMW 3.0 CSi (E9, 1971–1974). Der Käfer legte um ganze 45 Prozent zu, der BMW um gar 46,7 Prozent. Wer nun Lust bekommt und in das Oldtimer-Geschäft einsteigen Auch diesen Klassiker baut die Firma um: Den Volkswagen T1, auch „Bulli“ genannt. Foto: Julian Stratenschulte Euro geben sie pro Jahr nur für die Reparatur, Restaurierung und Wartung von Oldtimern aus. Das ergab eine Studie der Beratungsgesellschaft BBE Automotive im Auftrag von drei Auto-Verbänden. Rechne man Versicherungen, Reisen, Garagen und andere Zusatzausgaben mit ein, seien es fast 5 Milliarden Euro, sagt Gerd Heinemann, BBE-Geschäftsführer und will, müsse allerdings einiges beachten, sagt der auf klassische Fahrzeuge spezialisierte Anlageberater Holger Lüttke aus Kelkheim. Das gelte für die Autos, bei denen es vor allem auf den Zustand, die Seltenheit, die Originalität, die Balance zwischen Patina und Restaurierung sowie den Deckungsgrad von Seriennummern und Lackierungen ankomme, genauso wie für die Sammler selbst. „Wer keine Leidenschaft für Oldtimer hat, der sollte auch nicht in Autor der Studie. Derzeit gibt es demnach in Deutschland knapp 900 000 Oldtimer, also Autos, die 30 Jahre und älter sind. Zum Vergleich: Die Reparatur und Wartung aller rund 46 Millionen Pkw lassen sich die Deutschen laut Heinemann pro Jahr gut 30 Milliarden Euro kosten. Der Markt für alte Autos wächst stetig: Die Zahl der zugelassenen Oldtimer hat klassische Autos investieren“, sagt Lüttke. Und technisches Verständnis könne auch nicht schaden. Rendite dagegen solle man besser nicht einplanen. „Wenn am Ende des Tages nach Abzug aller Kosten ein Gewinn bei einem Verkauf herausspringt, dann ist das ein netter Nebeneffekt. Darauf zu spekulieren, dass die Preise immer weiter steigen, kann auch einmal ins Auge gehen.“ Einen garantierten Gewinn gibt es nicht, warnt der Experte. sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre deutlich mehr als verdoppelt. Zwischen 2008 und 2018 ist ihre Zahl laut Studie jährlich um durchschnittlich 8,2 Prozent gestiegen. Zugelassen sind derzeit gut 675 000 Oldtimer. Dazu kommen 220 000 alte Autos, die nicht zugelassen sind oder etwa ein rotes Kennzeichen haben, also nicht überall fahren dürfen. Der VW Käfer ist laut der Studie mit weitem Abstand der beliebteste Klassiker der Deutschen: 2018 waren 50 000 Käfer registriert (7,6 Prozent). Auf den Plätzen folgen der Mercedes W123 (4 Prozent) und der VW Golf (3,9 Prozent). Rund 70 Prozent der sogenannten Classic Cars stammen von deutschen Marken. Es folgen mit deutlich geringeren Anteilen amerikanische, italienische, französische und japanische Autos. Verrückt nach Auto-Klassikern Deutschlands Oldtimer- Hochburgen liegen laut einer Studie vor allem in einkommensstarken Regionen. München ist mit fast 20 000 angemeldeten Oldtimern die Hauptstadt der Klassiker-Autos. Hier sind 2,7 Prozent der zugelassenen Autos Oldtimer – bundesweit liegt der Durchschnitt bei 1,5 Prozent. Noch höher ist der Anteil mit 2,9 Prozent im nordrhein-westfälischen Rhein-Kreis Neuss. Deutlich über dem Durchschnitt liegen auch Mannheim (2,6 Prozent) und Offenbach bei Frankfurt (2,5 Prozent). Ost-Klassiker: Der Wartburg 353 hat auf dem Oldtimer-Markt deutlich an Wert gewonnen. Foto: Frank Schwardtmann

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