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SEITE 32 FREITAG, 29.

SEITE 32 FREITAG, 29. SEPTEMBER 2017

FREITAG, 29. SEPTEMBER 2017 SEITE 33 Zurück im Sattel Bei vielen Autofahrern schlummert auch ein Motorrad-Führerschein in der Schublade. Und immer mehr entschließen sich im Alter ab 40 dazu, die alte Motorradleidenschaft wieder aufleben zu lassen. Doch nach langer Pause sollten sie dabei nichts überstürzen. Von Claudius Lüder BERLIN/STUTTGART. Über vier Millionen Motorräder sind laut Kraftfahrt-Bundesamt derzeit in Deutschland zugelassen. Und jedes Jahr werden es mehr. Motorradfahren wird immer beliebter, gerade auch bei den älteren Verkehrsteilnehmern ab 40 Jahren. „In dieser Altersklasse beobachten wir seit einigen Jahren eine steigende Nachfrage“, sagt Gerhard von Bressensdorf von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF). Vor allem die Zahl der Wiedereinsteiger nehme zu. Solche etwa, die zwar mit 18 oder 20 Autound Motorradführerschein zusammen gemacht haben, sich aber bislang nie ein eigenes Motorrad zugelegt haben. Bei den heute rund 50-Jährigen ist das keine Seltenheit. Denn früher war es vergleichsweise günstig, mit dem 3er gleich den 1er mitzumachen. „Viele entdecken dann die alte Motorradleidenschaft später wieder, wenn sie sich ein Motorrad neben dem Auto leisten können und auch die Zeit dafür haben“, sagt Michael Schümann vom Fachmagazin „Motorrad“. Auch er sieht die Gruppe der Wiedereinsteiger in den vergangenen Jahren deutlich anwachsen. Doch einfach aufsteigen und losfahren sollte keiner. „Ein Fahrsicherheitstraining ist auf jeden Fall sinnvoll – nicht nur, aber gerade für Wiedereinsteiger.“ Eine gute und günstige Möglichkeit seien beispielsweise komplette Trainingstage, wie sie auch von Herstellern wie BMW oder Honda angeboten werden. „Der Vorteil hierbei ist, dass praktisch alles gestellt wird, vom Helm bis zum Motorrad.“ Auch wer noch eine Entscheidungshilfe braucht, könne bei diesen Gruppentrainings testen, ob er seinen Motorradführerschein tatsächlich wiederbeleben will. Auch der ADAC richtet sich mit bundesweiten Trainings an Wiedereinsteiger. Einige Versicherungen unterstützen solche Trainings. Zudem fördern laut ADAC viele Berufsgenossenschaften speziell mit Prüfsiegel versehene Veranstaltungen. Eine andere Möglichkeit ist der Weg zur Fahrschule. Der Vorteil hier liegt in dem individuellen Einzeltraining, bei dem der Fahrlehrer ganz gezielt auf die Wünsche des Wiedereinsteigers eingehen kann. „Gerade bei Wiedereinsteigern ist es auch wichtig, bei der Wahl des Motorrads auf die richtige Größe zu achten“, so von Bressensdorf. Denn die Erfahrung zeige, dass viele zu viel zu großen Maschinen neigten. „Mit der schieren Größe des Bikes wird leider gerne auch zum Ausdruck gebracht, dass man sich etwas leisten kann.“ Die Erfüllung eines Jugendtraums sei hier nicht selten die Triebfeder. Ältere Biker haben großen Vorteil Statt jedoch auf eine große und schwere Harley-Davidson oder eine superschnelle Kawasaki Ninja sollten die Rückkehrer lieber zunächst auf handliche Maschinen mit weniger Leistung und Gewicht setzen. „Bei Wiedereinsteigern steigt derzeit das Interesse an Maschinen mit einem Hubraum um die 300 Kubik, die vom Für Wiedereinsteiger steht viel Training an. FOTO: F. RUMPENHORST Gewicht her rund 170 Kilo wiegen“, sagt Schümann. Zum Vergleich: Eine Harley bringt schnell 300 Kilo auf die Waage. Die leichten 300-Kubik-Maschinen seien ideal für die Rückkehr in den Sattel, da sie auch nicht so hohe Beschleunigungswerte hätten. Wichtig sei zudem, auf die Abmessungen zu achten. „Man sollte immer mit beiden Beinen auf den Boden kommen“, sagt Schümann. Seit einiger Zeit steige die Nachfrage nach sogenannten Retro-Bikes wie der BMW R nineT oder der Triumph Thruxton. Ältere Biker haben allerdings auch einen großen Vorteil: Sie seien keine Heißsporne mehr. Denn der größte Fehler, den Motorradfahrer immer wieder machten, sei die Selbstüberschätzung. „Motorradfahren ist eine Vernunftsache, und der beste Tipp lautet: Immer wieder Trainings machen, auch nach der Winterpause.“ Empfehlenswert: ein medizinischer Check, obwohl der nicht vorgeschrieben sei. Organisierte Ausfahrten von Motorrad-Reiseveranstaltern können den Wiedereinstieg erleichtern. Wie wichtig ein gutes Training ist, zeigt die Unfallstatistik. Am meisten gefährdet unter den Motorradfahrern sind Männer zwischen 40 und 60 Jahren. Rund 37 Prozent der getöteten Motorradfahrer stammen aus dieser Altersgruppe. „Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sind auch die Wiedereinsteiger in dieser Gruppe zu finden“, sagt Christian Buric vom ADAC. Auch der BVF hält die Wiedereinsteiger für gefährdet. „Gerade innerhalb der ersten 500 Kilometer gibt es hier viele schwere Unfälle“, sagt von Bressensdorf. Schuld jedoch seien gar nicht unbedingt immer die Motorradfahrer selbst, sondern die gesamte Verkehrssituation. Nach dem Winter müssten auch die Autofahrer sich erst wieder an die Motorräder im Straßenverkehr gewöhnen. „Und an die Tatsache, dass Bikes mit ihrer Silhouette erstens deutlich schlechter zu sehen sind und zweitens durch ihre Beschleunigung viel schneller herankommen.“ Anzeige

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