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Seite 16 Lehrstellen Kurier Freitag, 27. Januar 2017 Langer Weg bis zur Traum-Lehrstelle Von Frank Wilhelm Chris Godenschwege hat es wahrlich nicht leicht im Leben. Doch der junge Mann aus Neubrandenburg hat immer gekämpft. Und der Kampf hat sich für ihn gelohnt. NEUBRANDENBURG. Chris Godenschwege aus Neubrandenburg war schon einmal groß im Nordkurier. Vor fast 17 Jahren als vierjähriger Knirps auf einem Spielzeugtraktor – zusammen mit seiner Mutter. Arite Godenschwege lächelte in die Kamera. Sie hat sich aber auch viele Sorgen gemacht. Ihr Chris leidet seit seiner Geburt an Mukoviszidose, eine tückische Stoffwechselkrankheit, die dafür sorgt, dass Menschen sehr anfällig für Infektionskrankheiten sind. „Ich habe Angst vor der Zukunft“, sagte Arite Godenschwege damals. Heute sorgt sie sich auch noch um ihren Sohn, der 21 Jahre alt ist. Sie ist aber auch unendlich stolz. „Ich freue mich, dass er es bis zum Abitur geschafft hat. Er hat einen starken Willen und ist sehr selbstständig.“ Es sind nur noch wenige Wochen, dann beginnen für Chris Godenschwege die Abschlussprüfungen am Albert-Einstein-Gymnasium. Physik, Chemie, Mathematik, Deutsch schriftlich, Geo- Chris Godenschwege als Vierjähriger zusammen mit seiner Mutter und heute als 21-Jähriger. Seit der Geburt ist der Neubrandenburger an Mukoviszidose erkrankt, eine tückische Stoffwechselkrankheit. FOTOS: SCREENSHOT NORDKURIER/FRANK WILHELM grafie mündlich – dann hat er das Abi geschafft. Sein Weg war ungleich schwerer als der der meisten Mitschüler. Schon im Kindergarten fehlte Chris wegen seiner chronischen Krankheit häufig. Aufgrund verschiedener intensiver Krankenhaus- Therapien fielen auch zahlreiche Schultage aus. Bis heute kosten Therapien wie das Inhalieren oder die Gymnastik täglich zwei Stunden Freizeit. Doch Chris kämpfte sich durch. Seinen Realabschluss an der Körperbehindertenschule (KÖS) absolvierte er mit 1,5. Danach nahm er das Abitur in Angriff. Die 10. Klasse musste er wegen der fehlenden zweiten Fremdsprache wiederholen. Auch die attestierte Lese- Rechtschreib-Schwäche (LRS) machte es ihm nicht leichter. Derzeit stehe er zwischen 3 und 4. „Ich will das Abitur mit 3 abschließen“, sagt Chris Godenschwege. Für den 21-Jährigen wäre das angesichts seiner Handicaps eine Riesen-Leistung. Der junge Mann kämpfte und kämpft sich intensiv durchs Leben, weil er weiß, dass er wegen der Krankheit eine begrenzte Lebenserwartung hat. „Die Ärzte sagen, dass ich vielleicht 40 Jahre alt werde“, sagt er. Seine Schlussfolgerung: „Wer schneller lebt, ist eher fertig.“ Wollte Chris Godenschwege in der 11. Klasse noch studieren, Atomphysik oder Chemie, entschloss er sich später, auf Lehrstellensuche zu gehen. Früh stand fest, dass es – aufgrund seiner Anfälligkeit für Infektionen – ein Job in einem Büro werden würde. Der junge Mann bewarb sich unter anderem bei der Rentenversicherung und der Agentur für Arbeit, bei den Stadtwerken und im Rathaus seiner Heimatstadt. Sieben Bewerbungen folgten sieben Tests. Bei den Stadtwerken habe er sich von Anfang an am besten gefühlt. Schon eine Woche nach dem Test folgte die Einladung zum Vorstellungsgespräch. „Es ist wichtig für Bewerber, dass das so schnell geht“, sagt er. In der Runde mit den Personalverantwortlichen sei natürlich auch seine Krankheit angesprochen worden. „Aber ich hatte immer das Gefühl, dass es um mich als Menschen geht, nicht um Fehltage oder Zensuren.“ Am 1. September startet er seine Lehre als Industriekaufmann bei den Stadtwerken. Auch im Gespräch mit dem Nordkurier geht der junge Mann überraschend offen um mit der Mukoviszidose. Während viele seiner Mitschüler unbeschwert ihr Leben genießen, ist Chris Godenschwege bewusst, dass seine Lebenszeit deutlich beschränkter sein dürfte. Viele Altersgenossen mit der gleichen Krankheit, die er aus Kita- und KÖS-Zeiten kannte, sind schon von dieser Erde gegangen. Ein Knackpunkt für ihn war der Tag, als eine gute Bekannte mit 14 Jahren starb. Aus der Trauer habe er sein Selbstbewusstsein, seinen offenen Umgang mit der Krankheit gewonnen, sagt Chris Godenschwege. Er will seinen Weg weitergehen: Im Sommer steht eine Reise auf die Malediven an. Irgendwann will er einen eigenen Haushalt gründen, gerne mit einer „Frau fürs Leben“. Kontakt zum Autor f.wilhelm@nordkurier.de Anzeige NBS NBN PZ TZ AZ AZD HZ PAZ DZ MZ MST MSM SZS

Freitag, 27. Januar 2017 Lehrstellen Kurier Seite 17 Neben den Ergebnissen zählt auch das Verhalten des Bewerbers. Ralf Böhnke, Teamleiter Berufsberatung bei der Neubrandenburger Arbeitsagentur Wer ist das eigentlich, der sich da bei uns beworben hat? Viele Firmen wollen die Anwärter für Lehrstellen und freie Jobs gern genauer kennenlernen. Dafür gibt es zahlreiche Testverfahren vom reinen Wissenstest über den Online-Test bis zum mehrtägigen Assessment-Center. FOTO: © MILLES STUDIO - FOTOLIA.COM Was ist ein Assessment- Center? „Ein Assessment-Center ist ein systematisches Auswahlverfahren, bei dem die Kandidaten unter gezielter Beobachtung stehen“, erklärt Ralf Böhnke, Teamleiter Berufsberatung bei der Neubrandenburger Arbeitsagentur. Es gibt unterschiedliche Tests in einer Kombination aus Einzel- und Gruppenaufgaben. Das Wort Assessment-Center kommt aus dem Englischen. „To assess“ bedeutet „etwas bewerten, abschätzen oder feststellen“. Welche Ziele hat so ein Auswahlverfahren? Der Betrieb will sich ein Bild von den aussichtsreichsten Kandidaten machen. Dabei stellen sich die Verantwortlichen vor allem drei Fragen: Ist der Bewerber den Anforderungen der Ausbildung NEUBRANDENBURG. Trends gibt es nicht nur in der Mode, sondern auch bei Bewerbungsverfahren. So beobachtet Berufsberaterin Martina Bogedein von der Neubrandenburger Arbeitsagentur, dass immer mehr Firmen Online- Tests für die Auswahl möglicher Azubis nutzen. „Die jungen Leute bekommen einen Link, über den sie sich einloggen und dann zu Hause am Rechner Fragen beantworten“, erklärt sie. Gerade bei großen Unternehmen ersetze diese „Prüfung“ dann oft den Bewerber unter Beobachtung gewachsen? Passt er in den Betrieb? Wird er mit der Ausbildung und der späteren Tätigkeit zufrieden sein? Es geht also um Kompetenz, Persönlichkeit, Motivation. Was wird beurteilt? „Neben den Ergebnissen der Tests zählt bei diesem Auswahlverfahren auch das Verhalten des Bewerbers“, wie Ralf Böhnke betont. Ist er dem Anlass gemäß gekleidet? Zeigt er sich freundlich, Wissenstest zum Ankreuzen auf Papier. „Bei uns hat der Online- Test die reine Leistungserfassung abgelöst. Wir möchten damit herausfinden, ob der Bewerber geeignet ist, und wollen mehr über seine Interessengebiete und Stärken erfahren“, erklärt Sylke Matthus, Ausbildungsleiterin bei der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin. Es gehe vor allem um unternehmerisches Denken und Interesse an Wirtschaft. „Nur wer das mitbringt, wird mit dem Beruf Bankkaufmann auch glücklich“, weiß sie. Deshalb empfiehlt sie jedem Kandidaten, ehrlich an den Test heranzugehen. „Am Ende kann auch die Erkenntnis stehen, dass der Beruf vielleicht doch nicht der richtige für mich ist. Das hat dann aber nichts mit durchfallen zu tun“, meint sie. Ein genaueres Bild von sich selbst zu bekommen, sei auch gut für den Bewerber. „Und wer Assessment-Center steht auf der Einladung, die der Wunsch-Ausbildungsbetrieb geschickt hat. Manchmal heißt die Veranstaltung auch Auswahl-Tag oder Bewerber-Runde. Was wird da von mir erwartet? Muss ich Angst davor haben? Bei guter Vorbereitung nicht, meint der Neubrandenburger Berufsberater Ralf Böhnke. höflich, natürlich, ungezwungen? Gute Karten hat derjenige, der sicher auftritt und seine Meinung vertritt, trotzdem aber andere ernst nimmt, zuhört und aufgeschlossen ist. Dazu gehört es natürlich, seine Ansichten in einer klaren, präzisen Sprache darstellen zu können. Welche Tests erwarten die Bewerber? Das können Wissenstests ebenso sein wie Persönlichkeitstests oder psychologische Leistungstests, bei denen es um Intelligenz und Konzentration geht. Für manche Berufe werden auch praktische, zum Beispiel handwerkliche Fähigkeiten getestet. Außerdem gibt es Präsentationen und Vorträge Einzelner, Gruppendiskussionen oder Rollenspiele. Bei sogenannten Postkorbübungen geht es darum, Wichtiges und Unwichtiges zu erkennen und zu sortieren. dann eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhält, weiß: Er hat eine gute Wahl getroffen und ist für diesen Beruf geeignet.“ „Selbstverständlich erwarten wir von unserem Berufsnachwuchs gute Leistungen“, sagt die Ausbildungsleiterin. Zensuren allein seien da aber nicht immer aussagekräftig. Jemand, der gut in Mathematik ist, sei nicht zwangsläufig auch gut im Umgang mit Menschen. „Deshalb geht es uns in dem Test nicht in erster Linie um Wissen, sondern um die Persönlichkeit. Bewerber bekommen in der Regel eine E-Mail mit den Zugangsdaten für den etwa anderthalbstündigen Test und mit einer kleinen Einweisung. Sylke Matthus hat bislang gute Erfahrungen mit dem Verfahren gemacht. „Das Bild aus Unterlagen und Online-Test bestätigt sich dann im Vorstellungsgespräch ganz oft“, sagt sie. Und wenn es mal letzte Zweifel gibt, ob ein Bewerber der richtige ist – „wir verschicken lieber eine Einladung mehr als zu wenig“. Allzu viele Tipps zur Vorbereitung auf den Test mag sie nicht geben. „Wichtig ist, dass der Bewerber sich Zeit nimmt und Ruhe hat. Außerdem sollte er auf jeden Fall einen Laptop oder den PC nutzen, mit Tablet oder Smartphone wird es eher nichts“, Die erste Begegnung findet immer öfter im Internet statt Von Marina Spreemann Vor der Einladung für den Bewerber steht in vielen, vor allem größeren Unternehmen ein Online- Test. Warum niemand Angst davor haben muss und jeder spannende Erkenntnisse gewinnen kann, weiß Sylke Matthus, Ausbildungsleiterin bei der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin. Sylke Matthus FOTO: SPK NB-DM schätzt sie ein. Bei etwa der Hälfte der Fragen laufe im Hintergrund die Uhr mit. Der Test sei von vornherein so ausgelegt, dass gar nicht alle Aufgaben zu schaffen seien. „Aber so können wir ja auch Schlüsse zu Belastbarkeit und Stressresistenz ziehen.“ Wissensfragen machen nur einen kleinen Teil aus. „Vielmehr geht es um Konzentrationsfähigkeit, das Erfassen von Sinnzusammenhängen und soziale Fähigkeiten“, erklärt die Ausbildungsleiterin. Ohne Störung und im Leistungshoch Berufsberaterin Martina Bogedein hält einige Tipps bereit. Sie empfiehlt, vor allem dafür zu sorgen, dass man während des Tests nicht gestört wird. E-Mails und Hinweise des Unternehmens sollte jeder aufmerksam lesen. Die günstigste Zeit für den Test sei nicht gerade unmittelbar nach Schulschluss. „Lieber eine Phase Wie können sich die Kandidaten auf das Assessment-Center vorbereiten? Der Bewerber sollte die Einladung zum Auswahlverfahren unbedingt bestätigen. Dass er gründlich über den Ausbildungsberuf und den Arbeitgeber informiert ist, sollte selbstverständlich sein. Gut ist es auch, die eigenen Bewerbungsunterlagen noch einmal gründlich zu lesen, um eventuelle Schwachstellen zu finden, die man im Gespräch noch ausbügeln kann. Die wichtigsten Punkte sind außerdem: auf Fragen vorbereitet sein, eigene Fragen überlegen und Gesprächssituationen mit Freunden oder den Eltern schon mal üben. Kurz vor dem entscheidenden Tag heißt es, passende Kleidung bereitzulegen. Und dann pünktlich zum Termin starten, um gut ausgeruht und ohne Hektik anzukommen. mit Leistungshoch wählen. Und nicht vergessen: Es sagt ja auch eine Menge über Interesse und Motivation aus, ob jemand einen Test bald absolviert oder erst mal drei Monate wartet.“ Sylke Matthus rät dringend davon ab, den speziell auf Schüler ausgelegten Test jemand anderen, vielleicht die Eltern oder ältere Geschwister, machen zu lassen. „Davon hat niemand etwas, erst recht nicht der Bewerber selbst, der somit nichts über seine Eignung für den Beruf herausfindet.“ Echt und ehrlich sein, das ist auch ihr Rat für ein auf den Test folgendes Vorstellungsgespräch. „Verstellen und verkleiden bringt gar nichts. Bewerber sollten immer im Kopf haben: Jeder Personaler ist auch ein Mensch, der wissen will, wer da eigentlich vor ihm sitzt.“ Kontakt zur Autorin m.spreemann@nordkurier.de NBS NBN PZ TZ AZ AZD HZ PAZ DZ MZ MST MSM SZS

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