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Lehrstellenkurier Oktober 2021

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Seite 6 Freitag, 29. Oktober 2021 Lehrstell Von Chef-Duzern und Langschläfern: Startprobleme von Azubis Viel zu spät in den Betrieb schlendern, dem Chef auf die Schulter klopfen und dann erst mal mit dem Gabelstapler losrollen: Wer seinen ersten Tag als Azubi so beginnt, darf sich über Gegenwind nicht wundern. Ausbeuten lassen muss man sich aber auch nicht. Von Tobias Hanraths Berlin. Die Ausbildung beginnt, der Tatendrang ist groß. Doch gerade auf den ersten Metern der Azubi-Laufbahn lauern zahlreiche Fettnäpfchen und Fallstricke. Die sollten Neu-Lehrlinge möglichst umgehen. Allerdings ist nicht jeder Stolperer zu Beginn der Ausbildung auch Schuld des Auszubildenden. Typische Fehler und Probleme von Azubis im Überblick. Zu spät im Betrieb ankommen Das ist der Klassiker unter den Fehlstarts, sagt Ausbildungsberaterin Katharina Schumann von der Handwerkskammer Berlin: „Ich sollte abklären, wie lange der Weg zur Arbeit dauert, und entsprechend planen.“ Wichtig ist dabei auch die Frage, wo man überhaupt hin muss: Zum Betrieb, zur Filiale, direkt zur Baustelle? Gerade wenn die Unterschrift unter den Ausbildungsvertrag schon ein paar Wochen alt ist, lohnt sich für solche Fragen ein Anruf im Betrieb, etwa eine Woche vor dem Start. Völlig unvorbereitet erscheinen Wer vor dem ersten Tag noch mal im Betrieb anruft, kann auch gleich ein paar andere Fragen stellen – auch wenn sie blöd erscheinen. „Ich kann eigentlich nicht zu viel fragen“, sagt Schumann. „Der Betrieb freut sich dann in der Regel, weil es zeigt, dass da jemand wirklich Interesse hat.“ Muss ich mich selbst um mein Mittagessen kümmern? Und was muss ich anziehen und sonst so mitbringen? Auch solche alltäglichen Fragen müssen unbedingt rechtzeitig geklärt werden. Arbeitsmaterialien muss der Betrieb allerdings stellen, sagt Simon Habermaaß, Bundesjugendsekretär bei Verdi. Das umfasst Schutzkleidung, Fachliteratur oder zum Beispiel die Scheren für Friseure. Ständig auf dem Handy herumtippen Nur noch schnell der Freundin erzählen oder schreiben, wie es läuft, und dann weiterarbeiten? Das Handy ist ein großes Thema, wenn man frisch ins Arbeitsleben startet. „Man sollte generell versuchen, einen guten Eindruck zu hinterlassen“, empfehlen Experten. Auch was den Gebrauch des Telefons angeht. Erst mal bleibt das Telefon besser in der Tasche, im Zweifel orientiert man sich an Kollegen. Falsche Anrede beim Treff mit dem Chef Jeder Betrieb ist anders – und damit auch der Tonfall unter Kollegen und gegenüber dem Azubi. „Im Handwerk zum Beispiel duzen sich oft alle, in großen Unternehmen kann das aber ganz anders aussehen“, sagt Schumann. Hier sollten Neulinge also erst einmal zurückhaltend sein und genau hinhören, statt beherzt den Geschäftsführer anzukumpeln. Blöde Sprüche und Beleidigungen können sich Azubis aber natürlich verbitten. Und einen festen Ansprechpartner für Fragen und Probleme dürfen sie auch einfordern. Fehler vertuschen hilft nicht Kleine Fehler passieren – und große manchmal auch. Das ist auch okay so, gerade für Auszubildende, sagt Schumann. „Aber man muss auch dazu stehen.“ Wer Mist baut, sollte sich also entschuldigen, den Fehler erklären und versprechen, dass es nicht wieder vorkommt. „Die Schuld bei anderen zu suchen oder etwas zu vertuschen, ist gerade im Handwerk und in kleinen Teams fatal.“ Ungeduld und Übereifer an den Tag legen Großem Tatendrang folgt manchmal noch größere Ernüchterung – weil man sich alles ganz anders vorgestellt hat. „Man fängt wirklich von vorne an und darf nicht erwarten, dass man im Friseursalon zum Beispiel sofort Kunden die Haare schneiden darf“, sagt Schumann. Deshalb gilt gerade am Anfang: Erst mal zuhören, auch wenn es um scheinbar banale oder langweilige Dinge geht. Sicherheitseinweisungen zum Beispiel sind in vielen Jobs am Anfang Pflicht. Wer da gleich Desinteresse demonstriert, hinterlässt nicht den besten ersten Eindruck. Ausbeuten lassen als billige Kraft „Es gibt Arbeitgeber, die mustergültig ausbilden“, sagt Habermaaß. „Und genauso gibt es leider auch Betriebe, in denen Azubis eher billige Arbeitskräfte sind.“ Ein guter Indikator dafür: Wer über Wochen immer den gleichen, langweiligen Routine-Job macht und gar nichts Neues lernt, sollte sich beschweren oder Alarm schlagen. Ansprechpartner bei solchen Problemen sind etwa Ausbildungs- und Mitarbeitervertretung im Betrieb, die zuständige Gewerkschaft oder die jeweiligen Kammern. Den Druck unterschätzen Eine Ausbildung ist etwas anderes als der Schulbesuch. Das macht sich gerade am Anfang bemerkbar: „Die erste Woche ist anstrengend, abends sind die Azubis meistens platt“, sagt Schumann – und das nicht nur in Jobs, in denen körperlich gearbeitet wird. „Deshalb sollte man sich zu Beginn auch privat nicht zu viel vornehmen, sondern sich wirklich ganz auf den Ausbildungsstart konzentrieren.“ Unordentliche Kleidung Es muss sicher nicht das Ballkleid sein, Schlips und Kragen dürfen in den meisten Berufen auch im Schrank bleiben. Ordentliche und dem Beruf angemessene Kleidung gehört aber zum Start in die Ausbildung. Schließlich lässt sich der erste Eindruck nur schwer wieder korrigieren. Deshalb lieber ein bisschen zu schick als unordentlich und nachlässig starten. Als Mauerblümchen in der Ecke sitzen Zu forsch sollte niemand auf die Kollegen zugehen. Und sich aufzudrängen ist auch kein guter Weg, um Bekanntschaften zu schließen. Doch sich freundlich vorzustellen im Kreis der neuen Kollegen ist schon die halbe Miete. Nur schüchtern in der Ecke sitzen, nichts sagen und nichts fragen, macht keinen guten Eindruck. Lieber aufmerksam zuhören, wichtige Informationen mitschreiben und nachfragen. Das kommt gut an. Meist wird der

en Kurier Seite 7 neue Azubi dann sogar zur Mittagspause gefragt, ob er mit die Kantine oder Pausenraum kommt. Das sollte niemand ablehnen, wenn er Kontakt knüpfen möchte. Aber dann heißt es, lieber erst mal gut zuhören. Rechte als Azubi nicht kennen Überstunden sollten für Azubis eigentlich die absolute Ausnahme sein. „Azubis dürfen nicht dazu ausgenutzt werden, um falsche Personalplanung aufzufangen“, sagt Habermaaß. Außerdem haben Lehrlinge ein Recht darauf, ihren Ausbildungsplan zu sehen. Auch der fehlt aber in vielen Ausbildungsbetrieben. Der Anfang im neuen Job ist nicht leicht. © – stock.adobe.com Bei Unklarheiten zum Vertrag sofort nachfragen Wer eine Ausbildung startet, sollte darauf achten, dass der Ausbildungsvertrag vor Beginn der Ausbildung schriftlich abgeschlossen wird. Darauf weist die Jugendabteilung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) hin. Bevor künftige Azubis ihre Unterschrift unter einen Vertrag setzen, sollten sie ihn aber gut durchlesen. Bei Unklarheiten gilt es sofort nachzufragen, empfiehlt der DGB Jugend. Der Ausbildungsvertrag regelt unter anderem wichtige Aspekte wie die tägliche Arbeitszeit, die Dauer der Probezeit sowie die Höhe der Ausbildungsvergütung oder die Kündigungsbedingungen. Zum Abschluss unterschreiben dann Auszubildende und Ausbilder den Vertrag. Minderjährige Azubis brauchen zusätzlich natürlich noch die Unterschrift ihrer Eltern oder Erziehungsberechtigten. Sollten sich für Jugendliche Fragen rund um die Rechte in der Ausbildung ergeben, können sich Jugendliche zum Beispiel im Ausbildungskompass des DGB Jugend schlau machen. Auf doktor-azubi.de in Internet bietet die DGB Jugend zudem die Möglichkeit, anonym Fragen zu stellen. FotoS: © auremar, fizkes, Robert KneSCHk, veCTorfusionart, RACLe Fotodesign stock.adobe.com Auf Auslandstour: Geschick beim Verhandeln gefragt Von Amelie Breitenhuber Möchten Auszubildende ins Ausland, müssen sie ihren Arbeitgeber überzeugen, dass er sie für den Lernaufenthalt freistellt. Welche Argumente ziehen? Nürnberg. Eine Sprache, unbekannte Arbeitsabläufe und neue Kulturen kennenlernen: Auszubildende können von einem Auslandsaufenthalt auf vielen Ebenen profitieren. Wer in der Ausbildung Lust auf andere Länder hat, braucht aber etwas Verhandlungsgeschick, schreibt das Portal „abi.de“. Zwar sei im Berufsbildungsgesetz geregelt, dass Azubis während der Ausbildung ins Ausland gehen können. Es bestehe aber kein Recht darauf. Sprich: Azubis müssen ihren Arbeitgeber überzeugen. Wie international agiert der Arbeitgeber? Dazu sollte man das Thema beim Betrieb offen und interessiert ansprechen, rät Berthold Hübers, stellvertretender Geschäftsführer der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA BIBB). Am besten stellt man Nürnberg. Vor dem ersten Ausbildungstag sollten angehende Lehrlinge eine Checkliste erstellen. Das rät Berufsberaterin Ines Keitel von der Agentur für Arbeit Dessau-Roßlau-Wittenberg. Auf der Checkliste können angehende Azubis all das festhalten, was es für einen erfolgreichen Start zu organisieren gilt. So brauchen Azubis etwa eine elektronische Lohnsteuerkarte, ein Girokonto, eine Krankenversicherung sowie einen Sozialversicherungsausweis. Zur Sozialversicherung zählen die Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und gesetzliche Unfallversicherung. Die Beiträge hierfür werden automatisch von der Ausbildungsvergütung abgezogen, erklärt die Beraterin. Als Azubi müsse man sich laut Keitel selbst krankenversichern. Ihren Sozialversicherungsausweis die Vorteile für das Unternehmen heraus: Etwa, dass man im Ausland neue Dinge lernt, die man mit in den Betrieb bringt. Es kann sich lohnen, schon bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz aufmerksam zu sein: Ist das Unternehmen international organisiert? Bietet es üblicherweise Auslandspraktika an? Welches Programm unterstützt mich? Praktika im europäischen Ausland werden über das Programm Erasmus+ ermöglicht. Für Länder außerhalb der EU gibt es das Programm AusbildungWeltweit. Laut Berthold Hübers fangen die Auslandsaufenthalte nach Corona derzeit „langsam wieder an“. Wichtigste Voraussetzung sei, dass viele Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes für verschiedene Länder inzwischen weggefallen sind. Bei der Vorbereitung sollte man darauf achten, welche Einreisebestimmungen für das jeweilige Land gelten und wie die Wohnund Mobilitätsvoraussetzungen vor Ort sind. Grundlegende Infos zu Erasmus+ gibt es in einer Broschüre des NA beim BIBB. Sie enthält etwa auch einen Info-Flyer für Ausbildungs- und Führungskräfte. Alles bereit? Mit Checkliste in die Ausbildung starten Berufetests: Welcher grüne Job passt zu mir? erhalten Azubis von der Krankenkasse, die Rentenversicherungsnummer teilt der Rentenversicherungsträger zu. Nervosität ist am ersten Arbeitstag ganz normal. Azubis können den Tag aber schon mal in Gedanken durchspielen. Das kann helfen, unnötigen Stress zu vermeiden. Etwa, wenn man sich bereits überlegt hat, was man anziehen möchte, wie man zum Betrieb kommt und wo man am ersten Tag wichtige Informationen erhält. Angehende Azubis sollten auch das Berufsbildungsgesetz und ihre jeweilige Ausbildungsverordnung kennen. Darin erfahren sie alles über ihre Rechte und Pflichten. Die Ausbildungsordnung zu ihrem Beruf finden Azubis zum Beispiel über die Datenbank-Suche des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Bonn. Umweltschutz ist für Jugendliche ein Topthema. Und nach der Schule? Wer auch bei der Ausbildungs- und Berufswahl grün denken will, hat viele Optionen: Gärtner? Elektronikerin? Pflanzentechnologe? Die Orientierung fällt bei der Vielzahl an Angeboten gar nicht so leicht. Das „Netzwerk Grüne Arbeitswelt“ hat auf seiner Webseite verschiedene Tools und Tests zusammengestellt, die genau dabei helfen sollen. So verweist die Webseite zum Beispiel auf die Jobdatenbank des Angebots „Green Up Your Future“. Jugendliche können über 350 Jobs zu den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit entdecken. Die Datenbank bietet Filteroptionen, je nachdem, an welchem Punkt der Berufsorientierung man steht. Auf der Webseite des Netzwerks Grüne Arbeitswelt finden Interessierte auch einen Überblick zu den Berufsfeldern der grünen Arbeitswelt, von „Green IT“ über „Tiere und Pflanzen“ bis zu „Umweltpolitik“.

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