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06 Interview

06 Interview „DieJugendlichen müssen unbedingt miteinbezogen werden.“ Wiejugendfreundlich dieStadt Neubrandenburg istund welche Konflikteinder Freizeitgestaltung junger Leute auftreten, verrät RatsherrStevenGiermann im Gesprächmit Verena Teske-Mbalisike. WelcheMöglichkeiten zur Freizeitgestaltung habenjunge Leute in Neubrandenburg? Im Bereich des Sports ist unsere Stadt mit ihren Vereinen wirklich gut aufgestellt.Derzeit nehmen über 5000 Kinder und Jugendlichedie Angebotewahr. Auch kulturell und musikalisch decken Träger und Vereine den Freizeitbereich gut ab. Jugendclubs sind nicht mehr die Nummer 1inder Freizeitgestaltung. Angebote gibt es in denStadtteilen Südstadt,Vogelviertel, Datzeberg undOststadt. Ausbaufähig ist hingegen die Abendgestaltung. Wiesieht es denn mitder Abendgestaltung aus? Wo können Jugendlichefeiern? Wirhaben Bars,das Colosseum, aber auch öffentliche Freiflächen am Belvedere oder den Brodaer Strand. Dort treffen sich die Jugendlichen zum Feiern. Leider bilden diese Orte aber auch Hauptkonfliktpunkte wie Lärmbelästigung durch zu lauteMusik,Alkoholexzesse... ...wodurch sich Anwohner belästigt fühlen. Genau. Da muss dann das Ordnungsamt anrücken und auf die zu laute Musik oder Müll hinweisen. Hier ist aber auch das Jugendamt gefragt, das eben mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen sollte. Wo liegen denn die Verantwortlichkeiten? Seit über einem Jahr laufen intensive Diskussionen in der Jugendpolitik und konkret in der Jugendbeteiligung. Es braucht eine Struktur und die Klärung, wer nimmt was in die Hand. Die Verantwortlichkeiten aller Akteure müssen festgelegt werden. Dazu hat sich aus der Stadtvertretung heraus die Arbeitsgruppe „Kinder- und Jugendbeteilung“ gegründet, damit eben Kinderund Jugendliche unserer Stadt zukünftig deutlich mehr Gehör finden. DieKontaktbeschränkungen wegender Corona-Pandemie warenauchnicht gerade förderlich. Keine Konzerte, keine Zusammenkünfte – junge Leute mussten in den vergangenen eineinhalb Jahren auf vieles verzichten. Wenn man sich vorstellt, ein zu Beginn des ersten Lockdowns 16-Jähriger, der noch nicht mal in der Disko war, welch‘ besondere Lebenszeit ihm dadurch genommen wurde. Es ist verständlich, dass die Jugendlichen feiern wollen. Seitdemdas wiedermöglich ist. Nur hört esdort auf, woandere massivgestörtwerden. WiekönnteesIhrer Meinung nachgelingen, dieKonflikte mitden Jugendlichen zu lösen? Auf jeden Fall müssen die Jugendlichen miteinbezogen werden. Ich denke dazum Beispiel an Gesprächsformate mit den jungen Leuten über die Schule, Jugendsprechstunden mit dem Bürgermeister, einen Exkurs im Sozialkundeunterricht oder eine Zukunftswerkstatt. Auch ein sogenanntes Partydorf ist ein interessanter Ansatz. Ich bin pro Party und denke daan dieZeit,als ichgern feiern war. Steven Giermann: „DieVerantwortlichkeiten aller Akteure in derJugendbeteiligung müssen geklärt werden. Da braucht es eineklareStruktur.“ ©StevenGiermann/privat AlsJugendlicherdamals undals Stadtvertreter heute kennen Sie ja beideSeiten... Als ich 15oder 16war, habe ich mit meinen Kumpels auf dem Fußballplatz im Weidenweggekickt. Auf dem Zaun dort war Stacheldraht. Da sind uns jede

Woche die Fußbälle kaputt gegangen. Da haben wir einfach den Stacheldraht selber entfernt. Da dachte ich mir: Wie kann das sein?Das geht doch so nicht. Und das war dann auch meine Motivation, mich mit der Arbeit der Stadtvertretung zu beschäftigen. Ich wollte in einem Gremium dabei sein und mitentscheiden. An wenkönnensichdenn Jugendlichewenden, die ebenfalls gehört werden wollen oder Ideenfür Veränderungen haben? Die Bürgerbeauftragte ansprechen, zur Sitzung des Generationenausschusses oder der Stadtvertreter kommen. Genauso geht es auch, die jeweiligen Leute über digitale Kanäle anzuschreiben. Bei meinen Gesprächen mit Jugendlichen finde ich esimmer wieder beeindruckend, wie politikinteressiert sie sind. Wichtig ist es, keine Angst davor zu haben, Kontakt aufzunehmen. Aufeiner Skalavon 1bis 10 – Wiejugendfreundlichist die Stadt Neubrandenburg? Wir sind jugendfreundlicher als wir denken. Ich würde Neubrandenburg auf der Skala zwischen 6 und 7 einordnen. Ein großes Plus ist die Vereinsarbeit der Stadt. Ebenso stolz bin ich auf die ehrenamtliche Beteiligung. Clubs bzw. Diskos könnte es jedoch mehr geben. Die Clubszene ist ausbaufähig. Dazu könnte ich mir auch gut vorstellen, wenn es in jedem Stadtteil kleine Sitzgruppen mit Überdachung für die jungen Leute geben würde. Was ich sehr wichtig finde, wäre eine Möglichkeit zu schaffen, dass jeder, der möchte, mitredenkann. StevenGiermann(CDU-Fraktion) gehört derStadtvertretung seit 2019 an.Erist Vorsitzenderdes Ausschusses fürGenerationen, Bildungund Sportder Vier- Tore-StadtNeubrandenburg. Der 23-Jährigestammt aus Neubrandenburg,hat in Rostock aufLehramtstudiert undbeginnt ab Oktobersein Referendariataneinem Neubrandenburger Gymnasium. Arbeitsgruppe„Kinder-und Jugendbeteiligung“ Um dieBeteiligung vonKindern undJugendlichen in Neubrandenburg nachhaltig undeffektivzuerhöhen,haben dieStadtvertreter dieArbeitsgruppe „Kinder- undJugendarbeit“gegründet. „Einerseitsgibt es vieleStrukturen für Jugendliche,jedoch sollteetwa dieVernetzung derAngebote untereinanderintensiviert werden“,sagtdie Vorsitzende der Arbeitsgruppe,YvetteSchöler,nachder Bestandsaufnahme. Darüber hinaus zeigten sich auch Defiziteinder Ausstattung undFörderung vonTrägern derJugend- undSozialarbeit. Zudemgingeesdarum, dieunterschiedlichen Formate herauszuarbeiten, gegeneinanderwägbar darzustellen und dabei zielgerichtetinden Austausch mit Akteurenund jungenMenschen zu gehen. Im Ergebnis werde ein Ideen- und Variantenvergleich vonBeteiligungsformatenvorliegen, welcher derStadtvertretungAnfang Oktober als Beratungs- und Arbeitsgrundlagezur Verfügung gestellt werde.„Wirsindauf einem guten Weg, langfristigeund nachhaltigeBeteiligungsmöglichkeiten für dieStadt zu entwickeln“, ist Yvette Schöler überzeugt undergänzt:„Jedoch brauchtesebenso auch kurzfristig Orte, Ressourcenund Ideen, um denjungen Menschen derStadt Angebotezumachen.“Jugendarbeit bleibe somit ein komplexesgesamtpolitisches Thema, bei denenviele AkteureVerantwortung unterschiedlichster Art tragen und sich gegenseitig bedingen undergänzen müssen.

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