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Stadtmagazin Neubrandenburg Oktober 2020

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24 | Stadtmagazin | Kultur Zauber der Vielfalt schafft Einzigartigkeit Menschen und ihre Bräuche. Was sind Traditionen heute noch wert? Martin Kulinna aus Neubrandenburg will darauf mit der Kamera Antworten geben. Noch heute jagt er ihm Schauer über den Rücken – jener Anblick dieses Fotos: Zwei Frauen umarmen sich unter Tränen innig. Sie scheinen die anderen Menschen neben sich nicht wahrzunehmen, nicht die rauchende Frau, die an ihnen vorbei ins Irgendwo blickt, und auch nicht das Paar in vertrauter Geste auf der anderen Seite. Diese Umarmung zieht in den Bann. Dieser Moment im spanischen Wallfahrtsort El Rocio verewigt zu haben, das ist für Martin Kulinna Ausdruck seiner Leidenschaft: der Fotografie. Und dazu gehört seit Jahrzehnten auch das Reisen. Eines seiner Projekte, aus dem sein jüngstes Buch, der Bildband „Feste – Festivals“, entstand, in dem Kulinna Fotos von Riten und Wallfahrten versammelt, die er über Jahre auf seinen Stationen durch Europa, Asien und Südamerika aufgenommen hat: das Jordanovden-Fest in Bulgarien oder die „Semana Santa“ zu Ostern auf Teneriffa, der Berg der Kreuze in Litauen oder der Blutritt in Weingarten Die Kamera ist sein Reisebegleiter: Martin Kulinna © PRIVAT (Bayern), der als größte Reiterprozession Europas gilt – und eben die Wallfahrt in El Rico. Geboren in Waren, studierte Kulinna Landwirtschaft und arbeitet heute als Unternehmer, um „mir die Reisen und das Equipment leisten zu können“. Denn neben viel Zeit investiert der 57-Jährige Geld in sein Hobby. Er vertraut dabei auf ganz eigene Momente im Geheimnis der Dunkelkammer: dem Entwickeln des Films, den Negativen, den Abzügen – diesem Prozess, der die Kunst des analogen Fotografierens ein Mal mehr für ihn deutlich macht. Und der im Grunde auch eine am Leben gehaltene Tradition seiner Branche ist: dann, wenn aus dem kleinen Negativ ein großes Bild mit Grautönen, Schattierungen und Detailreichtum entsteht. Ausschließlich in Schwarz-weiß fotografiert er. Und dabei soll es bleiben. „Das hat für mich eine besondere Form der Ästhetik. Analog ist Blick ins Buch. Die schwarzen Ränder um die Fotos dokumentieren das Negativ, die formatfüllende Fotografie. © CARINA GÖLS nicht nur schön, es bringt zurück zur eigentlichen Fotografie, Schritt für Schritt.“ Ergo: Kulinna hat die „Stiftung Photographie schwarz-weiß“ gegründet (über diese kann man seine Bücher beziehen, kontakt@stiftung-photographie. de), um die analoge Schwarz- Weiß-Fotografie zu bewahren. Eine Zeit lang sei er gern nach Rumänien gereist, um den besonderen Zauber dieses Landes auf Film zu bannen. Das Buch „Hinter den sieben Bergen“ entstand daraus. Auch Kuba, China, Vietnam, Spanien oder Peru steuerte er an, um dort Menschen bei deren landestypischen Festen und Feiern zu fotografieren, die in der immer uniformer werdenden Welt verloren zu gehen drohen, den Stolz eines Volkes, einer Wertegemeinschaft, einer Gruppe festzuhalten. Dabei hätte beinahe auch die Walpurgisnacht in Burg Stargard im neuen Buch Platz gefunden. „Es hat aber letztlich nicht mehr gereicht“, sagt Kulinna, der sich nicht nur als stiller Betrachter hinter der Kamera sieht, sondern empathisch mit jenen ist, denen er begegnet. Eben jene Schauer beim Anblick mancher Momente ... Carina Göls Martin Kulinna: Feste. Riten und Wallfahrten. Mit Texten von André Meier. dt./eng. Halle, Mitteldeutscher Verlag, 2020, 100 S., 25 Euro Der Mut zur Lücke ist in dem Wörterbuch absolut fehl am Platz Was passt besser zur Lektüre des Wörterbuchs „Mit der Schwalbe zur Datsche“ von Antje Baumann als ein goldbraun gebrutzelter Broiler (halbes Hähnchen), den ich mir in meiner 2-Raum-Wohnung schmecken lasse? Möglicherweise eine Ketwurst (Hot Dog) ein Schälchen Würzfleisch (Ragout fin), eine Roster (Bratwurst), lecker Letscho (Tomate-Paprika-Gericht) oder eine scharfe Soljanka (Gemüsesuppe mit Wurst) – fänd ich alles urst ... Nur leider sucht man diese DDR-Begriffe – und Köstlichkeiten – in dem Buch vergeblich. Nicht nur kulinarisch hat der Duden-Verlag hier Mut zur Lücke, auch typische Ost- Ausdrücke wie Feierabendheim, Theateranrecht, Nicki (T-Shirt), Abschnittsbevollmächtigter (ABV), Bundi, Brigade, Gruppenrat oder – eine Schande – Trabi fehlen ohne Not. Und das fetzt überhaupt nicht! Der Rest ist nette Nostalgie. sisa Antje Baumann: Mit der Schwalbe zur Datsche, Duden, 2020, 130 S., 12,40 Euro

Kultur | Stadtmagazin | 25 Kultur-Tipps Besondere Johnson-Tage Die andere Seite mit ihren eigenen Augen zu sehen – diese Forderung des Schriftstellers Uwe Johnson (1934-1984) liefert den Veranstaltern der Uwe-Johnson-Tage einen Grundgedanken für ihr diesjähriges Motto. Um „Besondere Mischungsverhältnisse – Uwe Johnson und die Deutschen in Ost und West vor und nach 1989“ soll es in den nächsten Wochen bei der literarischen Reihe in Güstrow und Neubrandenburg gehen. Das Neubrandenburger Programm widmet sich dem kirgisischen Autor Tschingis Aitmatow. Für Literatur der Wolgadeutschen – steht der 1938 entstandene, aber erst vor wenigen Jahren durch Carsten Gansel in russischen Archiven aufgespürte Roman „Wir selbst“ von Gerhard Sawatzky. Auf Lesung mit Birk Meinhardt zu seinem Buch „Wie ich meine Zeitung verlor“ über seine Jahre bei einer großen deutschen Tageszeitung folgt zum Finale der Johnson- Tage ein Abend mit Detlef Stapf. Sein Essay „Der Schmerz des Westens“, soll Ende Oktober als Buch erscheinen. Das komplette Programm ist online abrufbar. www.uwejohnsonpreis.de Ihr Hörgerät im individuellen Schmuckstück! Testen Sie jetzt Ihr Gehör und erfahren Sie mehr zum EORA Hörschmuck exklusiv und unverbindlich bei uns. Rufen Sie gleich an und vereinbaren einen Termin! Mit Silikon fantasievolle Kunstwerke gezaubert Die Berliner Künstlerin Anke Eilergehard ist ab Oktober mit ihrer Ausstellung „You & me“ in der Neubrandenburger Kunstsammlung zu erleben. Eilergerhard, die ihre Werke weltweit präsentiert, zeigt ihr Schaffen erstmals in einer Einzelschau im Nordosten. Die Exponate spiegeln die Breite ihres Talentes und ihrer ungewöhnlichen plastischen und ausgefallenen Fantasien wider. Zu erleben sind Fotografien, interaktive Skulpturen, Plastiken aus Silikon und Porzellan. Diese Sonderausstellung ist bis zum 29. November 2020 zu sehen. Am 7. Oktober 2020 steht die Künstlerin um 18 Uhr für ein Künstlergespräch zur Verfügung. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird um Anmeldung unter 03955-55-1290 bzw. kunstsammlung@neubrandenburg.de gebeten. Fritz-Reuter-Str. 13 ∙ 17087 Altentreptow ∙ Tel.: 03961 338 09 39 E-Mail: info@hoergeraete-altentreptow.de © 2020 Pandora Jewelry GmbH | Ballindamm 39 | 20095 Hamburg Kollektion ab € 35 Entdecke die neue Kollektion von Pandora bei Die Berliner Künstlerin Anke Eilergehard © ZVG

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