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Ratgeber Traumjob

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SEITE 30 FREITAG, 29. JUNI 2018 Seltene Berufe fast fertig: nur die dekoration fehlt noch. fotos (8): ina fassBender ob Party oder ausflug –diesen hut setzt man sich gern auf. modisten werfen ihre hüte modisten brauchen viel geduld. in den ring mit dem rohling fängt es an: welcher passt für den nächsten hut? Putzmacher, hutmacher oder modist –es gibt wohl kaum einen Beruf, der so viele verschiedene namen hat. kein wunder, existiert er doch bereits seit Jahrhunderten. hat er immer noch eine zukunft? Bunt und bunter: für die hüte werden viele utensilien gebraucht. Bei soeiner auswahl gehört auch die kundenberatung zum Beruf. monique stahl (l.) mit ihrer chefin ulrike strelow hutmacher ist ein Beruf mit tradition. Von AnkeDankers berlin. Warum sie ausgerechnet Modistin werden wollte? Monique Stahl muss schmunzeln, denn die Frage hat sie schon oft gehört. „Nach dem Abitur wusste ich zunächst so gar nicht, was ich machen möchte“, erzählt sie. „Meine Oma war früher Schneiderin, mit ihr habe ich schon früher gerne genäht. Die kreative Arbeit war schon immer ein Teil von mir.“ Doch trotz der früh entdeckten Leidenschaft für die Mode fand Stahl auf eher klassischem Weg zuihrem Beruf: Ein Test zur Berufsorientierung empfahl die dreijährige Ausbildung zur Modistin. „Dann habe ich mich informiert, was man da so macht und fand es total interessant.“ Inzwischen ist die 21-Jährige in ihrem dritten Lehrjahr als Auszubildende in der Hutmanufaktur von Ulrike Strelow in Essen. Ihre Aufgaben reichen vom Entwerfen, Skizzieren und Fertigen verschiedenster Kopfbedeckungen bis hin zur Kundenberatung, Auftragsbearbeitung und Kostenkalkulation. In den Betrieben und der Berufsschule lernen angehende Hutmacher zum Beispiel die Eigenschaften verschiedener Stoffe und Materialien kennen. Neben dem Umgang mit Maschinen und Werkzeugen stehen auch Themen wie Hutformen, Farbenlehre oder Kostümgeschichte auf dem Stundenplan. Es istein altes Handwerk, und trotzdem kann man ganz modische Dinge damit machen. Monique Stahl, angehende Modistin „Die Präsentationen von Kopfbedeckungen in Schaufenstern, bei Ausstellungen oder vor Kundinnen ist ein weiterer wichtiger Lehrinhalt“, erklärt Caroline Tiedtke. Sie ist Fachbereichsleiterin für Technologie an der Modeschule Berlin. Seit 18 Jahren bildet die Studiendirektorin angehende Modisten aus und entwickelte die aktuelle Ausbildungsordnung mit. Doch der Traditionsberuf scheint vom Aussterben bedroht: Die Modeschule Berlin ist eine von nur noch drei Berufsschulen für Modisten deutschlandweit. Im Jahr 2016 zählte das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) deutschlandweit 36 Hutmacher in Ausbildung. 1997 waren es immerhin noch 97. Trotzdem ist sich Tiedtke sicher,dass der Traditionsberuf eine Zukunft hat: „Viele meiner ehemaligen Azubis haben sich selbstständig gemacht. Sie haben eine neue, zeitgemäße Art Kopfbedeckungen herzustellen und zu verkaufen. Bei einem gewissen Maß an Flexibilität und Mobilität wird ein Modist immer Arbeit finden“, erklärt die Expertin. Reich wird man dabei aber vermutlich nicht: Laut Bundesagentur für Arbeit gibt es derzeitnur in Bayern einetarifvertragliche Regelung, laut der Modisten in Ausbildung zwischen 800 und 900 Euro monatlich verdienen. Teils gibt es aber auch viel weniger: Die Handwerkskammer Hamburg zum Beispiel nennt auf ihrer Webseite eine Ausbildungsvergütung zwischen 220 und 325 Euro. „Man verdient zwar nicht so viel Geld“, sagt auch Monique Stahl, „doch wer sich einmal für den Beruf entschließt, für den wird die Hutmacherei oft zur Berufung.“ Das Schöne an ihrer Arbeit sei die Vielfalt an Materialen und Möglichkeiten der Gestaltung. „Es ist ein altes Handwerk, das sich eigentlich kaum verändert hat, und trotzdem kann man ganz modische Dinge damit machen. Das finde ich total cool“, sagt sie. Ihre persönliche Herausforderung fand Stahl weniger im Handwerk, sondern eher in der Kundenkommunikation. „Man muss aus seiner Komfortzone herauskommen und mit Selbstbewusstsein an die Sache herangehen“, erzählt sie. Tatsächlich fällt das ständig neue Eingehen auf Kunden und ihre Wünsche vielen Auszubildenden zunächst schwer, sagt auch Stahls Ausbilderin Ulrike Strelow. „Außerdem ist für manche die Geduld ein Problem, die sie mitbringen müssen, wenn sie schon länger an einem Hut nähen“, erklärt Strelow. Darüber hinaus seien vor Ich habe das Gefühl, dassder Hut wieder im Kommen ist. Er istwieder ein ganz normaler Teil der Garderobe geworden. UlrikeStrelow, selbstständige Hutmacherin und Ausbilderin allem handwerkliches Geschick, Fingerfertigkeit, Kreativität und modisches Gespür wichtig. Eher schwierig sei, wenn der Berufswunsch Modist nur einer von vielen ist, sagt Strelow.„Es gibt nicht mehr viele Ausbildungs- und Arbeitsstellen, man muss flexibel sein und total hinter dem Beruf stehen.“ Werdas tut, kann in Hutgeschäften oder am Theater eine Anstellung finden. Sich selbstständig zu machen ist ein weiterer Karriereweg. Für die Existenzgründung als Hutmacher braucht es keinen Befähigungsnachweis wie den Meisterbrief. Die Zukunft sei auch unter den Azubis ein großes Thema, sagt Monique Stahl. „Ich habe aber auch schon überlegt, noch ein Modestudium hinten anzuhängen.“ So oder so, der Beruf des Modisten wird auch weiterhin seine Existenzberechtigung haben, da sind sich Monique Stahl und ihre Chefin Ulrike Strelow einig. „Ich habe das Gefühl, dass der Hut wieder im Kommen ist“, sagt Strelow. „Er ist wieder ein ganz normaler Teil der Garderobe geworden, in all seinen Unterschiedlichkeiten, als Alltags- oder Schmuckhut.“ In Monique Stahls Umfeld feiert die Kopfbedeckung längst ein Comeback: „In der Familie kommen ganz viele Leute zu mir und fragen, was ihnen denn stehen würde. Vorher hätte ich nie gedacht, dass ich mal als Hutmacherin arbeite. Aber es ist etwas Besonderes, und das finde ich auch so schön daran. Man hat immer viel zu erzählen.“

FREITAG, 29. JUNI 2018 SEITE 31 Seltene Berufe kühler kopf in krisen gefragt oft sieht man sie imfernsehen: sie sprechen für firmen, aber auch für Behörden wie die Polizei. Pressesprecher vermitteln zwischen ihrem arbeitgeber und den medien. viele sind gelernte Journalisten. aber es führen auch andere wege in den Job. VonNikolas Golsch berlin. Geschichtenerzähler, Krisenmanager und Kontaktmann: Alldas muss Wolfgang Weber von Berufs wegen sein. Seit 26 Jahren ist er Pressesprecher bei der Lufthansa. Von seinem Berliner Büro aus ist er zuständig für die Medienkontakte der Fluggesellschaft in Nord- und Ostdeutschland sowie für politische Themen. Er vertritt das Unternehmen gegenüber den Journalisten, gibt Interviews und schreibt Pressemitteilungen. Pressesprecher übernehmen für Unternehmen, Behörden, Verbände oder Vereine dieKommunikation mit den Medien. „Sie informieren vor allem über Ereignisse und Planungen, die für Außenstehende von Interesse sind“, sagt Paul Ebsen von der Bundesagentur für Arbeit. „Und sie sorgen natürlich für eine positive Darstellung in der Öffentlichkeit.“ Pressesprecher werden häufig auch „Public-Relations-Manager“ oder „PR-Manager“ genannt. „Zum Beruf führen verschiedene Wege“, sagt Hendrik Zörner vom Deutschen Journalistenverband (DJV). Viele machten zunächst eine Ausbildung zum Journalisten. Voraussetzung dafür ist in der Regel ein Studium. Renommiert sei vor allem der Studiengang Journalistik in Dortmund (Bachelor) oder Leipzig (Master). Zum Beruf des Redakteurs führt aber auch ein zweijähriges Volontariat bei einem Medium oder die Ausbildung an einer Journalistenschule. Diesen Wegist Wolfgang Weber gegangen. Er studierte Publizistik und Politikwissenschaft in München und Bonn und absolvierte parallel die praxisbezogene Ausbildung wolfgang weber arbeitet seit vielen Jahren für die lufthansa als Pressesprecher. der Beruf wandelt sich. soziale medien werden in dem Job immer wichtiger. foto: florian schuh an der Deutschen Journalistenschule in München. Danach arbeitete er drei Jahre als Lokalredakteur bei einer Regionalzeitung im Rheinland. „Da habe ich das journalistische Handwerkszeug gelernt“, sagt der heute 63-Jährige. „Aber das wollte ich nicht ewig machen.“ interview brachte wechsel der schreibtisch-seite Zwei Jahre lang arbeitete Weber danach als freiberuflicher Korrespondent für Zeitungen und Rundfunksender. Ein Interview mit einem damals führenden FDP-Politiker führte zu einem ersten Wechsel „auf die andere Seite des Schreibtischs“: Mit 27 Jahren wird Weber, obwohl parteilos, stellvertretender Sprecher der Liberalen. „Das war ein echter Perspektivwechsel“, sagt er heute. „Als Pressesprecher bist du ganz dicht dran an den Entscheidern, bekommst einen tiefen Einblick in die politische Arbeit. Aber Grundbedingung ist: Du musst hinterdem politischen Kurs stehen, den du als Sprecher nach außen vertrittst.“ Zwei Jahre lang sei ihm das nicht schwergefallen. „Ich konnte mich mit der Partei und dem sozialliberalen Kurs unter der Regierung Schmidt/ Genscher weitgehend identifizieren.“ Als dann 1982 der Wechsel kam zu Schwarz- Gelb, sagt Weber,„war es für mich konsequent, den Job zu kündigen und zurück in den Journalismus zu wechseln.“ Das Problem der Identifikation hätten einige Pressesprecher, sagt Zörner vom DJV. „Da sind auch schon etliche Kollegen dran gescheitert.“ Es sei wichtig, sich einen Arbeitgeber zu suchen, der zumindest grob zu den eigenen Interessen und Einstellungen passt. Den hat Wolfgang Weber dann vor 26 Jahren gefunden. Seit Beginn der 1990er Jahre arbeitet er in der Lufthansa-Pressestelle. Die Luftfahrt hat ihn schon seit seiner Studienzeit interessiert. Zwei Jahre nach seinem Start in der Frankfurter Zentrale der Lufthansa-Pressestelle übernimmt Weber 1992 die Außenstelle in Berlin. Eine Flugstunde entfernt von der Zentrale in Frankfurt sei er als Pressesprecher ein klassischer Generalist und Frontmann: „Du musst jeden Tag zu einer Vielzahl von Themen Auskunft geben können oder zumindest wissen, wie und wo in dem riesigen Konzern du schnell an die Informationen herankommst –denn keiner ist allwissend.“ Im Lauf der Zeit hat sich der Beruf gewandelt. Social Media erlangt immer mehr an Bedeutung. „Ein Pressesprecher muss heute auch fit sein in den sozialen Medien“, sagt Hendrik Zörner. oft wechsel aus anderen unternehmensbereichen Neben dem klassischen Weg vom Journalisten zum Pressesprecher gebe es noch weitere Möglichkeiten, sagt Zörner. Möglich sei auch ein PR-Studium. „Aber es ist auch üblich, dass Mitarbeiter aus anderen Bereichen eines Unternehmens zu einem gewissen Zeitpunkt in die Kommunikationsabteilung wechseln“, sagt er. Das Gehalt könne sich sehen lassen, sagt Paul Ebsen von der Arbeitsagentur. Im öffentlichen Dienst liege das monatliche Bruttogehalt zwischen 3500 und 5500 Euro, in der freien Wirtschaft sehe es in etwa genau so aus. Es kann aber auch einmal deutlich mehr oder weniger sein. Langweiligwerde es in seinem Job nie, sagt Weber: „Die Luftfahrt ist auch nach so vielen Jahren für mich immer noch eine faszinierende Branche mit einer unglaublichen Vielfalt an Themen.“ Und sie führe ihn als Pressesprecher auch an außergewöhnliche Orte: „Ein Termin ist die Betreuung eines TV-Drehs in unserem Simulatorzentrum in Schönefeld. Mal schauen, wo die heute landen möchten, in New York, Hongkong oder doch in Berlin; wir haben schließlich die ganze Welt im Angebot.“ Beim übersetzen geht esumnuancen Von Sabine Meuter dolmetscher und übersetzer: sodarf sich in deutschland jeder nennen. die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. aber nicht jeder sprachbegabte kann diesen Job übernehmen. berlin. Irgendwo zwischen den Zeilen könnte ein Wortspiel, ein Scherz oder eine Provokation stecken. Elena Zerlin muss bei ihrer Arbeit häufig zwei Mal überlegen. Die 25-Jährige macht einen Master in Fachübersetzen an der Hochschule Würzburg- Schweinfurt. „Wenn ich beim Übersetzen eine Anspielung übersehe oder falsch deute, kann das richtig peinlich sein“, sagt sie. Um solche Feinheiten zu erkennen, muss sie als Übersetzerin die Sprache perfekt beherrschen und die Kultur eines Landes verstehen. Bei einem Praktikum in einem Übersetzungsbüro in Frankfurt am Main, das sich auf Texte aus der Finanzwelt spezialisiert hat, übersetzte sie etwa Geschäftsberichte. Dafür brauchte sie Fachkenntnisse. „Man kann nichts von einer in die andere Sprache übertragen, wenn man von der Materie keine Ahnung hat“, sagt Elena Zerlin. oft spezialisierung auf bestimmte bereiche Der Übersetzer arbeitet mit schriftlichen Texten, der Dolmetscher mit dem gesprochenen Wort. „In nur wenigen anderen Bereichen kann man seine persönlichen Neigungen so gut zum Beruf machen“, erklärt Lisa Rüth vom Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ). Wer sich etwa für Medizin interessiert, spezialisiert sich auf Texte oder Konferenzen in diesem Bereich. Der klassische Wegführe über ein Hochschulstudium mit einem Bachelor- oder Masterabschluss, erklärt Reiner Heard. Er ist Vorsitzender des Vorstands von Aticom, dem Fachverband der Berufsübersetzer und -dolmetscher. In manchen Bundesländern ist aber auch eine dreijährige Ausbildung an Berufsfachschulen oder -akademien möglich, die mit einer staatlichen Prüfung endet. Wer Dolmetscher oder Übersetzer werden möchte, muss die Muttersprache perfekt beherrschen und ausgezeichnete Fremdsprachenkenntnisse schon zu Beginn der Ausbildung haben. Vor allem Dolmetscher brauchen zudem eine schnelle Auffassungsgabe und eine hohe Stressresistenz, sagt Heard. Gibt es bei einer Konferenz Abweichungen vom geplanten Programm, müssen sie einen kühlen Kopf behalten und souverän reagieren. Als Nachteil sieht Zerlin, dass die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist. Neben dem Fachübersetzerstudium ist eine weitere Option das Studienfach Übersetzen und Dolmetschen. Mehrere Hochschulen bieten außerdem Masterstudiengänge zum Konferenzdolmetscher an. Wersich an einer als übersetzerin braucht elena zerlin nicht nur sprachkenntnisse, sondern auch gutes allgemeinwissen. foto: karl-Josef hildenBrand Fachakademie qualifizieren möchte, muss monatliche Gebühren von um die 200 Euro einplanen. Nach ihrem Studium beziehungsweise ihrer Ausbildung arbeiten die meisten Dolmetscher und Übersetzer freiberuflich. Elena Zerlin will erst einmal fertig studieren. „Das Schöne ist, dass man im freiberuflichen Arbeitsalltag viel Abwechslung hat und sich zudem die Zeit mehr oder weniger frei einteilen kann“, sagt sie.

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