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SEITE 8 FREITAG, 4. MAI

SEITE 8 FREITAG, 4. MAI 2018 Tödliche Gefahr Experten fordern Handy-Stopp im Auto Schnell eine SMS lesen, Nachricht tippen oder mal eben die Mails checken: Immer mehr Autofahrer sind am Steuer mit dem Smartphone beschäftigt und abgelenkt. Verkehrsexperten warnen vor den Folgen. Allein durch das Tippen mit dem Handy erhöht sich das Unfallrisiko um das Sechs- bis Zehnfache. Und noch ein anderes tödliches Risiko lauert am Steuer. Von Stefanie Becker Berlin/Neubrandenburg. Im Jahr 2017 starben auf deutschen Straßen rund 3200 Menschen. Häufig spielt bei tödlichen Verkehrsunfällen Ablenkung eine Rolle. Experten gehen davon aus, dass 20 bis 30 Prozent der Unfälle auf Ablenkung zurückzuführen sind. Autofahrer verkennen das Risiko – Chatten, Twittern und Posten am Steuer sind längst salonfähig. Das Problem: Sobald die Augen von der Straße, die Hände vom Steuer und die Aufmerksamkeit vom Verkehrsgeschehen abweichen, steigt die Unfallgefahr rapide an. Wer bei Tempo 50 knapp zwei Sekunden lang auf das Handy schaut, ist 30 Meter im Blindflug unterwegs. Brenzlige Situationen können dann nicht mehr rechtzeitig wahrgenommen werden, um einen Unfall zu verhindern. „Kommt es zu einem Frontalaufprall, ist das eine lebensbedrohliche Situation“, sagt Professorin Dr. Julia Seifert, Vizepräsidentin des Berufsverbandes Deutscher Chirurgen (BDC) und leitende Oberärztin der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Unfallkrankenhaus Berlin (ukb). Das hoch spezialisierte klinische Zentrum zur Rettung, Behandlung und Rehabilitation von Erkrankten und Verletzten im Nordosten Deutschlands verfügt über eine der modernsten Notfallaufnahmen – hier werden Unfallopfer aus dem gesamten Bundesgebiet behandelt. Professor Dr. Mark Vollrath Verkehrspsychologe Die 50-Jährige Unfallchirurgin ist Mitbegründerin der Unfallforschung an der Ernst- Moritz-Arndt-Universität Greifswald und hat sich mit den Ursachen und Folgen von Verkehrsunfällen beschäftigt. Ihre Forschungen und Analysen reichen weit über die Akutversorgung von Unfallopfern hinaus: Sie begleitet schwer verletzte Menschen über einen langen Zeitraum mit der Nachbehandlung sowie Wiedereingliederung ins Arbeits- und soziale Leben. Blindheit durch Unaufmerksamkeit „Ein Verkehrsunfall ist ein mühsamer Weg zurück ins Leben. An dem Schicksal, unverschuldet Opfer eines Verkehrsunfalls geworden zu sein, zerbrechen ganze Familien“, sagt die Unfallchirurgin. Geldstrafen haben offensichtlich keine abschreckende Wirkung – sie plädiert daher für härtere juristische Sanktionen. Bei Unfällen mit tödlichem Ausgang sind meist Kopfverletzungen die mit Abstand häufigste Ursache. Es folgen lebensgefährliche Verletzungen im Brustbereich und der Beine – das hat oft Behinderungen zur Folge. „Vielen Autofahrern ist nicht bewusst, wie dramatisch das Herumspielen mit dem Handy enden kann. Sie glauben ernsthaft, die Situation unter Kontrolle zu haben und blenden die Gefahren völlig aus“, hat Seifert beobachtet. Der Griff nach dem Smartphone erfolge nach dem Motto „Es ist doch immer gut gegangen, dann kann es nicht so gefährlich sein“. Ein fataler Trugschluss. Unfallmediziner raten zum konsequenten Handy- Stopp am Steuer. Wer beim Autofahren seinen Gedanken nachhängt, gestresst oder emotional aufgewühlt ist, sollte das Auto stehen lassen. Und noch eine weitere Zahl lässt aufhorchen: Die Unfallgefahr ist laut aktueller Untersuchungen um Wer bei Tempo 50 knapp zwei Sekunden lang auf das Mobiltelefon schaut, ist 30 Meter im Blindflug unterwegs. Foto: © nd3000 - Fotolia.com Foto: TU BRAUNSchweig „Wir glauben, dass wir mehrere Dinge gleichzeitig tun können und fühlen uns nicht wirklich abgelenkt. Aber wir sind es.“ Professorin Dr. Julia Seifert Unfallchirurgin Foto: Stefanie Becker „Vielen Autofahrern ist nicht bewusst, wie dramatisch das Herumspielen mit dem Handy enden kann.“ das Achtfache erhöht, wenn der Autofahrer nach Gegenständen sucht oder greift, das Navigationsgerät einstellt oder das Handy bedient. Die Umgebung wird dabei völlig ausgeblendet. Verkehrspsychologen nennen diesen Vorgang „Blindheit durch Unaufmerksamkeit“. „Wir glauben, dass wir mehrere Dinge gleichzeitig tun können und fühlen uns nicht wirklich abgelenkt. Aber wir sind es“, erklärt Professor Dr. Mark Vollrath, Leiter des Lehrstuhls für Ingenieur- und Verkehrspsychologie der Technischen Universität Braunschweig. Beispiel: Spielt ein Kind an der Straße mit einem Ball, kann ein geistig abwesender Autofahrer kognitiv nicht die Gefahr erfassen, dass das Kind auf die Straße laufen könnte. „Ein aufmerksamer Autofahrer hingegen erkennt die Gefahr und drosselt die Geschwindigkeit“, sagt der 56-Jährige. Stärkere Kontrollen durch Polizei notwendig Seit vielen Jahren beschäftigen sich die Verkehrspsychologen der TU Braunschweig mit den Unfallgefahren durch Ablenkung. Viele Autofahrer nutzen ihr Mobiltelefon trotz der wiederholten Warnungen – und zwar doppelt so häufig auf Autobahnen wie im Straßenverkehr. Laut einer aktuellen Studie der Unfallforscher in Braunschweig ist Tippen auf dem Handy die häufigste Nebenbeschäftigung von Autofahrern. Das Team um Vollrath beobachtete auf der A2 zwischen Hannover und Helmstedt über 2000 Autofahrer. 5,8 Prozent waren durch Tippen abgelenkt, etwa zehn Prozent beschäftigte sich mit dem Handy beim Telefonieren oder bediente Apps. „Offensichtlich ist der Griff zum Mobiltelefon auf monotonen Autobahnstrecken verlockender und das Sicherheitsgefühl sehr trügerisch“, so Mark Vollrath. Im Stadtverkehr beobachtete das Team einen leichten rückläufigen Trend – von einer Entwarnung könne jedoch keine Rede sein. „Die Androhung von Strafen allein reicht nicht aus“, ist sich Mark Vollrath sicher. „Was nützen Sanktionen, wenn die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden, in Deutschland relativ gering ist?“ Deshalb fordert der Wissenschaftler stärkere Kontrollen durch die Polizei. Besonders wichtig seien Präventionsmaßnahmen in Kindergärten, Schulen und natürlich bei der Fahrschulausbildung. Experten gehen davon aus, dass 20 bis 30 Prozent der Unfälle auf Abl 1. Egal ob als Auto- oder Fahrradfahrer: Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ausgeruht vollste Aufmerksamkeit und Konzentration. Verzichten Sie konsequent auf das Handy oder Tablet. Jede Textnachricht, WhatsApp oder Mail weckt Ihre Neugier und verwickelt Sie gedanklich und emotional stärker als Sie glauben. Die Konzentration leidet – das Unfallrisiko steigt. Unfallexperten raten, noch vor Beginn der Autofahrt Handtasche, Rucksack oder Aktenkoffer samt Smartphone im Kofferraum zu verstauen. Somit geraten Sie gar nicht erst in Versuchung, bei der nächsten SMS nach dem Handy zu greifen und sekundenlang auf das Display zu schauen. Sie ersparen sich und anderen Verkehrsteilnehmern damit einen völligen Blindflug, der tödlich enden kann. 2. Fünf fat Setzen Sie sich mit der Technik in Ihrem Auto vor der Autofahrt auseinander. Navigationsgeräte sollten vor Antritt der Autofahrt programmiert werden – ebenso Klimaanlagen und Unterhaltungselektronik an Bord. Wer beim Autofahren mit dem Navigationsgerät, der Musikanlage oder dem CD-Player beschäftigt ist, gibt die Kontrolle des Fahrzeugs ab. Das Risiko für Auffahrunfälle ist erhöht. Vorsicht auch beim Essen, Trinken oder Suchen nach Gegenständen: Nur ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit reicht aus, um einen Verkehrsunfall zu verursachen. Meiden Sie anstrengende Dialoge während des Autofahrens, unter denen Ihre Konzentration leidet. Sie haben das Recht, den Beifahrer zu bitten, das Gespräch auf einem ruhigen Niveau oder später fortzusetzen. 3 R F F d m F a G a g z l P T M d d R a v F R k i

SEITE 9 Jugendliche mit schlimmen Unfallbildern konfrontieren Von Stefanie Becker In Mecklenburg- Vorpommern wurden 2017 laut Innenministerium Tausende Handy-Verstöße im Straßenverkehr registriert. Mediziner Dr. Denis Gümbel (36) erfüllt das mit großer Sorge. Warum sind junge Menschen besonders gefährdet? Im vergangenen Jahr wurden bei Unfällen in Mecklenburg- Vorpommern 78 Menschen getötet – im Sinne der Vision Zero sind das 78 Tote zu viel. Gemessen an ihrem Anteil in der Bevölkerung sind auffällig häufig junge Menschen an tödlichen Verkehrsunfällen beteiligt. Neben Alkoholkonsum und einer erhöhten Risikobereitschaft gewinnt hier leider auch die Ablenkung durch Handys eine zunehmend starke Bedeutung. Das wissen wir aus Polizeikontrollen und den Beobachtungen der Unfallforschung. Interessant ist dazu eine Umfrage der Unfallforschung Greifswald unter Schülern: Rund 47 Prozent gaben zu, schon beim Fahrradfahren mit dem Handy zu telefonieren oder Textnachrichten zu tippen. Das ist erschreckend. Was muss sich denn konkret ändern? Um eine Verhaltensänderung bei Verkehrsteilnehmern zu erzielen, müssen wir an verschiedenen Strängen ziehen. Es ist wichtig, durch flächendeckende Kontrollen und Sanktionen eine nachhaltige Wirkung zu erzielen und gleichzeitig mit Hilfe von wirksamen Präventionsmaßnahmen die Menschen auch emotional zu erreichen. Die Kampagne „#Finger weg vom Handy“ des Bundesverkehrsministeriums und des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) leistet hier mit Informationen und emotionalen Appellen einen guten Beitrag. Das Handy ist im Alltag oft unersetzlich. Was bedeutet das für die Prävention? Prävention muss im Kindesalter beginnen, bei der Sensibilisierung des Bewusstseins für Gefahren müssen wir früh ansetzen. Die Verkehrswachten in Mecklenburg- Vorpommern sind hier auf Dr. Denis Gümbel Foto: UniversitäTSMEdizin GREIFSWAld (UMG; Manuela Janke) Unfallchirurg und -forscher in Greifswald „Prävention muss im Kindesalter beginnen, bei der Sensibilisierung des Bewusstseins für Gefahren müssen wir früh ansetzen.“ einem guten Weg. Der Verzicht aufs Handy wird von Verkehrsteilnehmern als unangenehm empfunden, aber Autofahrer müssen wissen, welche Folgen Ablenkung am Steuer hat. Beim Präventionsprojekt „P.A.R.T.Y“ der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) können Jugendliche in einer Unfallklinik die Folgen eines Verkehrsunfalls erleben. Sie treffen auf Unfallopfer und nehmen ihr Mittagessen in einem Anzug ein, der eine Behinderung simuliert. Das schockiert. 9992 78 47 Laut Innenministerium wurden so viele Handy- Verstöße im Straßenverkehr im Jahr 2017 in Mecklenburg-Vorpommern registriert. Menschen kamen bei Unfällen in Mecklenburg- Vorpommern ums Leben. Auffällig häufig sind junge Menschen an tödlichen Unfällen beteiligt. Prozent der Schüler gab bei einer Umfrage der Unfallforschung Greifswald an, beim Radfahren mit dem Handy zu telefonieren. 50 148 6 enkung zurückzuführen sind. Foto: © PaolESE - Fotolia.com Prozent der Autofahrer gab in einer repräsentativen Befragung des DVR an, durch Ablenkung schon in eine brenzlige Situation geraten zu sein. Verkehrstote wurden 2017 auf Brandenburgs Straßen registriert. Unter ihnen waren 17 in der Altersgruppe zwischen 15 und 25 Jahren. Alle sechs Minuten ereignet sich in Brandenburg ein Verkehrsunfall, alle 46 Minuten wird eine Person im Straßenverkehr verletzt. ale Fallen beim Autofahren . 4. 5. eduzieren Sie die Nutzung von reisprechanlagen. Studien in ahrsimulatoren haben gezeigt, ass Autofahrer beim Telefonieren it dem Handy trotz reisprechanlage mental stärker bgelenkt sind. Die Folge: Akute efahrensituationen werden nicht ngemessen erkannt und frühzeitig enug verarbeitet, um einen Unfall u verhindern. Planen Sie bei ängeren Fahrten stattdessen ausen zum Telefonieren, Essen und rinken, Chatten oder Lesen Ihrer ails ein. Rufen Sie sich zu Beginn er Autofahrt stets ins Gedächtnis, ass Autofahren trotz outineabläufen eine nspruchsvolle Tätigkeit ist, die Ihre ollste Konzentration erfordert. alls Mitfahrer oder Kinder auf dem ücksitz quengeln, seien Sie onsequent: Ablenkung des Fahrers st im Auto tabu. Halten Sie wichtige Gegenstände wie Sonnenbrille und notfalls Taschentücher vor der Fahrt in unmittelbarer Griffnähe bereit. Alle weiteren Utensilien verstauen sie lieber im Kofferraum. Denken Sie daran, dass sich Zeitdruck, Stress am Arbeitsplatz oder mit dem Partner und der Familie genauso wenig mit dem Autofahren vertragen wie Wut und Ärger. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie emotional zu aufgewühlt sind, überdenken Sie die Fahrt und suchen Sie nach einer Alternative. Gestehen Sie sich ein, wenn Sie sich psychisch oder physisch nicht in der Lage fühlen, Auto zu fahren. Denn häufig ist es nur ein kurzer Augenblick der Gedankenlosigkeit und Unachtsamkeit, der über das weitere Leben und Schicksal entscheidet – mit fatalen Folgen. Fahrerassistenz-Systeme bieten viele Sicherheitsfunktionen und wirken im Idealfall unterstützend. Allerdings entbinden Sie den Fahrer nicht von seiner Verantwortung für eine gewissenhafte und konzentrierte Führung des Pkw. Laut Deutschem Verkehrssicherheitsrat (DVR) assistieren die Fahrerassistenz-Systeme unterstützend, wenn zum Beispiel die Konzentration schwindet oder Aufmerksamkeit nachlässt. Geschwindigkeitsassistenten warnen vor zu hoher Geschwindigkeit, Abstandsregler passen den Abstand an und Müdigkeitswarner erinnern daran, eine Pause einzulegen, bevor der gefährliche Sekundenschlaf den Fahrer übermannt, so der DVR. Die Kontrolle über den Wagen behält trotz Aktivierung der Fahrerassistenz-Systeme dabei der Autofahrer. Ein Verkehrsunfall ist ein mühsamer Weg zurück ins Leben. Foto: © Kzenon - Fotolia.com

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