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Ratgeber Auto 2022

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SEITE 12 FREITAG, 22.

SEITE 12 FREITAG, 22. APRIL 2022 RICHTIG HAND ANLEGEN Was Sie am Auto se Fummelig, aber machbar: Der Austausch von Scheibenwischern. FOTO: DPA Von Claudius Lüder KÖLN. „Jetzt helfe ich mir selbst“, „So wird‘s gemacht“ oder schlicht „Reparaturanleitung“ hießen früher einige der Standardwerke im Bücherregal, wenn es darum ging, Geld zu sparen und selbst Hand anzulegen am Auto. Bei modernen Autos ist das gar nicht mehr so einfach. An vielen Stellen hat die Elektronik mechanische Bauteile ersetzt. Sparen durch Schrauben kann aber immer noch funktionieren. Ein wenig Talent für Praktisches muss sein Auch moderne Autos böten immer noch das Potenzial, einige Wartungsarbeiten im Do-it-yourself-Verfahren durchzuführen, sagt Malte Dringenberg vom Automobilclub von Deutschland (AvD). „Voraussetzung ist aber ein Mindestmaß an handwerklichem Geschick sowie die passende Ausrüstung.“ Die Bandbreite reiche vom Ölwechsel über die Kontrolle der Scheibenwischer bis zum Austausch der Bremsbeläge, „solide Fachkenntnisse vorausgesetzt“, so Dringenberg. Die häufigsten Arbeiten, die Autofahrer selbst erledigen, sind das Wechseln der Scheibenwischer und das Austauschen von Lampen, sagt Holger Ippen von der „Auto Zeitung“. Du hilfst mir und ich helfe dir Die Fachzeitschrift beobachtet in den vergangenen zwei Jahren eine generelle Zunahme der Hobbyarbeiten an Autos. „In der Corona-Zeit haben sich die Leute wieder mehr mit ihren Autos beschäftigt, das zeigt eine deutlich gestiegene Nachfrage bei den Ersatzteilverkäufern“, sagt Ippen. Auch gebe es wieder mehr Garagen-Treffs, wo sich Gleichgesinnte zusammentun, um an ihren Fahrzeugen zu schrauben. „Meist ist dann mindestens einer mit Fachkenntnissen dabei, denn ohne die sollte man sich weder an der Bremsanlage noch am Auspuff zu schaffen machen“, sagt Holger Ippen. Allerdings seien mitunter auch vermeintlich einfache Arbeiten wie das Wechseln von Lampen bei einigen Fahrzeugen kaum möglich. „Bei den europäischen Fahrzeugtypen funktioniert das gut, bei englischen und japanischen schon weniger, und bei Fahrzeugen der Oberklasse benötigt man zum Teil sogar Spezialwerkzeug.“ Zu den Klassikern bei Do-it-yourself-Autofahrern zählt neben dem Öl- auch der Radwechsel und das Ausbessern kleinerer Lackschäden. Aber auch schon das Auffüllen des Wischwassers spart Geld, denn Kfz-Werkstätten Moderne Autos stecken voller Elektronik. In der Werkstatt ersetzt dann oft ein System-Update den Griff zum Werkzeugkasten. Was bedeutet das für begabte Hobby-Schrauber? berechnen für den Scheibenreiniger oft viel Geld. Irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht Mitunter aber wendet sich eine gut gedachte Reparatur auch ins Gegenteil. Etwa, wenn der Hobbybastler an seine Grenzen gerät. „Dann wird erst Zeit und Geld ins Selberschrauben investiert, und am Ende muss der Wagen von der Fachwerkstatt instandgesetzt werden“, sagt Ippen. Ein Innenraumfilter für einen Mercedes etwa koste 40 Euro. Werwisse, wie der Filter gewechselt wird, könne viel Geld sparen. Denn die Fachwerkstatt berechne hierfür mitunter 160 Euro. Ohne handwerkliches Geschick allerdings gerieten Laien hier schnell an ihre Grenzen. Eine gute und günstige Adresse für allerlei Arbeiten können SB-Werkstätten sein. Die vermieten stundenoder tageweise komplett ausgestattete Arbeitsbühnen. „GeradeinBallungsgebieten hat diese Sonderform der Werkstatt in den vergangenen Jahren eine Renaissance erlebt“, sagt Dringenberg. Meist seien diese Selbsthilfe-Werkstätten in Gewerbegebieten in Ortsrandlagen zu finden. Was ist mit der Garantie, wenn ich selber schraube? Speziell bei jüngeren Fahrzeugen jedoch sollten die Eigenleistungen überschaubar bleiben, um eventuelle Garantieansprüche nicht zu gefährden. „Oft wird von den Herstellern sogar verlangt, dass die Wartungen und Instandsetzungen in einem Fachbetrieb der Marke erfolgen, um die Ansprüche zu wahren“, sagt Daniela Mielchen, Fachanwältin für Verkehrsrecht. Wenn die Inspektionen stets dem Scheckheft zufolge in einer autorisierten Werkstatt durchgeführt wurden, könne der Eigentümer aber Öl- und Reifenwechsel gehören zu den Klassikern der Selbstreparatur. Nicht selten liegt ein Problem aber auch tiefer. Im Zweifelsfall sollte man immer eine Werkstatt aufsuchen. FOTO: DPA durchaus auch eine Lampe oder einen Filter wechseln, ohne Garantieansprüche zu verlieren. „Grundsätzlich steht es jedem Eigentümer frei, sein Fahrzeug zu warten und zu reparieren, wie er das möchte.“ Auf etwaige Gewährleistungsansprüche hätten Arbeiten wie diese ohnehin keine Auswirkung. „Im Rahmen der Gewährleistung haftet der Verkäufer für Mängel, die bereits bei Übergabe vorgelegen haben“, sagt Mielchen. Hier gehe es also um Schäden, die es schon beim Kauf eines Autos gab. Gleichwohl rät die Expertin dazu, besonders bei Leasingfahrzeugen von „Eigenreparaturen“ jeglicher Art abzusehen. „Hier verpflichtet sich der Leasingnehmer in der Regel zu einer Wartung und Reparatur des Fahrzeuges in einem Fachbetrieb“, sagt sie. Werdennoch selbst Hand anlege, werde möglicherweise vertragsbrüchig. Das könnte bei der Rückgabe des Leasingfahrzeugs zu Problemen führen. Moderne Elektronik: Fluch oder Segen? Moderne Fahrzeuge haben mehrElektronikund bieten daher grundsätzlich weniger Potenzial zum Selberschrauben. Findige Tüftler aber hält das nicht davon ab, auf anderem Wege in die Tiefen des Fahrzeugs hineinzuschauen, wie Holger Ippen weiß: „Die Elektronik ist längst kein Tabu mehr. Mittlerweile gibt es Diagnosegeräte für Preise ab 25 Euro,mit denen jeder auf die OBD II-Schnittstelle zugreifen kann, die unterhalb des Lenkrads liegt“, sagt er. Auf diesem Weg könnten beispielsweise vor einem Werkstattbesuchalle vorliegenden Fehlercodes ausgelesen werden. „Erscheint beispielsweise im Cockpit die Warnlampe für die Bremsen, lässt sich mit diesemOBD II-Tester genaueres darüber erfahren, zum 40 Euro ... kostet etwa ein Innenraumfilter für einen Mercedes. Wer ihn selbst einbaut, spart mindestens 100 Euro Werkstattkosten. Beispielobessichumeinen Defekt oder um das Erreichen der Verschleißgrenze handelt.“,sagt Ippen.Autofahrer hätten also über so ein Gerät die Möglichkeit, schon mit einem gewissen Informationsvorsprung in die Werkstatt zufahren. So könnten siegenauere Angaben machen, was repariert werden müsse. Auch so lässt sich Geld sparen. Finger weg von spezieller E-Auto-Technik Auf keinen Fall eingreifen sollten Autofahrer jedoch bei E-Autos oder Hybridfahrzeugen bei Komponenten, die orangefarben gekennzeichnet sind. „Durch diese Teile beziehungsweise Kabel fließt Strom im Hochvoltbereich und es ist lebensgefährlich, hier selbst Hand anzulegen“, sagt Dringenberg. Arbeiten an diesen Komponenten dürften auch in Fachwerkstätten nur von entsprechend geschultem Personal durchgeführt werden.

FREITAG, 22. APRIL 2022 SEITE 13 VERBANDSKASTEN WIRD 50 Jubiläum im Kofferraum Er gehört schon seit fünf Jahrzehnten injedes Auto: der Verbandkasten. Und wer ihn nicht dabei hat, muss zahlen. Mehrmals wurde sein Inhalt bereits aktualisiert und muss zudem alle fünf Jahre erneuert werden. Doch wahres Verbesserungspotenzial steckt woanders. Von Fabian Hoberg BERLIN/STUTTGART. Meist klemmt er im Kofferraum zwischen Warndreieck und Wagenheber: der Verbandskasten. Seit 50 Jahren zählt die lebensrettende Box oder Tasche zur Pflichtausstattung im Auto, um nach einem Unfall bei der Ersten Hilfe zu unterstützen. Das kam Anfang der 1970er Jahre sehr häufig vor. Autofahren ohne Gurt und Geschwindigkeitsbegrenzung auf Landstraßen, ohne ABS, ESP und ohne Promillegrenzen war sehr gefährlich: 1970 starben 19 193 Menschen im Straßenverkehr in Deutschland, bei 13,94 Millionen Autos. Zum Vergleich: 2021 kamen 2569 Menschen bei Verkehrsunfällen in Deutschland ums Leben, bei etwa 59 Millionen angemeldeten Fahrzeugen. Seit 50 Jahren für mehr Sicherheit an Bord Krankenwagen benötigten damals lange, um einen Unfallort zu erreichen. Daher führte der Gesetzgeber zum 1. Januar 1972 die Pflicht zum Mitführen eines Kfz- Verbandkastens ein, um eine schnelle Erstversorgung zu ermöglichen. Seitdem muss jedes Auto nach Paragraf 35h der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) Erste-Hilfe-Material an Bord haben, festgelegt nach der DIN 13164. Durch die Norm unterscheidet sich der Inhalt nicht, die Form kann variieren, etwa eine Tasche oder ein Aufbewahrungskasten sein. „Verbandkästen für Autos gab es schon vorher, nur keine Verpflichtung, einen mitzuführen. Daher hatten nur wenige Autos Erste-Hilfe-Material an Bord“, sagt Andreas Holthaus. Er leitet seit über 20 Jahren den Fachbereich Erste Hilfe (FBEH) beim Bundesverband Medizintechnologie (BVMed). Zudem ist er geschäftsführender Gesellschafter der Holthaus Medical. Seit fast 100 Jahren produziert das Familienunternehmen aus Remscheid Verbandsmittel, seit über 50 Jahren Verbandkästen. Diese wurden in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals modernisiert, die Normen darauf angepasst, um stets auf dem neusten Stand der Notfallmedizin zu sein. „Wichtig ist, dass Autofahrer das Verfallsdatum beachten und den Verbandkasten nach fünf Jahren austauschen“, sagt Andreas Holthaus. Denn verschiedene Produkte haben wegen der im Auto herrschenden Temperaturschwankungen ein Verfallsdatum. Liegt das Verfallsdatum zurück oder fehlt er ganz, droht bei einer Fahrzeugkontrolle ein Bußgeld von fünf bis zehn Euro. Fehlt er bei einer Hauptuntersuchung, ist er mangelhaft oder unvollständig, so wird das als „geringer Mangel“ beanstandet. Ist das Datum abgelaufen, taucht das laut Dekra lediglich als Hinweis im Prüfbericht auf. Die Plakette gibt es dennoch. Sinnvolle Hilfeoder nutzloses Material? Siegfried Brockmann hält den Verbandkasten nur für bedingt sinnvoll. „Die richtige Benutzung hängt mit Kenntnissen der Ersten Hilfe zusammen. Wenn die nicht vorhanden sind, dann hilft der Verbandkasten wenig“, sagt der Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Für die meisten Autofahrer liegt der Erste-Hilfe-Kurs viele Jahre zurück. Da nur die wenigsten Autofahrer die Kenntnisse nach ein paar Jahren auffrischen, fehlt es an Übung und Können. „Viele Autofahrer fühlen sich als Ersthelfer überfordert und können dementsprechend nicht helfen“, sagt Brockmann. Genaue Untersuchungen über den Einsatz von Verbandkästen gebe es aber nicht. Zudem hält der Unfallforscher den Verbandkasten für zu überladen. „Erste Hilfe bezieht sich auf schwere Verletzungen wie offene Wunden, starke Blutungen, Herzstillstand oder Schock. Kleine Pflaster und Verbände sind dafür ungeeignet“, sagt er. ErsteHilfe istPflicht VielmehrmüsstenErsthelfer wissen, wie sie lebensgefährliche Wunden versorgen, wie ein Druckverband funktioniert und entsprechendes Material im Verbandkasten direkt finden. Kleine Verletzungen würden meist nicht am Unfallort behandelt, sondern später. „Es schadet natürlich nicht, einen Erste-Hilfe-Kasten im Auto zu haben. Aber in seiner jetzigen Form bringt er wenig“, sagt er. Auch für Marcel Mühlich vom Auto Club Europa (ACE) ist das Wissen um die korrekte Anwendung von Erste-Hilfe-Maßnahmen entscheidender als ein Verbandkasten. Er plädiert für Auffrischungskurse alle drei bis fünf Jahre. Aber immer gilt: „Jeder Autofahrer ist gesetzlich verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Lieber schlecht Jahren erreicht werden und der Inhalt den aktuellen Stand der DIN 13164 erfüllen -mit zwei medizinischen Masken. „Die müssen eingeschweißt im Verbandkasten liegen und nicht irgendwo offen und lose im Auto“, sagt Mühlich. Die im Handel helfen, als gar nicht helfen. Übung macht aber den Meister“, sagt er. Beim Kauf eines Verbandkastens rät Marcel Mühlich zum Blick auf das Ablaufdatum der Inhalte. „Es muss nicht immer der ganze Inhalt erneuert werden, häufig reicht es, die Materialien zu ersetzen, die abgelaufen sind“, sagt er. Es gebe für manche Verbandkästen auch Nachfüllpakete, die günstiger als ein neuer Kasten seien. Wichtig: Das Verfallsdatum sollte erst in fünf befindlichen Verbandkästen nach der bisher gültigen Norm dürfen noch bis 31. Januar 2023 genutzt werden und müssen weder ausgetauscht noch nachgerüstet werden. Wichtig sei zudem der Aufbewahrungsort. „Am besten liegt das Erste-Hilfe-Set griffbereit im Innenraum. Dort kommen Autofahrer nach einem Unfall direkt dran“, sagt Mühlich. Nach einem Heckaufprall bleibt der lebensrettende Kasten im Kofferraum hingegen eingeklemmt zwischen Warndreieck und Wagenheber. Pflichtzubehör für Autofahrer: ein frischer Verbandskasten. Ob er im Notfall allzu viel bringt, wagen Experten zubezweifeln. Beim Auto Club Europa plädiert man eher für eine regelmäßige Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse. FOTO: CHRISTIN KLOSE FOTO: DAVIZRO PHOTOGRAPHY-STOCK.ADOBE.COM

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