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SEITE 12 FREITAG, 28.

SEITE 12 FREITAG, 28. JUNI 2019 Fünf häufige Karriere-Irrtümer Foto: © fotOGEStoeber - Fotolia.com Lust auf einen beruflichen Aufstieg? Oft hindern Dinge, die man so vom Hörensagen kennt. Obwohl längst nicht alles stimmt, wie Marina Spreemann von Ellen Grull, Leiterin im Bereich Aus- und Weiterbildung bei der IHK Neubrandenburg, erfuhr. 1. Ohne Abi bleiben mir Türen verschlossen. Stimmt nicht mehr! Tatsächlich sind die unterschiedlichen Bildungswege immer „durchlässiger“ geworden. Ob akademische oder berufliche Bildung; beide können heute auf gleiche anerkannte Kompetenzniveaus führen. Nach einer erfolgreichen Berufsausbildung kann auch ohne ein Abitur direkt oder berufsbegleitend studiert werden. Insbesondere fachgebunden ist das meist möglich, manchmal mit, manchmal ohne Eingangsprüfung. Immer mehr Unternehmen schlagen bei der Suche nach künftigen Fach- und Führungskräften verschiedene und individuelle Wege ein. Sie stellen den Bewerber mit seinen Fähigkeiten und Sozialkompetenzen in den Fokus. Denn ein Abitur allein reicht nicht, um einen Beruf mit Leidenschaft zu erlernen und auszuüben. Ob Facharbeiter, Meister, Fachwirt mit dem beruflichen Karriereweg oder Bachelorabsolvent einer Universität oder Hochschule – die Karriereleiter kann von unterschiedlicher Seite und auf verschiedenen Sprossen erklommen werden. Ob Abschluss der Berufsreife, der Mittleren Reife oder Abitur, der Auf- und Durchstieg kann gelingen. 2. Nur mit Studienabschluss kann ich Chef werden. Stimmt so wirklich nicht! Da haben Menschen mit einer Berufsausbildung und mit der abgeschlossenen Höheren Berufsbildung, wie Meister, Fachwirt, Bilanzbuchhalter oder Betriebswirt, die Nase vorn. Viele Unternehmen schätzen es, wenn Fach- und zukünftige Führungskräfte ihren Job, den Kollegenkreis und das Unternehmen „von der Pike auf“ kennengelernt haben. Und hierzu gibt es auch konkrete Fakten. So hat das Institut der deutschen Ellen Grull Foto: IHK Wirtschaft (IW) in einer Studie aus dem Jahr 2016 festgestellt, dass beruflich Qualifizierte der Höheren Berufsbildung in Unternehmen zu 80 Prozent weisungsbefugt sind. Auf Studienabsolventen trifft dies zu 69 Prozent zu. Auch sind beruflich Qualifizierte mit 47 Prozent (Vergleich: 39 Prozent) häufiger direkte Vorgesetzte und haben Personalverantwortung. 3. Berufsabschlüsse sind nicht so viel wert wie Studienabschlüsse. Stimmt so nicht! Die Berufliche Bildung bietet mit der Höheren Berufsbildung Abschlüsse auf Top- Niveaus, die gleichwertig zu den akademischen Graden Bachelor oder Master sind. Dies findet sich so im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) auch dokumentiert. Wer zum Beispiel eine Höhere Berufsbildung zum Industriemeister oder Bilanzbuchhalter absolviert, verfügt über einen Abschluss, der im DQR dem Niveau 6 zugeordnet ist. Dort sind auch alle Studienabschlüsse mit einem Bachelorabschluss zu finden. Wer sich dann noch weiterqualifiziert, etwa zum Technischen Betriebswirt oder zum Berufspädagogen hat damit einen Abschluss, der auf dem Niveau 7 eingeordnet und damit gleichwertig zum akademischen Grad Master ist. Unterschiedliche Wege – gleiches Kompetenzniveau und sehr hoher Praxisbezug des beruflichen Karriereweges. In der gesellschaftlichen Wahrnehmung ist das aber noch zu wenig bekannt und anerkannt! 4. Für den zweiten Bildungsweg brauche ich viel Geld. Stimmt durchaus – aber dabei wird geholfen! Ja, Weiterbildung kostet Geld! Es gibt jedoch eine Reihe von Fördermöglichkeiten, wie das Weiterbildungsstipendium der Begabtenförderung Berufliche Bildung mit bis zu 90-Prozent-Förderung oder das Aufstiegs-Bafög, mit dem grundsätzlich alle der mit der beruflichen Weiterbildung entstehenden Kosten – durch einen Mix aus direkten Zuschüssen und Rückzahlungsverpflichtungen – gefördert werden. Immer mehr Unternehmen unterstützen die Qualifizierung ihrer Fachkräfte hin zu Führungskräften teilweise oder voll finanziell. Die regelmäßigen Umfragen der IHKs zu Weiterbildungserfolgen belegen das. Grundsätzlich ist ja auch die Hälfte des Studenten-Bafögs zurückzuzahlen. Während der Berufsausbildung und der meistens im Job berufsbegleitenden Weiterbildungsphase wird eigenes Geld verdient. 5. Weiterführende Bildungsangebote gibt es nicht für alle Berufe. Stimmt nicht! Für alle Berufe auf der Basis des dualen Ausbildungssystems gibt es auch die passende Höhere Berufsbildung. Hier kann man sich entweder weiter spezialisieren, zum Beispiel als Industriemeister mit den Fachrichtungen Metall- oder Elektrotechnik oder auch Bankfachwirt oder Küchenmeister. Auch eine eher generalistische Qualifizierung, zum Beispiel zum Wirtschaftsfachwirt, Betriebswirt ist möglich. Vieles hängt von der gesammelten Berufserfahrung ab. Kontakt zur Autorin m.spreemann@nordkurier.de Mehr Informationen hier: Die Weiterbildungsberater der IHK beraten über die vielfältigen Qualifizierungsmöglichkeiten des beruflichen Bildungssystems, zu Förderung und Bildungsdienstleistern. www.neubrandenburg.ihk.de Anzeige Ex. Gesundheits- und Krankenpfleger- Rehabilitation Ihr Profil/Aufgabengebiet •Interesse an einer Tätigkeit in den Fachbereichen Orthopädie &Innere Medizin •Bereitschaft zur Fort- und Weiterbildung •Flexibilität, Motivation und Engagement Ex. Gesundheits- und Krankenpfleger- Intensiv Ihr Profil/Aufgabengebiet •Einfühlungsvermögen im Umgang mit intensivpflegebedürftigen Patienten und deren Angehörigen •Fachgerechte Bedienung von Beatmungsgeräten •Überwachung der Vitalparameter KLINIK MALCHOWER SEE Die Klinik mit Herz Sie sind auf der Suche nach einer neuen Herausforderung oder Perspektive? Nutzen Sie die Chance im stark wachsenden Gesundheitsmarkt und werden Sie ein Teil unseres Teams! 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FREITAG, 28. JUNI 2019 SEITE 13 Für einen neuen Job ist es nie zu spät Vom Busfahrer zum Kita-Chef Andere kaufen teure Autos, der Neubrandenburger Fred Freese hat das Geld in seine Bildung investiert – und sich damit seinen Lebenstraum erfüllt. Von Marina Spreemann Neubrandenburg. Ein normaler Arbeitstag dauert bei Fred Freese von 6 bis 18 Uhr. Täglich 12 Stunden. „Ja und? Das empfinde ich gar nicht so“, sagt der 51-Jährige und zuckt mit den Schultern. Seine Arbeit, das ist „Unsere Bauernhof-Kita“ in Neubrandenburg, die er leitet. Hier ist er voll in seinem Element und hat genau das gefunden, was schon lange sein Traum war. Gelernt hat Fred Freese vor vielen Jahren den Beruf Agrotechniker. „Ich bin Bauer“, sagt er und lacht. Auch das ist er gern. Dann hat der Neubrandenburger aber viele Jahre als Busfahrer beim Behindertenverband gearbeitet. Die Kinder nach Hause oder zur Schule zu bringen, das hat ihm besonders viel Spaß gemacht. „Ich bin oft schon eine Stunde früher gekommen und habe mit den Kindern gespielt“, erinnert er sich. Die Lehrer hätten manchmal gefragt, warum er nicht Erzieher sei, wo er doch so schnell einen Draht zu den Lütten fand. Mit dem großen Thema Psychologie der Kinder und Erziehung hat er sich auch durch seinen Sohn viel beschäftigt, mehr beschäftigen müssen als viele andere Eltern. Der Junge war anders als andere, das war schnell klar. Das Zappelphilipp-Syndrom ADHS wurde diagnostiziert, später auch eine besondere Form von Autismus. Der Vater hat sich für seinen Sohn starkgemacht, in der Selbsthilfegruppe und im Förderkreis mitgemischt, Ferienlager für solche besonderen Kinder geleitet. 2012 entschied er sich schließlich, dass künftig Kinder, nicht Ich habe lange gezögert, einfach so einen festen Job aufzugeben und ganz neu anzufangen. Fred Freese Der Holztraktor ist bei den Kindern beliebt. Fürs Foto nimmt auch Kita-Chef Fred Freese gern mal Platz am Lenkrad. Foto: M. Spreemann nur sein Sohn, im Mittelpunkt seines Lebens stehen sollen. „Das Fahren reichte mir nicht mehr.“ Er kündigte seinen Job und begann eine Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher, die er mit Hilfe von Meister-Bafög finanzierte. Noch heute zahlt er das Darlehen zurück. Etwa 25 000 Euro kostete ihn die Ausbildung. „Aber das Geld spielt da keine Rolle für mich. Andere kaufen sich große Autos, ich habe in meine Bildung investiert.“ Schon damals war es sein Traum, eine Kita zu gründen. Zusammen mit seiner Frau, auch gelernte Erzieherin. Was heute so logisch und einfach klingt, war keine leichte Entscheidung. „Ich habe lange gezögert, einfach so einen festen Job aufzugeben und ganz neu anzufangen“, gesteht er ein. Aber 2014 hatte er es geschafft und den ersehnten Abschluss in der Tasche. Anschließend war er zunächst als Berater für ADHS (Aufmerksam- keitsdefizit-Hyperaktivitäts- Störung) bei einer Krankenkasse beschäftigt und mit einem speziell entwickelten Puppenspiel in vielen Kitas in MV, Brandenburg und Berlin unterwegs. „Da habe ich viele Ideen kennengelernt“, sagt er. Schließlich war der Gedanke von der Kita-Gründung immer noch in seinem Kopf. Am Konzept für die Bauernhof-Kita in Trägerschaft des ADHS- Förderkreises hat er immer weiter gearbeitet und dann auch mit den konkreten Vorbereitungen begonnen. 2015 kam das Grundstücksangebot von der Stadt. „Eine ziemlich überwucherte Fläche, aber ich habe das Potenzial gleich gesehen.“ Fred Freese wäre nicht Fred Freese, hätte er nicht sofort jede freie Minute in das Stück Land investiert und viel selber gemacht. Bis im April 2017 die Kita eröffnen konnte, war es ein harter Weg. Anträge, Finanzierung, Genehmigungen, Rückschläge durch Vandalismus. Aber aufgeben war für Freese und seine Frau nie eine Option. „Wir hatten ja auch gleich die ersten Anfragen von Eltern. Die wollten wir natürlich nicht enttäuschen.“ Mit 43 Mädchen und Jungen ging es dann los. Heute werden in „Unsere Bauernhof-Kita“ 62 Kinder betreut. Und die Warteliste für die nächsten Jahre ist lang. Fred Freese managt alles und steckt in Projekten mit den Kindern – Besuche im Theater oder Museum, Brotbacken, Nudeln herstellen, die Hochbeete mit Getreide beobachten … Nebenbei kümmert er sich auch um die vielen Tiere auf dem Hof. „Das gehört ja zu einer Bauernhof-Kita, dass die Kinder das Gärtnern und den Umgang mit Tieren erleben.“ Hunde, Katzen, Esel, Vögel, Hühner, Hasen und Mäuse leben hier. Bienen sollen demnächst dazukommen. Seinen Entschluss hat Fred Freese nie bereut. „Hier finde ich mich wieder. Das ist genau das, was ich immer machen wollte“, sagt er. Natürlich gebe es wie in jedem Job auch mal schlechte Tage. Aber wenn er dann bei den Kindern auf dem Hof ist, sind die Ärgernisse schon wieder vergessen. „Ich gehe voll hierin auf“, sagt er. Kontakt zur Autorin m.spreemann@nordkurier.de Viele Eltern wünschen sich für ihre Kinder, dass sie – wie diese beiden Mädchen – mit Natur und Tieren aufwachsen. Foto: © Boggy – Stock.adobe.com

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