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Nordkurier Ratgeber "Wir über 50" Peene Müritz

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SEITE 26 FREITAG,

SEITE 26 FREITAG, 1.DEZEMBER 2017 Bekanntheit schützt vor Alter nicht Das erste graue Haar, immer mehr Fältchen um die Augen. Auch Prominente haben damit zukämpfen. Gerade wer imRampenlicht steht, macht sich schließlich Gedanken um sein Aussehen –der eine mehr, der andere weniger. NichtohneAnstrengung Mehr Freiheit Glücklich mitFalten US-Musikerin Stevie Nicks (68, Foto rechts) hält würdevolles Älterwerden nicht für eine Selbstverständlichkeit. „Ich sehe viele Leute inmeinem Alter und viele jüngere und denke mir: Wow, diese Leute sehen wirklich alt aus“, sagte sie. Wer jung bleiben wolle, der müsse sich einen Ruck geben: „Wenn ich in einem kurzen Chiffon-Kleid auf die Bühne gehen und nicht vom Alter her komplett unangemessen aussehen will, dann muss ich mich dafür anstrengen.“ Andernfalls könne man gleich das Handtuch werfen. FoTo: MICHAEL NELSoN Für Peter Lenk (70) hat das Älterwerden durchaus Vorteile: „Man wird freier mit dem Alter“, sagte der Bildhauer. „Es fällt mehr weg, was man nicht mehr braucht. Was hab ich gehabt: Kutschen, Motorräder, Pferde, dieser ganze Luxus –das fällt alles weg.“ Lenk nimmt mit seinen Werken schon seit vielen Jahren die Mächtigen auf die Schippe. Seine Skulpturen stehen vor allem in der Bodenseeregion, aber auch in Berlin, zum Beispiel die „Mauerkieker“. Seine Werke zielen meist auf Missstände in Politik und Wirtschaft. Die italienische Schauspielerin Claudia Cardinale (79) hat kein Problem mit dem Älterwerden. „Ich habe mich nie liften lassen und bin glücklich mit meinen Falten“, sagte die Diva. Zudem handele es sich größtenteils um Lachfalten, meinte sie. Die Wahrheit sei „die wirksamste Waffe“ in der Welt des Kinos. Ihre alten Filme schaue sie sich gerne bei Festivals und Galas an, erklärte Cardinale –privat jedoch nie. „Ich habe keine Nostalgie nach der Vergangenheit. Ich schaue nach vorne.“ Fürdie Kinder da sein Phil Collins (66) denkt nicht über das Älterwerden nach. „Ich hab noch junge Kinder, die ich aufwachsen sehen will. Mein jüngster Sohn Matthew ist gerade mal elf und meine Enkeltochter Zoe ist sieben. Ich möchte einfach da sein und sie miterleben“, sagte der Musiker. Er glaube, dass erals Vater einen guten Job mache. Allerdings sei ernicht der beste Ratgeber, wenn es ums Heiraten gehe. Collins hat fünf Kinder aus drei Ehen. Er wurde mit Genesis einerseits und als Solokünstler andererseits zum Weltstar. Kräfte lassennach Der aus dem Schweizer „Tatort“ bekannte Schauspieler Stefan Gubser (60, Foto rechts) hat mit dem Älterwerden seinen Frieden gemacht. „Man muss nichts mehr“, sagte er. In einem Buch legt Gubser dar, dass er nach langer Überforderung vor ein paar Jahren eine Erschöpfungsdepression und Panikattacken bekommen habe. „Ich musste mir zugestehen, dass meine Kräfte nachließen und ich definitiv in der zweiten Lebenshälfte angekommen war. Damals wurde mir das erste Mal bewusst, wie endlich das Leben ist.“ FoTo: SIGI TISCHLER Hang zumRisiko Für den britischen Schauspieler Jeremy Irons ist das Älterwerden fast immer fabelhaft. „Wenn man mal davon absieht, dass einen der Rücken mehr und mehr plagt“, sagte der 68-Jährige. „Man hat den Erfolgszwang der Jugend abgelegt.“ Der Todschrecke ihn nicht. Er zeige bloß, wie wichtig das Hier und Jetzt sei. „Das ist auch einer der Hauptgründe für meine Motorradleidenschaft.“ Das schärfe die Sinne. Man nehme alles andere um einen herum viel intensiver wahr. „Risiko ist ein Extraportion Leben.“ FoTo: ALVARo BARREINToS DasältesteBond-Girl Monica Bellucci (Foto links), mit 51 Jahren bisher ältestes Bond-Girl, sieht dem Altern gelassen entgegen. „Die Stars sind ewige Kinder, Sterne, die am Himmel strahlen“, sagte die heute 53-jährige Italienerin. Wenn die äußere Schönheit vergehe, werde sie nach und nach von der inneren ersetzt. Die Nominierung für die Rolle imBond-Film „Spectre“ sei für sie überraschend gekommen. „Ich habe das für einen Witz gehalten, den schönsten Witz, der einer 50-jährigen Schauspielerin passieren kann“, sagte sie. Alter ist„scheiße“ Der Schauspieler Ulrich Tukur (60, Foto rechts) hat Probleme mit dem Alter. „Jeder Geburtstag ist für ihn eine Katastrophe“, sagte seine Frau. Er formulierte es in einem Interview so: „Jetzt bin ich bald 60, und das ist scheiße.“ Er sieht das Älterwerden philosophisch. „Warum werden wir auf diese Erde geworfen, und in dem Moment, in dem wir anfangen, die Dinge ein wenig zu verstehen, weil wir weise und klüger geworden sind und das Leben besser angehen könnten, wird es uns wieder aus der Hand geschlagen.“ FoTo: GEoRG WENDT GereifterAction-Star Der frühere Action-Star Mel Gibson (61, Foto rechts) hadert mit dem Älterwerden und mit modernen Erscheinungen wie sozialen Medien. „Mit Facebook, Twitter und diesen Sachen komme ich nicht klar. Meine Kinder machen das, ich nicht“, sagte er. Er vermisse die „jugendliche Energie“ früherer Tage. Erverletze sich viel leichter, auch wenn er weiter Fitness mache. Gibson kann seinem Alter jedoch auch Positives abgewinnen. „Ich finde, dass ich ein besserer Mensch geworden bin. Ich bin reifer“, meinte er. FoTo: JoRDANSTRAUSS Noch ein paar Jahre Talk- und Kochshow-Pionier Alfred Biolek (83) hat ein entspanntes Verhältnis zum Älterwerden und geht drei Mal in der Woche zur Physiotherapie. „Ich habe keine Beschwerden, der Rücken, die inneren organe, alles gut, mal zwickt das Knie, aber ich nehme keine Medikamente, nur Kalzium- und Vitamintabletten.“ Er freue sich noch auf ein paar Jahre, aber mit Ende 80, Anfang 90 könne es von ihm aus zu Ende gehen. „Den Todfinde ich nicht unangenehm. Ich bin doch schon alt.“ Keine AngstvormAlter Ihre wilde Jugend hat Hollywood-Star Susan Sarandon (71) aus ihrer Sicht eine lockere Art beschert. „Ich wuchs als Hippie auf –Marihuana rauchend und liberal denkend –und so empfinde ich innerlich im Grunde noch immer“, sagte die Schauspielerin. Angst vor dem Altern habe sie nicht. Im Gegenteil: „Ich genieße das Älterwerden“, sagte Sarandon. Dennoch habe sie schon Schönheitsoperationen vornehmen lassen. Botox käme für sie dagegen nicht infrage: „Mein Gesicht möchte ich weiter frei bewegen können.“ FoTo: MATTEo BAZZI Gute Rollen im Alter Hollywood-Schauspielerin Glenn Close (70, Foto links) sieht Älterwerden nicht als Hindernis für gute Rollen. „Mit dem Alter werde ich besser“, sagte die Darstellerin, die zuletzt imKinofilm „The Wife“ zusehen war. Die Möglichkeiten seien auch für ältere Schauspielerinnen größer geworden, meinte sie. „Ich finde, dass esdurch Internet und TV immer mehr Wege zur Selbstdarstellung gibt. Davon profitieren hoffentlich auch Frauen, um Finanzierungen für ihre Projekte zu bekommen.“ Keine Lust aufGrau Schauspielerin Senta Berger (76, Foto rechts) kann dem Alter nichts abgewinnen: „Alles nervt am Älterwerden! Es fällt mir leider gar nichts Schönes ein. Tut mir leid.“ Es sei eine Zumutung. „Da würde ich jetzt gern etwas anderes sagen, etwas Tröstliches, Weises. Aber es ist ganz furchtbar.“ Mit der Vorstellung, graue Haare zuhaben, kann sie sich noch nicht anfreunden: „Ich denke oft darüber nach. Es wäre einfacher als Färben. Das sieht aber noch nicht sogut aus, finde ich.“ FoTo: SILAS STEIN

FREITAG, 1.DEZEMBER 2017 SEITE 27 Ein Blick in die Zukunft mit Falten und grauen Haaren Von Marina Spreemann Rente und Betreutes Wohnen, für Alina, Inga, Lea und Pauline sind das noch lange keine Themen. Die vier jungen Frauen sind zwischen 15 und 17 Jahre alt –was aber nicht heißt, dass sie sich nicht auch manchmal Gedanken übers Altwerden machen. NeubraNdeNburg. Wann ist ein Mensch eigentlich alt? Die Frage macht die vier Gymnasiastinnen erst mal ein bisschen ratlos. Zwar besuchen sie den Mathe-Leistungskurs –aber an Zahlen wollen sie das nicht festmachen. „Vielleicht, wenn jemand nicht mehr arbeitet, wenn er Rentner ist“, schlägt die 16-jährige Alina Sulfrian vor.„Für mich ist jemand alt, der alles erreicht hat, was er wollte, der fertig ist.“ Alter habe mit Lebenserfahrung und Weisheit zu tun. Ihre Mitschülerin Inga Krause, 17, denkt an ihre Großeltern: „Aber die sind total locker drauf und cool, richtig jugendlich noch. Sie leben ihr eigenes Leben.“ Doch es gebe natürlich auch andere Beispiele, hat sie beobachtet. „Ich denke, es hängt viel von der eigenen Einstellung ab, ob man mit 70 noch jung ist oder schon mit dem Leben abgeschlossen hat.“ Gedanken dazu haben sich alle vier Mädchen in der Runde gemacht. Manchmal durch Gespräche am Familientisch, die sich um Rente drehen. Oder durch das Thema Demografie im Unterricht. Oder durch Berichte über Altersarmut in der Zeitung. Oder auch, weil die meisten Lehrer für sie schon „relativ alt“ sind. „Das ist aber nicht unbedingt ein Nachteil“, sagt Lea Krohn, 16. „Wir haben junge Lehrer, die sehr viel mit dem Buch und nach Plan arbeiten. Ältere sind da manchmal lockerer und haben einen eigenen Stil.“ Alina ergänzt: „Wichtig finde ich, dass sie der Jugend gegenüber aufgeschlossen sind. Wirsind eben anders, das müssen sie auch akzeptieren. Dann ist das Alter egal.“ Das eigene Altwerden ist für die jungen Frauen natürlich noch weit weg. „Trotzdem denkeich darüber nach. Eine Oma ist an Alzheimer gestorben. Da überlege ich natürlich manchmal, wie es mir mal gehen wird“, sagt Lea. Aber ein ständiges Gesprächsthema sei das noch nicht. Da geht es bei den Mädchen eher um die nähere Zukunft, Abitur, Studium. Die 15-jährige Pauline Weigel findet: „Jeder wird älter, auch wir schon. Und jeder von uns muss jetzt die Entscheidungen treffen, in welche Richtung wir gehen wollen, über den Beruf und ob man mal eine Familie gründet. Das alles bestimmt auch das weitere Leben.“ Sie will sich später gern sagen können, dass sie das Richtige gemacht hat und nicht im Alter ihre Entschlüsse bereuen. „Da habe ich schon mal Angst, ob ich irgendwas anders machen sollte“, gesteht sie ein. balance zwischen Familie und Selbstständigkeit Alina meint, dass Alter nichts Schlimmes sei. „Darauf bereitet man sich irgendwie auch das ganze Leben lang vor.“ Ihr ist schon heute wichtig, dass sie dann nicht allein ist, sondern Familie und Freunde hat und nicht immer nur zu Hause sitzt. Lea will später einmal die Balance zwischen Selbstständigkeit und Nähe zur Familie finden. „Ich will lange unabhängig leben“, steht für sie fest. Und sie plant dann, fürs Rentnerdasein eine Todo-Liste anzulegen, was sie alles noch schaffen will. „Gerade jetzt bekommen wir ganz viel Verantwortung. Die möchte ich im Alter nicht verlieren.“ Pauline sieht es ähnlich. „Gruselig finde ich Altersheime, wenn alte Leute so abgeschoben werden.“ Aber sie habe natürlich Verständnis, dass die Jüngeren in der Familie ihr eigenes Leben führen wollen. Auch für Inga ist die spätere Eigenständigkeit ganz wichtig. „Und ich will dann noch etwas für die Gesellschaft machen, mein Wissen und meine Erfahrung weitergeben. Das ist doch die wichtigste Aufgabe von alten Menschen“, betont sie. Sie könne sich vorstellen, dann Patin für Jüngere zu werden oder andere im Krankenhaus zu besuchen. Angst vor dem Altwerden haben die jungen Neubrandenburgerinnen nicht. Manche Sorge aber schon. „Nicht wegen Sterben oder so. Eher, dass man irgendwann allein ist“, sagt Alina. Lea nennt es Angst davor,„die Kontrolle zu verlieren“. Über finanzielle Fragen oder Rente machen sich die vier keine Gedanken. „Das ist noch viel zu lange hin. Bis dahin ändert sich noch so vieles“, erwartet Alina und winkt ab. Zu den Senioren, denen sie jeden Tag begegnen, auf der Straße oder im Bus, sind allevier Schülerinnen besonders freundlich. „Sie sollen sehen, dass ich nett bin. Ich will damit auch das Bild von der Jugend zurecht rücken“, meint Alina. „Ich kenne viele alte Menschen, die Spaß haben am Leben und die mir viel geben. Ich habe Respekt vor ihnen.“ LATIN-JAZZ SINFÓNICA! DASCROSSOVER-KONZERT//KLASSIK MEETS LATIN &JAZZ Großorchestermit 65 Musikern//Dirigent:Andreas Schulz // Special Guest: Christoph König 26.02.2018//19.30 UHR KONZERTKIRCHE NEUBRANDENBURG Ticketsbei undbei allenlokalen Vorverkaufsstellen www.neue-philharmonie.net Das nächste Ziel für die Elftklässlerinnen Lea Krohn, Alina Sulfrian, Pauline Weigel und Inga Krause (von vorn) ist das Abitur. FoTo: MSP Kontaktzur Autorin m.spreemann@nordkurier.de

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