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Nordkurier Ratgeber "Fahrt ins Blaue"

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Unsere Ratgeber-Ausgabe für die Region Mecklenburgische-Seenplatte.

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SEITE 6 FREITAG, 28. APRIL 2017 LeseR öffNeN IhRe gaRage Mit zwei Takten durchs Autoleben VonKonrad Wegener Nicht immer geht esbei der Liebe zu einem Gefährt um die große PS-Zahl. Das beweist auch die Sammlung von Markus Vohs. NeubRaNdeNbuRg. Mit dem ersten Auto ist es wie mit der ersten Freundin –beide vergisst Mann nie. Markus Vohs‘ Jugenderinnerungen hängen an Trabant, Wartburg und Co. Damit waren er und seine Familie wie viele andere in der DDR mobil. Eine Zeit, in der Autos und ihre Ersatzteile kostbar waren wie Goldstaub, schlichtweg, weil man auf normalem Wege kaum an sie herankam. Kurz nach der Wende bekam der Neubrandenburger von Tante und Onkel sein erstes Auto geschenkt. Einen 26 Jahre alten 311er Wartburg; von nicht wenigen als das schönste Auto des Ostblocks bezeichnet. „Der Wagen war in einem sehr guten Zustand und gefiel mir schon immer.Für den Alltag eigentlich viel zu schade“, dämmerte es Markus Vohs schon damals. Also wurde das Juwel mit seinen barocken Formen geschont, und ein Trabant kam als Zweitwagen ins Haus. Es war die Zeit, als Millionen der Duroplastautos entweder beim Verwerter, im Gebüsch oder für einen Kasten Bier bei einem neuen Besitzer landeten, weil alle plötzlich Westwagen kaufen konnten und wollten. „Ich fuhr in dieser Zeit als Student sozusagen die Trabis der Familie auf“, meint der 43-Jährige augenzwinkernd. „Das Praktische war,dassman mit den Autos meist eine halbe Garage voller gebunkerter Ersatzteile dazu bekam.“ Den dritten Trabant hat der Neubrandenburger dann behalten –„Der war sehr gut!“ –und fährt ihn noch heute. Auch Tantchens Wartburg ist mittlerweile 53 Jahre alt und hat noch Familienzuwachs bekommen: einen top erhaltenen schokobraunen 353er Wartburg de luxe, der nur im Sommer vor die Tür darf. Nicht einmal in seinem Job lassen die DDR-Klassiker Markus Vohs los. Er ist Geschäftsführer des Behindertenverbandes Neubrandenburg, und das erste Auto des dortigen Fahrdienstes war ein Barkas –quasi der VW-Bus des Ostens. Zum 25. Geburtstag des Verbandes durfte so ein Bus nicht fehlen, also wurde ein NVA-Barkas angeschafft, weiß umgespritzt, mit roten Kunstledersitzen versehen und aufpoliert. Noch heute ist er zu besonderen Anlässen für den Verband unterwegs, mit dem Kennzeichen „NB-BV1“. Und auch ein Multicar arbeitet für den Verband –eines der wenigen Fahrzeuge aus der DDR, das sich in der Marktwirtschaft bis heute behauptet hat. Markus Vohs dekoriert seinen Wartburg. FoToS (6): KoNRAD WeGeNeR Bis dass der Rost uns scheidet Von Dominique Cîrstea Bei Leichenwagen beschleicht viele ein mulmiges Gefühl. Doch Jan Michaels geht das Herz auf. Rostock. Sein erstes Modellauto hat Jan Michaels vor einigen Jahren von einem Freund geschenkt bekommen. Seitdem hat ihn eine –zugegeben – ziemlich spezielle Sammelleidenschaft gepackt. Denn Jan Michaels liebt Leichenwagen. Und nicht nur die über 80 Modellwagen, die er in seiner Vitrine zu Hause ausstellt, sondern Fahrzeuge, in denen noch vor wenigen Jahren Verstorbene zu ihrer letzten Ruhestätte transportiert wurden. „Ich war schon immer fasziniert von historischen Vehikeln, und besonders von Leichenwagen. Als ich im Internet auf jemanden gestoßen bin, der seinen verkaufen wollte, war ich sofort hin und weg.“ Diese Begeisterung teilt er mit anderen Liebhabern klassischer Leichenwagen, mit denen er sich in Foren oder auf Treffen austauscht. Vor zwei Jahren hat er selbst eine solche Zusammenkunft organisiert. Mittlerweile besitzt er zwei Mercedes der W123‘er Baureihe, dem bislang meistgebauten Modell der Automarke mit Stern. „Den hellgrauen Wagen habe ich von den Nachkommen eines verstorbenen Bestatters erworben –mit Sarg, Urne und allem, was man so zum glücklichen Dahinscheiden benötigt“, sagt Michaels schmunzelnd. Nicht dass der Tod besonders komisch wäre, aber eines morbiden Humors bedarf es wahrscheinlich schon, um mit einem Sarg im Kofferraum durch die Gegend zu fahren. „Den Wagen nutze ich nur als Ausstellungsstück, daher bleibt auch alles wie ursprünglich erhalten.“ Lediglich einige Reparaturen und Aufbesserungen müssten an dem 1980 erbauten Fahrzeug noch gemacht werden. „Die Farbe der Karosserie ist nicht typisch für einen Mercedes, der Bestatter hatte sich das damals so gewünscht.“ Grundsätzlich nutzt Michaels seine Leichenwagen für private Zwecke, für Ausflüge, Oldtimer-Treffen oder Festivals. „Manchmal werde ich gefragt, ob es in dem Fahrzeug nicht nach Tod riecht. Oder ob ich Probleme damit hätte, im Kofferraum zu schlafen.“ Michaels verzieht seine Miene, dann lacht er. „Solche Gedanken würde ich mir eher bei ausrangierten Krankenwagen machen. In einem Leichenwagen kommen die Verstorbenen nie direkt mit dem Fahrzeug in Berührung.“ Erst neulich habe ihn eine ältere Dame angehalten und gebeten, sich das Auto anschauen zu dürfen, erzählt der 40-Jährige. „Sie wisse ja sonst nicht, wie es darin aussieht, wenn sie erstmal im Sarg liegt.“ Dieser makabere Humor ist genau Michaels‘ Ding. Ein paar Accessoires in der Fahrerkabine zeugen davon. Neben einigen Totenköpfen und einer schwarzen Parkscheibe mit dem Spruch „Deine Zeit ist abgelaufen“, findet man auch einen Plüsch- Bestatter auf dem Beifahrersitz. „Das ist so mein Spleen.“ Diesen sieht man dem 40-jährigen auch irgendwie an. Sein Stil: Eine Mischung aus Punk und Rockabilly. Grundton: Schwarz. Sich davon täuschen zu lassen, wäre jedoch genauso oberflächlich, als würde man ein Fahrzeug lediglich nach seinem Lack beurteilen. Michaels arbeitet als Sozialarbeiter für einen kleinen Träger in Rostock. „Die Kids sind echt begeistert von den Wagen. Wirkliche Berührungsangst gibt es generell kaum.“ Jan Michaels Motoren-Träume sind nichts für jedermann. er nennt zwei Leichenwagen sein eigen. FoToS (4): DoMiNique CîRSTeA

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