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Seite 8 Freitag, 26.

Seite 8 Freitag, 26. Januar 2018 Lehrstell PRAXIS TEST Stolzer Bäcker: Jörg Reichau Frische Brote warten darauf, in die Filialen transportiert zu werden. Reporter Martin Lindner an der Teig-Gewichtwaage Ga Zwischen Brötchen, Torten und de nach der eigenen Famil Mal einen Tag in den Beruf des Bäckers hineinschnuppern: Für seine Reportage wollte Martin Lindner wie es in einem von Deutschlands unbeliebtesten Lehrberufen zugeht. Die Bäckerei Reichau au öffnete ihm zum Teigkneten und Brotbacken ihre Türen. GRAMBIN. Gleich als ich die Tür zur Backstube öffne, schlägt mir dieser intensive Geruch nach frischen Backwaren entgegen. Goldbraune Brötchen und Brotlaibe liegen in der Halle in Holzregalen übereinander und erfüllen die Luft mit ihrem verführerischen Duft. Angenehm warm ist es hier, besonders wenn man aus der regnerischen Januarkälte in die Stube hineinstolpert. Es ist 23 Uhr. Vor einer Stunde hat die Schicht für die Bäcker und Konditoren der Bäckerei Reichau in Grambin begonnen. Eine Zeit, in der die meisten Menschen zu Bett gehen. „Die Arbeitszeiten gefallen mir nicht“, gibt Dirk Aane ehrlich zu. Der 33-Jährige hat seine Lehre von 2001 bis 2003 im Hause Reichau gemacht und arbeitet seitdem hier. Aber die positiven Seiten an dem Beruf überwiegen für ihn. „Ich kann mit meinen eigenen Händen etwas herstellen, die großen Maschinen bedienen und mit tollen Menschen zusammenarbeiten. Das ist viel wert.“ Ich ziehe mir ein Bäcker- Outfit an: weiße Schürze, weißes Polo-Shirt und Kopfhaube. Denn heute werde ich hier einen Tag als Azubi arbeiten. Mit den Mitarbeitern bin ich schon mal per Du. Meine erste Station ist die Backhalle. Direkt bei den riesigen Öfen ist es brütend heiß, und ich muss erst einmal Luft holen. Hinter den schmalen schmiedeeisernen Klappen herrschen Temperaturen von fast 300 Grad. „Im Sommer ist das schon hart“, weiß Bäcker-Meister Mario Walter aus eigener Erfahrung zu berichten; er arbeitet seit 1997 in der Bäckerei. „Da muss man halt durch. Dafür ist es im Winter angenehm.“ Winter haben wir jetzt, denke ich, sage aber nichts. Angenehm ist für mich anders. Als ein Mitarbeiter die Kühlkammer öffnet und mir ein Schwall kalter Luft übers Gesicht streicht, ist das eine wahre Wohltat. Ein Piepsen erfüllt die Backhalle. Es klingt wie ein Wecker. „Hörst du das?“, fragt mich Dirk. „Das ist das Zeichen dafür, dass die Brote raus müssen.“ Mario öffnet die Ofenklappen und zieht die fertigen Brote mit einem Schieber aus Holz heraus. Schon steht ein Blech mit Streuselkuchen bereit, um von der Ofenhitze geküsst zu werden. Daneben warten auf den Blechen noch Mohnkränze, Croissants und Streuselschnecken. Ich packe mit an. Schon der lange Schieber hat ein beachtliches Gewicht. Ich schätze fünf Kilo. Mit drei Broten à zwei Kilo, die auf die Schaufel Ich kann mit meinen eigenen Händen etwas herstellen, die großen Maschinen bedienen und mit tollen Menschen zusammenarbeiten. Bäcker Dirk Aane passen, ersetzt diese Arbeit gut und gerne ein abendliches Hanteltraining. „Noch ist mir kein Brot runtergefallen“, sage ich zu Mario, der meine Arbeit kritisch beäugt. „Ja, so soll das sein“, sagt er und zeigt mir den ausgestreckten Daumen. Fawad Faizi kommt kurz darauf in die Backstube. Für den Flüchtling aus Afghanistan, der in der Bäckerei Reichau eine Ausbildung macht, beginnt die Schicht um Mitternacht. Fawad ist über Flüchtlingsbetreuer in die Bäckerei gekommen. In Afghanistan hat der 24-Jährige Jura studiert. Nach zweiwöchiger Probearbeit hat sich Jörg Reichau, Eigentümer des in vierter Generation geführten Familienunternehmens, dazu entschlossen, ihm einen Ausbildungsvertrag zu geben. Fawad lernt erst seit wenigen Monaten Deutsch. „In der Berufsschule ist es sehr schwierig für mich“, gibt Fawad zu. „Aber ich habe viel Kontakt zu Deutschen, zum Beispiel meinen Nachbarn. Ich liebe Deutschland. Die Menschen sind so nett zu mir. Hier habe ich eine Zukunft.“ Zusammen mit Dirk muss Fawad Quarkteig kneten. Dirk lernt den jungen Mann an. Fawad misst den Teig ab, Dirk formt den Teigklumpen zu einem viereckigen Teil. „Fawad ist ein guter Mann. Ich bin zufrieden mit ihm“, lobt er. „Mit der Sprache hapert‘s zwar noch, aber das wird schon.“ Er nickt ihm aufmunternd zu. Fawad lächelt glücklich. Dann soll ich ran. Der Teig muss zur Hälfte nach innen geklappt werden, anschließend kommt die andere Hälfte dran. Dann wird der Teig gedreht und der Vorgang wiederholt sich. Der erste Quarkteig sieht, nachdem ich ihn bearbeitet habe, nicht viereckig aus, sondern fast genauso unförmig wie der Klumpen, der er vorher war. „Na ja, ich hab genug Teig da“, sagt Dirk und schenkt mir ein verschmitztes Lächeln. „Den muss man doch nicht wegwerfen?“, frage ich besorgt. „Nein, Hauptsache in dem Teig ist alles drin.“ Dirk nickt mir ermutigend zu, wie vorhin bei Fawad. „Das ist alles eine Frage der Zeit“, sagt der Zwei-Meter-Mann und legt mir einen zweiten Quarkteig- Klumpen auf den Tisch. Diesmal sieht das Ergebnis meiner Knetversuche schon deutlich besser aus. An der nächsten Station zieht Bäckerin Christina Bleidorn einen riesigen Teigbatzen für das Haffkrusten- Brot aus dem voluminösen Teig-Spiralkneter. Daraus müssen mit einem Schaber zu gleichen Teilen 1150 Gramm- Stücke herausgeschnitten, im Anschluss gerollt und dann in die Formen gesteckt werden. Es riecht stark nach Hefe. Fawad, Christina und Dirk sind ein gut eingespieltes Team. Die Teige für die Haff-Kruste landen im Zwei- bis Drei- Sekunden-Takt in der Form. Ich möchte auch versuchen, 1150 Gramm Teigmasse abzuwiegen. Die Bäckerwaage ist auf dieses Gewicht eingestellt. Das sah bei Christina leichter aus, als ich es nun erlebe. Der Teig klebt wie eine zweite Haut an meinen Händen. Teig auf die Waagschale dazuzugeben oder wegzunehmen, erweist sich als Sisyphusarbeit. Mal ist zu viel Teig auf der Waagschale, dann wieder zu wenig – als führe die Waa- © DANIEL ERNST - FOTOLIA.COM ge ein Eigenleben. Um ein 1150 Gramm-Stück abzuwiegen, brauche ich über eine Minute. 30 Mal so lange wie Christina. „Davon muss ich ein Foto machen!“, ruft Dirk auf einmal. „Wo ist deine Kamera?“ Schon ist er weg und als er wiederkommt, lichtet er mich ab. Er lacht herzerfrischend. „Bei dir sah das so einfach aus“, sage ich zu Christina. Die junge Bäckerin macht eine wegwerfende Handbewegung. „Ich mache das auch schon seit Jahren. Aber Mehl ist ein guter Freund“, weist sie mich an. Wie aufs Stichwort reicht mir Fawad die Schüssel mit Mehl. Ich tauche meine Hände hinein und verreibe das Mehl. Jedoch auch jetzt will es nicht so recht klappen. Nach einer Viertelstunde, in der ich kaum mehr als ein Dutzend Teigklumpen abzuwiegen geschafft habe, gebe ich auf. Sonst hätten an diesem Tag nur wenige Reichau-Filialen Haff-Krusten im Angebot gehabt. Von den Kollegen gibt es keine Einw Er Rä de pe Zu H Hi Go di Kr be Ko m re Fi ic ge sie zu te ne zu sa as Re m Yo Er de Gr tr H im se m ze ni ge au ke tu ist Eu Fr t h H br w er st au Fi rie Fl he un m au

en Kurier Seite 9 nz frische Donuts Yosief Yohannes kreiert Torten. FOTOS: MARTIN LINDNER r Sehnsucht ie hautnah erleben, s Grambin ände. Ich sehe sogar fast leichterung in ihren Augen. In der Konditorei, die zwei ume weiter liegt, herrschen utlich angenehmere Temraturen; der Geruch von cker hängt in der Luft. Im intergrund läuft das Radio. er liegt das Reich von Katrin ldt. Sie bestreicht gerade e Ränder eines Frankfurter anzes mit Buttercreme und streut ihn mit Krokant. Die nditorin mit roter Schirmütze kreiert seit 20 Jahn Torten für die Reichaulialen. „Torten habe h schon immer gern habt“, verrät sie. Ob auch viele Torten Hause backe, möchich wissen. Sie verint. „Wenn, dann backe ich Feiertagen. Höchstens“, gt sie. Ihr zur Seite stehen Matthi- Ehlert, der bei der Bäckerei ichau seine Ausbildung geacht hat, und Bäckerhelfer sief Yohannes. Yosief ist ein Flüchtling aus itrea. Der 34-jährige Mann, r seit acht Monaten in der ambiner Bäckerei arbeitet, ägt eine große Wunde im erzen. Er erzählt, dass er merzu an seine Frau und ine kleine Tochter denken uss, die in Äthiopien festsitn. Seine Tochter hat er noch emals von Angesicht zu Ansicht gesehen, sie noch nie f dem Arm gehalten. Er nnt sie nur von Fotos. Das t ihm sichtlich weh. Yosief vor fast drei Jahren nach ropa geflohen, als seine au schwanger war; er hate die Hoffnung, sie nacholen zu können. Aber die offnung wurde mit der Zeit üchig. „Ich wünsche mir, sie iederzusehen“, sagt . Yosiefs Augen rahlen Sehnsucht s. Mit flinken ngern und konzentrtem Blick bedeckt der üchtling eine Obsttorte mit ißem, rotem Tortenguss d verstreicht die Masse it einem Pinsel gleichmäßig f der Oberfläche. In Eritrea war Yosief in der Armee, wie er erzählt. Die Backstube ist eine vollkommen neue Welt für ihn. „Die Arbeit macht mir Spaß“, sagt der Katholik. „Das ist ein sehr großer Unterschied zur Armee.“ „Yosief macht das hier alles sehr gut“, lobt Matthias. Höchstens das Lesen auf Deutsch bereite ihm noch Probleme; die Rezepte für Torten hängen an der Wand. Die Arbeitsagentur hat Yosief an Geschäftsführer Jörg Reichau vermittelt. Um 3 Uhr kommen zwei Versandmitarbeiter, die das gebackene Gold in die anderen acht Reichau-Filialen ausliefern. Jede Filiale wird mit anderen Produkten und unterschiedlichen Mengen davon beliefert. Die Listen hängen nebeneinander an der Wand. Simone Rapraeger lässt ihren Blick konzentriert über die DIN-A4-Blätter schweifen. „Verliert man da nicht den Überblick?“, will ich wissen. Die Frau mit den rötlichen Locken schüttelt den Kopf. „Das ist noch gar nichts. Im Sommer liefern wir viel mehr Produkte aus. Da hängt dann die ganze Wand voll. Jetzt nach Silvester will doch jeder abnehmen“, sagt sie scherzend. Um 5 Uhr werden die ersten Filialen und Großkunden beliefert, wie Seniorenheime und ein Stützpunkt der Bundeswehr. „Hat man bei den ganzen Leckereien nicht den Wunsch, sofort zuzuschlagen?“, frage ich. Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen, als ich auf die bunten Kuchen, Liebesknochen, Donuts und großen Windbeutel schaue, die verführerisch vor meiner Nase liegen. Simone Rapraeger verneint das. „Wenn man das hier jeden Tag sieht, übt das keinen Reiz mehr auf einen aus.“ Zurück im Raum mit den Mega-Öfen spüre ich die Hitze nicht mehr; ich empfinde sie sogar als angenehm. „Ja, man gewöhnt sich schnell daran“, sagt Bäcker-Meister Mario. Er ist traurig, dass sich heutzutage so wenige junge Menschen dazu entschließen, Bäcker zu werden. „Als ich in die Bäckerlehre gegangen bin, waren die Klassen voll“, sagt Mario. Heute sehe das anders aus. Als Geschäftsführer Jörg Reichau um halb fünf in den Betrieb kommt, um mitzuhelfen, die gebackenen Waren auszuliefern, spricht er auch den Nachwuchsmangel an. Er verweist auf das Problem, dass 16-Jährige erst ab 5 Uhr arbeiten dürfen. „Da können sie dann fast nur noch beim Saubermachen helfen.“ Hoffnungen darauf, Nachwuchs zu bekommen, setzt er in die „Nacht des Backens“, ein Tag der offenen Tür, der in der Filiale Grambin einmal im Jahr stattfindet. Besucher könnten dann sehen, wie in der Bäckerei gearbeitet wird. „Es kommen immer viele, die dann bei uns ihr eigenes Brot backen“, erzählt Reichau. Vielleicht sind auch junge Menschen dabei, bei denen der „Mehlfunken“ überspringt. Die Produktion geht bis 6 Uhr früh weiter. Dann öffnet auch die Filiale in Grambin. Ich setze mich nach „Dienstschluss“ an einen Tisch im Café und beiße in mein Kernbeißer-Brötchen mit Erdbeermarmelade. Nach einer Bäckerschicht weiß ich diese kleine Backware mehr zu schätzen. Und ich kenne auch die teilweise berührenden Geschichten, die die Menschen in sich tragen, deren Hände sie Nacht für Nacht zubereiten. Der Bäckerjob ist sicher nicht jedermanns Sache. Aber wer eine Nachteule ist und schon immer Spaß daran hatte, zu backen und mit seinen Händen Teig zu kneten, der wird hier eine erfüllende Ausbildung finden. Kontakt zum Autor m.lindner@nordkurier.de GRAFIKEN: © MAHMUTTIBET, © STRICHFIGUREN.DE - FOTOLIA.COM Von wegen nur Akten sortieren Von Marina Spreemann Im Büro beim Notar arbeiten, das muss doch staubtrocken sein. Und extrem langweilig. Typischer Fall von denkste, findet Andrea Leinbaum – und die muss es wissen. NEUBRANDENBURG. Fragende Blicke erntet Andrea Leinbaum oft, wenn sie Bekannten von ihrer Arbeit erzählt. Die 21-Jährige wird zur Notarfachangestellten ausgebildet. „Den Beruf kennen viele gar nicht“, hat sie festgestellt. „Aber mir ging es da ja nicht anders“, sagt sie. Eigentlich sei es auch ein Zufall gewesen, wie sie diese Ausbildung für sich entdeckt hat. Die junge Frau aus Feldberg besuchte die Regionale Schule und wusste auch mit der Mittleren Reife in der Tasche nicht so recht, was aus ihr werden soll. Deshalb hat sie erst mal das Abitur „rangehängt“. Und sie wusste ziemlich genau, was sie nicht wollte. Erstens: Weit weg von zu Hause. „Mir ist das familiäre Umfeld einfach sehr wichtig.“ Zweitens: Kein Job, bei dem man viel draußen sein muss. „Ich bin eher der Drinnen-Mensch und habe mich immer im Büro gesehen.“ Also hat sich Andrea Leinbaum schlau gemacht: Zeitungsanzeigen studiert, Jobbörsen besucht, im Internet geforscht. Durch Zufall fiel ihr dabei ein Ausbildungsplatz-Angebot als Notarfachangestellte im Büro der Neubrandenburger Notarin Sonja Sellke auf. „Natürlich hatte ich schon von Notaren gehört. Aber was die genau machen, wusste ich damals nicht. Also habe ich erst mal alles über den Beruf gegoogelt.“ Was sie da zu lesen bekam, gefiel ihr. Bei der Bewerbung passte auch alles. Inzwischen ist die junge Frau im dritten Lehrjahr und steht kurz vor den Abschlussprüfungen, denen sie zuversichtlich entgegensieht. Ihre Eltern sind mit ihrer Berufswahl sehr zufrieden, erzählt sie. Ihre Mutter hat ebenfalls einen Büroberuf erlernt, der Vater ist Gleisbauer. Als die Familie ihr Haus baute, hatte sie auch Notartermine. Dass der Beruf alles andere als langweilig ist, kann Andrea Leinbaum ausführlich belegen. „Wir haben viel mit Verträgen zu tun, mit Erben und Schenkungen, mit Familiensachen. Jeder Fall ist anders und wird ganz individuell bearbeitet. Und damit ist auch jeder Tag anders“, erzählt sie. Sie muss sich auf die Mandanten einstellen, mal mit ihren Kollegen und ihrer Chefin ganz eng zusammenarbeiten, mal Aufgaben für sich allein lösen. Bereut hat sie ihre Entscheidung für diesen Beruf nie, auch wenn es mal stressige Tage gibt. Allerdings stand sie auch schon mal kurz vor dem Aufgeben. „Ich war lange krank, gut drei Monate raus. Es war sehr, sehr schwer, da wieder reinzukommen.“ Zum Glück hätten ihre Kollegen und ihre Chefin sie immer ermutigt und ihr geholfen. Und sie ist ja auch keine, die einfach so aufgibt. „Ich habe mir das ausgesucht, also muss ich es auch durchziehen. Wenn andere in der Lehre so schnell hinschmeißen, das verstehe ich nicht.“ Eine Ausbildung ordentlich abschließen – und wenn es dann etwas anderes werden soll, eben noch mal eine Ausbildung oder Umschulung machen. So sehe sie das. Schließlich habe sie auch schon vor der Lehre in Praktika und Ferienjobs einiges ausprobiert. „Von Erben, Schenkungen, Familiensachen: Jeder Fall ist anders und wird ganz individuell bearbeitet. Und damit ist jeder Tag anders. Andrea Leinbaum, angehende Notarfachangestellte Gastronomie bis Callcenter. Und danach wusste ich zumindest, was ich nicht will.“ Dass Andrea Leinbaum, die inzwischen in Neubrandenburg wohnt, auch nach der Lehre in ihrem Ausbildungsbetrieb bleiben wird, ist so gut wie sicher. „Ich werde übernommen“, freut sie sich und weiß auch über Weiterbildungsmöglichkeiten Bescheid. „Man kann Leitende Notarfachangestellte werden. Kann sein, dass ich das irgendwann mache. Aber erst mal habe ich genug von Schule.“ In zehn Jahren? Vielleicht. Auf jeden Fall möchte sie dann ein kleine Familie, eine Häuschen und einen sicheren Job. „Aber mit der Ausbildung muss ich da keine Angst haben. Ich kann auch in anderen Büros oder zum Beispiel beim Gericht mit meinem Abschluss arbeiten“, sagt sie. „In den Notariaten werden überall dringend Fachkräfte gesucht.“ Und da gefällt es ihr ja auch gut. „Ich kann jungen Leute nur sagen, sie sollen in den Bereich kommen.“ Potenziellen Bewerbern rate sie: „Sie sollen einfach sie selbst bleiben und sich PRAXIS TEST nicht verstellen.“ Wer Interesse an dem Job habe, sollte teamfähig sein, aber auch mal alleine arbeiten können. Er sollte auch genau, zuverlässig und offen für die Mandanten sein. Gute Noten in Hauptfächern wie Deutsch, Mathe oder Fremdsprachen zahlten sich natürlich in der Berufsschule aus. Die besucht Andrea Leinbaum alle zwei Woche in Schwerin. Dass sie dafür eine finanzielle Unterstützung von der Ländernotarkasse bekomme, sei für sie wichtig. „Eine Woche Berufsschule, eine Woche Büro in Neubrandenburg im Wechsel, da muss man alles gut organisieren.“ Das schätzt auch ihre Chefin Sonja Sellke ein. Die Notarin bildet seit 1991 in regelmäßigen Abständen junge Notarfachangestellte aus. Damit der Beruf bekannter wird, gibt es im Notariat Praktikumsplätze für Schüler. Und ab und an erzählt die Notarin auch Mandanten mit Kindern im entsprechenden Alter von den Berufschancen. „Notarfachangestellter ist ein Beruf mit Anspruch. Da muss man schon etwas tun und sich durchbeißen wollen. Schließlich sollten die Mitarbeiter rechtlich ziemlich fit sein, denn der Notar muss sich auf sie verlassen können“, meint sie. Die Lehre biete auch eine Menge Rüstzeug für den Alltag, dadurch dass man sich mit Rechtsfragen bis hin zu Steuerdingen regelmäßig befasse. „Und je tiefer man drinsteckt, umso spannender wird das eigentlich.“ Auf eine wichtige Eigenschaft für angehende Notarfachangestellte verweisen Chefin und Azubine gleichermaßen – Verschwiegenheit. „Das ist manchmal gar nicht so leicht“, gesteht Andrea Leinbaum ein. Wenn sie am Wochenende nach Hause fährt, wollten die Eltern und Geschwister schon gern wissen, womit sie sich über die Woche beschäftigt hat. Ihre Antwort immer: „Darüber darf ich nicht reden.“ „Inzwischen hat sich meine Familie daran gewöhnt“, sagt die junge Frau und lacht. Kontakt zur Autorin m.spreemann@nordkurier.de Andrea Leinbaum hat ihre Entscheidung für den Job im Notariat nicht bereut, auch wenn es manchmal stressig ist. FOTO: M. SPREEMANN

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