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Lehrstellenkurier Februar 2021

Seite 12 Lehrstellen

Seite 12 Lehrstellen Kurier Freitag, 26. Februar 2021 Malerin und Lackiererin – das ist ein Beruf, der mittlerweile auch etliche junge Frauen interessiert. Foto: Bernd Wüstneck Theresa Tauchert, Auszubildende zur Anlagenmechanikerin Sanitär, Heizung und Klimatechnik, ist der erste weibliche Lehrling von Ausbilder Martin Wenzel. Fotos (2): PATrick Pleul Es gibt auch Schornsteinfegerinnnen. Mit der Werkzeugkiste: Frauen im Handwerk Von Jeanette Bederke Frauen im Handwerk sind noch nicht alltäglich. Junge Frauen entdecken aber immer mehr klassische Männerberufe für sich. Altranft. Frauen erobern im Handwerk immer mehr klassische Männerberufe. „Elektrikerinnen, Lackiererinnen, Schornsteinfegerinnen oder Augenoptikerinnen sind inzwischen längst keine Seltenheit mehr“, sagt zum Beispiel Michael Thieme, Sprecher der Handwerkskammer Frankfurt (Oder). Handwerksarbeit, die mit schwerem körperlichen Einsatz verbunden ist, sei zwar kein Traumberuf für junge Mädchen. Digitalisierung, moderne Technik sowie Planung und Organisation erforderten jedoch vor allem auch Kopf und Verstand. „Wir Frauen fallen im Handwerk schon auf“, findet Theresa Tauchert. Die Auszubildende zur Anlagenmechanikerin Sanitär, Heizung und Klimatechnik im dritten Lehrjahr fühlt sich auf Baustellen am wohlsten. „Der Beruf ist vielseitig, denn jede Heizungsanlage, die du baust, ist anders, und du schaffst etwas Bleibendes“, bekräftigt die 21-Jährige. Vater Jens Tauchert, Inhaber eines Meisterbetriebes für Heizung und Sanitär im brandenburgischen Altranft, schenkte der Tochter schon im Kita-Alter einen Blaumann. „Das war damals eher ein Gag. Die Latzhose hat sie dann aber nicht mehr ausgezogen“, erinnert sich der 55-Jährige schmunzelnd. Später begleitete ihn die Tochter auf Baustellen, machte mit 14 Jahren bei ihm ein Praktikum und Ferienjobs. „Trotz des Arbeitsbeginns um 4.30 Uhr und der schweren körperlichen Arbeit kam sie immer wieder“, erzählt der Chef von 50 Mitarbeitern und acht Lehrlingen. Der Ton auf den Baustellen sei rau, gibt die junge Frau zu. „Da musst du schon ein dickes Fell haben und darfst dich nicht unterbuttern lassen“, sagt Theresa, die sich in ihrer Freizeit bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert. Für Martin Wenzel, seit 15 Jahren Ausbilder im Betrieb von Theresas Vater, ist die junge Frau der erste weibliche Lehrling. „Abgesehen von den körperlichen Herausforderungen – die Geräte, mit denen wir hantieren, sind alles andere als leicht – gibt es keine Unterschiede zu männlichen Azubis“, sagt Wenzel. „Sie ist kreativ und lernfähiger als mancher Geselle.“ Theresa habe Lust auf den Beruf. Werbung für die Berufe schon in der Schule Azubis mit so einer Einstellung zu finden, sei nicht einfach, sagt Wenzel. Von allein bewerbe sich kaum jemand. „Da müssen wir schon gezielt in den Schulen Werbung machen.“ Von 2240 Lehrlingen im Handwerkskammerbezirk Frankfurt (Oder) sind nur 553 Frauen. Immerhin lernen einige von ihnen inzwischen wie Theresa Berufe, die bis dato eher junge Männer wählten: Schornsteinfeger, Lackierer oder Maurer. Frauen in klassischen Männerberufen seien nicht alltäglich, doch das weibliche Geschlecht sei im Handwerk auf dem Vormarsch, macht Theresa Tauchert deutlich: „In meiner Berufsschulklasse sind wir immerhin drei Mädchen. Das gab es in den Vorjahren nie“, erzählt die junge Frau, die Social Media und Internet geschickt nutzt, um beim weiblichen Geschlecht Werbung für Handwerksberufe zu machen. Auf Instagram folgen ihr mehrere Tausend Interessierte. „Viele Mädchen trauen sich einfach nicht, ihnen fehlt das Selbstbewusstsein, dass zu erlernen, was sie wirklich möchten“, hat Theresa beobachtet. „Dann werden sie lieber Friseurin oder Verkäuferin. Oder sie quälen sich durchs Abitur, weil Eltern wollen, dass sie studieren.“ Sie selbst warf als Schülerin auf dem Gymnasium kurz vor dem Abitur das Handtuch. „Langes Zuhören und Auswendiglernen liegen mir nicht. Und mit Mathe sowie Englisch hatte ich ein echtes Problem“, gibt Tauchert zu. Studieren wollte sie nicht. „Ich ging aufs Gymnasium, weil alle meine Freunde auch dort waren“, sagt sie. Die Tochter wolle Rohrleger werden und nichts anderes, informierte der Klassenlehrer schließlich Vater Tauchert. Mit der Entscheidung, im elterlichen Betrieb von vorn anzufangen, sind Theresa und Jens Tauchert glücklich. Anzeigen Volltreffer! Wirgehören zu denBesten in Deutschland! 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Freitag, 26. Februar 2021 Lehrstellen Kurier Seite 13 So läuft es am Gericht Es gibt mehrere Wege, am Gericht eine Ausbildung zu machen: Als Justizfachangestellte oder Justizsekretär sorgt man dafür, dass Verfahren ihren geregelten Gang gehen. Wo liegen die Unterschiede? Von Marina Uelsmann Von wegen staubtrocken: Franziska Mas Marques findet ihre Ausbildung als Justizsekretärin in Berlin ausgesprochen spannend. Fotos: Zacharie Scheurer Berlin. Wer mit einem Gericht zu tun hat, steckt oft in Schwierigkeiten. Für Justizfachangestellte und -sekretäre gilt dies aber nicht: Sie organisieren und verwalten die Akten und Briefe, damit bei Gerichtsverfahren immer alles mit rechten Dingen zugeht. Franziska Mas Marques ist in ihrem zweiten Ausbildungsjahr als Justizsekretärin in Berlin und beschreibt ihren Ausbildungsplatz, die Geschäftsstelle der Staatsanwaltschaft in Moabit, als „das Herz des guten Rechts“. Dort wird Hand in Hand gearbeitet: Briefe von Anwältinnen, Verfügungen von Richtern, alles muss geordnet ablaufen. Und dafür trägt die Auszubildende Sorge. Sie arbeitet den Richtern zu, schreibt Verhandlungsprotokolle und berechnet Fristen und Gerichtskosten. Die Ausbildung zur Justizsekretärin ist jedoch nicht die einzige am Gericht. Es gibt auch den Beruf des Justizfachangestellten. Die Ausbildungsinhalte ähneln sich zwar, es gibt aber Unterschiede. Zum Beispiel ist Franziska Mas Marques schon während ihrer Ausbildung Beamtin auf Widerruf, während Justizfachangestellte nicht verbeamtet werden. Interessierte müssen sich oft erst mal einen Überblick verschaffen, was überhaupt möglich ist. Nicht in jedem Bundesland werden immer beide Ausbildungen angeboten, mancherorts dauert die Ausbildung 2,5 Jahre, anderswo drei Jahre. Wer die Beamtenlaufbahn als Justizsekretär einschlägt, kann nach der Ausbildung zudem im ganzen Bundesland eingesetzt werden. Das sollten Interessierte bedenken. Justizfachangestellte wie Justizsekretäre haben auch theoretischen Unterricht. Die Anwärter und Anwärterinnen lernen zum Beispiel was hinter Begriffen wie „Strafsachen“ und „Zivilgerichtsbarkeit“ steht und bekommen den Umgang mit den Computerprogrammen beigebracht, die sie in ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Mit dem Abschluss werden Justizfachangestellte zwar im Öffentlichen Dienst angestellt, sie können aber von Notarinnen oder Anwälten „abgeworben“ werden und damit in die freie Wirtschaft wechseln. Sie sind damit weniger an die Gerichte gebunden als Justizsekretäre. Aber selbst wenn man bei Gericht bleibt, geht es im Zivilprozess zu Verkehrsunfällen doch ganz anders zu als beim Oberlandesgericht, wo grundsätzlichere Fragen verhandelt werden. „Das Schöne ist, man ist gar nicht so festgelegt“, sagt Uta Wessel, Berufsschullehrerin für Justizfachangestellte an der Kaufmännischen Schule Stuttgart-Nord. Ob mit ein bisschen mehr Aufregung beim Strafgericht oder schön übersichtlich auf dem Grundbuchamt: Je nach Vorliebe können die Nachwuchskräfte wählen. Ausbildungsvergütung laut Tarif Alle sechs Wochen Einblick in eine neue Abteilung Franziska Mas Marques lernt als Justizsekretärsanwärterin alle sechs Wochen die Arbeit in einer neuen Abteilung kennen. Wie liest man Verfügungen und setzt sie um? Wie führt man in einer Gerichtssitzung Protokoll? Welche Fristen müssen beachtet werden? Besonders gefällt ihr die Arbeit bei der Staatsanwaltschaft. Am Gericht hat man es aber nicht nur mit Vorschriften und Regeln zu tun, es geht vor allem um komplexe menschliche Biografien. „Manchmal berühren einen die Fälle auch persönlich“, sagt Mas Marques. Denn jede noch so unscheinbare Akte erzählt eine Geschichte. „Dann nimmt man die Arbeit auch schon mal gedanklich mit nach Hause.“ Nach der mittleren Reife hat Mas Marques zunächst als Assistentin der Geschäftsführung in einem Theater gearbeitet. Als sie eine Tochter bekam, hat sie nach einer sichereren und familienfreundlichen Stelle gesucht. „Ich habe schon immer sehr auf Gerechtigkeit gepocht“, erklärt sie, und so war der Angehende Justizfachangestellte werden nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) nach dem Tarif im öffentlichen Dienst bezahlt. Sie erhalten seit dem Jahr 2020 eine monatliche Bruttovergütung von 1037 Euro im ersten Ausbildungsjahr, die bis zum dritten Jahr stufenweise auf 1141 Euro ansteigt. Für die angehenden Justizsekretäre und Justizsekretärinnen fällt der Verdienst etwas höher aus. Der Grundbetrag für Justizsekretärsanwärter und -anwärterinnen zum Beispiel in Berlin beträgt zurzeit monatlich rund 1237 Euro brutto. BA-Angaben zufolge beträgt der monatliche Anwärtergrundbetrag für Beamte im mittleren Dienst bei Landesbehörden je nach Bundesland zwischen 1209 und 1328 Euro brutto pro Monat. Tipp einer Bekannten, es als Justizsekretärin zu versuchen, genau das Richtige für sie. „Wenn man Kinder hat, muss man ja auch gut organisiert und strukturiert sein.“ Von Justizsekretärsanwärtern wird schon im mehrstufigen Auswahlverfahren einiges verlangt. Deshalb ist zum Beispiel die Besetzung der 150 Ausbildungsstellen in Berlin nicht ganz einfach, obwohl es jährlich 800 bis 1000 Bewerber gibt, sagt Nikolai Zacharias, richterlicher Dezernent des Referats Ausund Fortbildungen beim Präsidenten des Berliner Kammergerichts. Manche fallen schon bei der Bewerbung über die zentrale Plattform heraus, andere beim zweiten Test, der sowohl kognitiv-intellektuelle als auch soziale Fähigkeiten, gutes Deutsch und die Fähigkeit zum Multitasking erfasst. „Am Deutschtest mit dem Lückendiktat scheitern leider viele“, erklärt Zacharias. Im Arbeitsalltag aber muss der Umgang mit juristischen Texten problemlos von der Hand gehen. Wenn die Justizfachangestellten oder -sekretäre im Auftrag von Richtern zum Beispiel Urteile erstellen und diese dann rechtskräftig werden, sind sie dafür verantwortlich, dass keine Fehler passieren. Wer ratsuchenden Bürgern Auskunft geben soll, muss außerdem kompetent, freundlich und hilfsbereit sein. „Menschen, die mit einem Gericht zu tun haben, sind häufig verunsichert und überfordert von dem Prozedere“, betont Berufsschullehrerin Wessel. „Da punkten auch ältere Berufsanfänger in der Ausbildung zur Justizfachangestellten, denn sie haben mehr Lebenserfahrung.“ In ihrem Unterricht sitzt neben der 17-jährigen Realschulabsolventin auch mal eine 50-Jährige, die sich nach der Familienphase beruflich umorientiert hat. Kommunikation wird immer wichtiger Neben Datenschutz beim elektronischen Rechtsverkehr werden künftig auch interkulturelle Kompetenzen und eine serviceorientierte Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern zunehmend wichtig, wie Martin Elsner vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erklärt. „Für mich hat sich im Laufe der Ausbildung viel sortiert“, sagt Franziska Mas Marques. Vorher habe sie Gerichtsurteile oft nicht nachvollziehen können, aber jetzt verstehe sie die Entscheidungen, auch weil sie die einzelnen Verfahrensschritte kennengelernt hat. Und damit diese Verfahrensschritte gemacht werden können, kommt sie jeden Tag zur Arbeit. Oder wie es die Berufsschullehrerin Uta Wessel sagt: „Gesetze ohne Rechtspflege sind sinnlos.“ Damit in den Sitzungssälen der Gerichte alles ordnungsgemäß läuft, sind viele Mitarbeiter mit ihrem Fachwissen gefragt. Foto: Ronny Hartmann NBS NBN SZS AZ AZD HZ PAZ DZ MZ MST MSM PZ TZ

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