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Kompakt_März

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14 FAMilie KompAKT Am

14 FAMilie KompAKT Am Ende der Tour wird esheimelig. ©(2) privat Als Märchenerzählerin wird man nicht reich, aber glücklich Stefanie Keller lädt zu außergewöhnlichen Wanderungen rund um Feldberg ein. Eckhard Behr hat sie dabei begleitet. Carwitz. Wir sind vor dem Fallada-Museum in Carwitz verabredet. Pünktlichum14Uhr kommt sie mir entgegen: leicht auf einen gedrehten Spazierstock gestützt, langer schwarzer Mantel, gestrickte Mütze auf dem Kopf,am Gürtel zwei lederne Börsen und auf dem Rücken ein geflochtener Korb: Stefanie Keller ist auf dem Weg zueiner Märchenwanderung, die heute über Bohnenwerder, eine Halbinsel, die weit in den Carwitzer See hineinragt, führt. Doch bevor die 20 Mitwanderer kommen, bleibt Zeit für ein Gespräch mit der weit und breit einzigen Märchenerzählerin. „Vor gut 15 Jahren traf ich auf einem Weihnachtsmarkt in Süddeutschland eine Märchenerzählerin, die mich nicht nur begeisterte, sondern bei mir den Wunsch geweckt hat – ich möchte auch Märchenerzählerin werden“, erinnert sich die aus Bietigheim-Bissingen in Baden- Württemberg stammende junge Frau. „Es hat lange gebraucht und ich habe viel Erfahrung in anderen Bereichen gesammelt, bis ich den Mut gefunden habe, meinem Traum zu folgen –kreativ zu sein, Menschen zu erfreuen und zu helfen. Doch ich habe immer wieder die richtigen Schubser des Lebens bekommen, die mich letztendlich zu dem gemacht haben, was ich bin und was mich erfüllt: Eine Märchenerzählerin“, erzählt Stefanie Keller, während sie ihren Korb absetzt und aus ihm kleine rote Laternen holt und diese mit Kerzen bestückt. „Am Ende der heutigen Wanderung werden wir diese brauchen“, erklärt sie mit einer geheimnisvoll klingenden Stimme. Märchenerzählen als Tradition bewahren Einer dieser „Schubser“ führte sie in die Feldberger Seenlandschaft, wo sie den Fährmann am Schmalen Luzin, Thomas Voigtländer,kennenlernte,der ihr wiederum einen weiteren „Schubser“ gab, sodass sie zwischen 2012

FAMilie KompaKt 15 Stefanie Keller ist zu jeder Jahreszeit in der Feldberger Seenlandschaft unterwegs. ©Eckhard Behr und 2013 eine Ausbildung bei Caspar von Loeper zur professionellen Märchenerzählerin absolvierte.„Seitdem versuche ich, die schöne Tradition des Märchenerzählens zu bewahren“, erzählt Stefanie Keller. „Ich mag die Fülle und Wandlung der Natur, den Sternenhimmel mit Sternschnuppen, Blumenwiesen, Märchen und Weisheiten, das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, Stunden alleine und schöne Momente mit Freunden – all das und noch viel mehr habe ich jetzt in meinem Beruf. Als Märchenerzählerin wird man zwar nicht reich, aber glücklich.“ Inzwischen sind wir zurück am Fallada-Museum. Hier treffen nach und nach die Teilnehmer der Wanderung ein: Kinder und Erwachsene aus der Region, Weit gereiste aus Oranienburg und Neubrandenburg –sie alle wollen etwas nicht Alltägliches erleben und sich ineine analoge Welt der Natur in dieser eiszeitlichen Landschaft begeben und sich dabei von Stefanie Keller ins „Märchenland“ entführen lassen. „Wir haben von ihr gelesen. Das hat uns sofort angesprochen, weshalb wir uns heute in Oranienburg aufgemacht und hierher gekommen sind“, erzählt Familie Bergmann. –„Ichbin mit Märchen aufgewachsen“, sagt Beate Fabian, die aus Neubrandenburg gekommen ist. „Meinem Enkel möchte ich auf lebendige Art zeigen, wie schön Märchen sein können.“ Immer auf der Suche nach Naturmärchen Nachdem die ersten 500 Meter der Wanderung absolviert sind, hält Stefanie Keller inne und beginnt mit dem ersten Märchen „Frau Holles Apfelgarten“: „Es geschah einmal, dass im Garten der schönen Frau Holle die Apfelbäume nicht mehr gediehen ... “AmEnde der mehr als zweistündigen Wanderung hat Stefanie Keller acht Märchen erzählt, Wissen über die Rauhnächte und die Natur vermittelt und die Fantasie der Mitwanderer auf eine Reise geschickt. Solche Wanderungen gibt es das ganze Jahr über in der Feldberger Seenlandschaft. Rund zwei Stunden lang geht es donnerstags durch den Hullerbusch – und Stefanie Keller erzählt unterwegs, warum die Bäume nicht mehr reden, weshalb die Eiche gebuchtete Blätter hat oder wie der Holunder zu seinem Namen kam. Aktuell überlegt sie,in diesem Jahr Halb- oder Ganztages-Touren anzubieten. Deshalb ist sie dabei, in der Bibliothek weitere Märchen zu entdecken. „Meine Favoriten sind die Naturmärchen – davon kann ich nie genug bekommen.“ Sagt es, verabschiedet sich und wandert mit ihrem Korb in die Abenddämmerung am Carwitzer See ... wortzauber.org

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