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70 Jahre Heimatzeitung

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Seite 8 Montag, 15.

Seite 8 Montag, 15. August 2022 70 Jahre Hei Abonnentin –seit mehr als 20000 Ausgaben Die ganze F den Fortsetz Kaum zu glauben, aber eine 94-Jährige aus Wulkenzin liest die Zeitung schon von der ersten Ausgabe an. „Schuld“ daran ist der Ehemann. Und sie ist nicht die einzige Leserin der ersten Stunde. Zum 70-jährigen Jubiläum der Heimatze unserer Leser erreicht. Einige haben es war sogroß, dass Leser sie sogar in VonThomas Beigang VonThomas Beigang NEUBRANDENBURG. Da haben wir geglaubt, eine Frau wie Inge Abraham wäre einmalig. Wir haben uns geirrt – ein Glück. Wenn es eine Frau wie Inge Abraham nicht geben würde, man hätte sie glatt erfinden müssen. Aber das würde uns wahrscheinlich niemand aus unserer kritischen Leserschaft glauben. Jemand, der wirklich und tatsächlich seit der ersten Ausgabe, die ja, immerhin, schon 1952 erschienen ist, die Heimatzeitung liest. Zunächst und für lange 38 Jahre die „Freie Erde“ und dann, seit dem 2. April 1990, den Nordkurier. „Doch, ich lese seit damals die Zeitung“, erzählt Inge Abraham, die seit einigen Jahren in der Kleinstadt Loitz im Landkreis Vorpommern- Greifswald lebt. „Ohne geht nicht, ich muss jeden Tag in der Zeitung nachschlagen, was los ist. In der großen weiten Welt und, ganz wichtig, auch bei mir in der Nachbarschaft.“ So war das früher und so ist das heute immer noch. Inge Abraham ist neugierig geblieben, daran haben die 91 Lebensjahre nichts abgeschliffen. Aber die Frau aus Loitz steht nicht allein da. Die noch drei Jahre ältere Ilse Lange aus Wulkenzin bei Neubrandenburg hat sich bei uns gemeldet und berichtet, auch sie lese die Zeitung schon seit 1952. „Schuld“ daran sei eigentlich ihr schon Kurt Lange bei der Übergabe eines Trabis an neue Besitzer. vor 25 Jahren verstorbener Ehemann gewesen. Der hieß Kurt Lange und hatte sich 1952 im Verlag der Freien Erde um eine Stelle beworben. „Die Zeitung hatte damals ja noch ihren Sitz in Neustrelitz“, berichtet die 94-Jährige. Bis zur Rente im Jahr 1987 arbeitete Kurt Lange bei der Freien Erde. Und FOTO: ARCHIV hatte, so weiß Ilse Lange noch genau, auch die Ehre, den Hauptpreisträgern bei den regelmäßigen Pressefest-Tombolas die Gewinne zu übergeben. Das konnte sogar, Ilse Lange besitzt den fotografischen Beweis, ein neuer Trabant sein. Hildegard Kleinfeld (91) aus Neubrandenburg ruft an und berichtet, die Zeitung schon seit 1954 zu lesen. Sie freut sich stets auf das Wochenend-Rätsel, hat auch schon zwei Mal mal etwas gewonnen. Inge Wetzel (89) aus Below (89) liest die Heimatzeitung seit 1956. „Andere erzählen mir immer, bestell doch ab, die Zeitung wird immer teurer. Aber ich will die behalten, nur dann weiß man doch, was los ist in der Welt und in der Nachbarschaft“. Jürgen Grümmert aus Eggesin schreibt, die „Freie Erde“ begleite seine Familie seit Anfang der 1960-er Jahre. „Zuvor kaufte ich sie beim Briefträger,späteramKiosk, dann abonnierten wir sie. Sie informierte über weltpolitische Ereignisse, aber auch über lokale Ereignisse“. Und auch Jürgen Kammholz hat sich zu Wort gemeldet, er sei „leider“ erst 72 Jahre und erst seit 1973 aus der Altmark in den Norden gekommen. „Aber seitdem habe ich die Freie Erde abonniert und war sogar Mitte der 70-er Jahre Volkskorrespondent“. Die komplette Ausgabe eines ganzen Jahres aus der Wendezeit hat er vollständig aufgehoben. Kontaktzum Autor t.beigang@nordkurier.de Tamara Rottmann erinnert sich a Jugendredaktion der Zeitung. NEUBRANDENBURG. Einen ausführlichen Brief über ihre mit der Zeitung verbundene persönliche Geschichte hat uns Ingrid Giese geschickt. Die Strasburgerin wurde 1942 geboren und kann sich noch gut daran erinnern, dass ihre Mutter seit 1952 die Zeitung bestellt und gelesen hat. Die Mutter sei 102 Jahre alt geworden und starb im vergangenen Jahr, schreibt Ingrid Giese. Wäre die Mutter noch am Leben, sie könnte noch viel mehr aus den ersten Jahren der Zeitung berichten, heißt es. Jedenfalls habe sie selbst die Zeitung studiert, seit sie lesen konnte. Einmal stand da –und darauf war Ingrid Giese sehr stolz –dassihre Mutter die beste Milchkuh mit der höchsten Milchleistung unter ihren Fittichen hatte. Ganz besonders beliebt sei in ihrer Familie der Fortsetzungsroman gewesen, den es damals ja noch gab. Die Briefschreiberin weiß sogar noch den Titel des ersten Romans in der „Freien Erde“, der hieß „Das Haus am Wiesenweg“, die Autorin war Irma Harder.Die Handlung des Nachkriegsromans spielte sich zwischen Pasewalk und Stettin ab. „Wir sind dem Postboten schon entgegengelaufen, der kam mit dem Fahrrad und es ging uns nicht schnell genug“, schreibt Ilse Lange und ihre Zeitung FOTO: T.BEIGANG

matzeitung Seite 9 amilie las ungsroman Volkskorrespondentin in zweiter Generation itung haben uns auch zahlreiche Briefe wirklich in sich. Die Treue zur Zeitung den Irak haben nachliefern lassen. Carola Lehr aus Neubrandenburg hat das Schreiben für ihre Zeitung schon vom Vater übernommen. Aber auch als Leserin hielten sie und ihre Mann dem Blatt immer die Treue. Na ja, fast immer. nihre Zeit in der FOTO: ARCHIV Ingrid Giese. „Mit viel Freude haben wir täglich den Fortsetzungsroman gelesen und so jeden Tag auf die Zeitung gewartet“. Später habe sie sich sogar das komplette Buch gekauft. Selbst als die Familie zwei Jahre, 1981 und 1982, in Bagdad im Irak gearbeitet hat, musste sie auf die Heimatzeitung nicht verzichten, einmal in der Woche wurde die „Freie Erde“ in den Irak gesandt. Siegfried Noack schreibt, es sei „als hätte ich auf diesen Aufruf gewartet, um nochmals in alten Mappen und Aufzeichnungen zu blättern“. Nach der Wende konnte er mit zunehmendem Erfolg der Heimatzeitung Artikel anbieten, in den meisten ging es um Kultur auf dem Lande oder um Unternehmen, die sich in kleinen Dörfern angesiedelt hatten. Sogar Bücher hat er schon geschrieben, zwei davon sind bei Mecklenbook erschienen, dem Nordkuriereigenen Buchverlag. Ingeborg Lau aus Wesenberg schreibt, ihre Heimatzeitung, der sie schon seit 67 Jahren die Treue hält, sei für sie immer der Inbegriff dessen gewesen, was in der Nähe und in der Welt passiere. Als Postfrau habe sie einst selbst die Zeitung ausgetragen, seit zwei Jahren lebe sie mit ihrem Mann im betreuten Wohnen. Ihr kranker Mann freue sich jeden Tag auf die Zeitung und sie natürlich auch, dann erst fange ihr Tag richtig an, schreibt sie. Über sie und ihren Mann hatte der Nordkurier sogar berichtet, heißt es weiter in dem Brief. Als beide noch in Drosedow wohnten und dort mitten auf der Dorfstraße ein Reh von einem Hund angegriffen wurde. Auch mit Annoncen habe sie gute Erfahrungen machen dürfen. Ingeborg Lau ist sehr froh, den Nordkurier bei sich zu haben, sie will die Zeitung nicht missen und so lange behalten, wie es möglich ist. Die Zeitung sei ihre „Verbindung“ zur Außenwelt und darüber sei sie sehr froh, heißt es weiter. Kontaktzum Autor t.beigang@nordkurier.de VonThomas Beigang NEUBRANDENBURG. Die 73-Jährige kann es nicht lassen. Wenn es Carola Lehr in den Fingern juckt, muss sie sich hinsetzen und schreiben. Manchmal in ihr Tagebuch –aber meistens verfasst sie dann einen Leserbrief an ihre Heimatzeitung. „Ich mache mir so viele Gedanken über die Welt und wenn ich dann so viel Unsinn hören oder lesen muss, muss ich reagieren“, sagt die gläubige Baptistin. Sie könne nicht anders. Immerhin schon seit 1971. Damals verfasste die Neubrandenburgerin ihre ersten kleinen Artikel für die „Freie Erde“. Ereignisse aus ihrem Betrieb, dem damaligen Ölheizgerätewerk, oder Eindrücke, die sie beim Spaziergang durch ihre Heimatstadt gewonnen hatte. „Das war gar nicht schlecht“, grinst ihr Ehemann Manfred. Oft habe die „Schreiberei“ seiner Frau für ein Mittagessen gereicht, weil den ehrenamtlichen Korrespondenten seinerzeit ein ordentliches Honorar winkte. „Ich muss die Liebe zur Schreiberei wohl von meinem Vater geerbt haben“, erzählt Carola Lehr. Der habe auch regelmäßig als sogenannter Volkskorrespondent fürdie Zeitunggeschrieben. „Ich fand das gut“, sagt sie und deshalb habe sie die Familientradition unbedingt fortsetzen wollen. Später, nach der politischen Wende und der Umbenennung der Heimatzeitung, kamen dann regelmäßig Reiseberichte hinzu. Die allerersten, gleich drei Teile, aus Schweden, nach dem allerersten Besuch der Lehrs in dem skandinavischen Land. Für Volkskorrespondenten wie Werner Diehrs fanden sogar Kongresse statt. FOTO: ARCHIV Dort, wie in vielen anderen Ländern auch, besaß Carola Lehr Brieffreunde. Die Neubrandenburgerin spricht und schreibt Esperanto, war viele Jahre damit im Kulturbund der DDR aktiv und gewann mit Hilfe der internationalen Sprache viele Bekanntschaften in aller Herren Länder. Ein anderes regelmäßiges Thema ihrer Beiträge für die Zeitung waren auch sportliche Ereignisse, an denen ihr Mann, ein passionierter Marathonläufer,teilgenommen hatte. VonTokio bis New York nahm er die 42 Kilometer unter die Sohlen, da gab es immer etwas zu berichten. Ein einziges Mal haderten die Eheleute mit ihrer Zeitung. Der Frust war damals so riesengroß, dass die Neubrandenburger das Blatt sogar abbestellten. „Wir waren, wie so oft, im Ausland im Urlaub und wollten dort natürlich nicht auf unsere Zeitung verzichten und haben den Versand an den Urlaubsort bestellt. Das sollte auch klappen, wurde uns zugesichert. Hat es aber nicht, deshalb waren wir sauer.“ Bald sollte das Paar den Entschluss aber bereuen. „Wir hatten uns ins eigene Fleisch geschnitten“. Denn die Zeitung fehlte ihnen schon beim Frühstück. „Man wusste ja gar nicht mehr, was los ist“, erinnert sich die ehrenamtliche Korrespondentin von einst. Schnell haben die Lehrs sich ihre Zeitung wieder gesichert. Und damit nicht nur die brandaktuellen Neuigkeiten: Im Laufe der Jahre, an denen sie regelmäßig auch an Preisausschreiben der Zeitung teilnahmen, sprang so manches dabei heraus. Zum Beispiel, daran erinnern sich beide gern, gewannen sie ein Fotoshooting mit der Fotografin UlrikeKielmann. „Das hat riesigen Spaß gemacht“. Kontaktzum Autor t.beigang@nordkurier.de Carola Lehr und ihre Artikel FOTO: T.BEIGANG Helia Ott las den Nordkurier sogar auf einem Schiff inVietnam. FOTO: MICHAEL OTT

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