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70 Jahre Heimatzeitung

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Seite 10

Seite 10 70 Jahre Heimatzeitung Montag, 15. August 2022 „Einer der schönstenBerufe –es seidenn, manschautauf die Uhr“ Von JörgSpreemann Zwei Systeme, zwei Arten von Journalismus: Rainer Marten erlebte sowohl die DDR-Zeit als auch gut 30 Arbeitsjahre nach der Wende als Lokalredakteur in Pasewalk und Strasburg. Für ihn war aller Anfang recht schwer, nachdem er ein Studium in den Wind geschlagen hatte. Erinnerungsstücke andie Produktion der Freien Erde: Rainer Marten mit Briefumschlägen, in denen Manuskripte, Fotos und Seitenspiegel in die Zentrale nach Neubrandenburg geschickt wurden. FOTOS (2): JÖRG SPREEMANN PRENZLAU/PASEWALK. Eine versteckte Einladung in seinem letzten Artikel für den Nordkurier hatte genügt: Als Rainer Marten sich als langjähriger Redakteur,Lokalchef und Chefreporter von seinen Lesern verabschieden wollte, lud er für den 30. September 2021 alle ein, die mit ihm einen Kaffee trinken wollten. „Ich war auf alles vorbereitet“, sagt der 64-Jährige. Wiegut er seine Leser und Partner der Zeitung tatsächlich kannte, zeigt die Zahl der mehr als 70 Gratulanten, die im Verlauf des Tages zu ihm kamen. „Damit hatte ich ungefähr gerechnet. Trotzdem hatte ich dafür gesorgt, dass es bei Kaffee und Kuchen zur Not auch Nachschub geben kann.“ Ein wenig gestaunt hat Marten, wer alles Lebewohl sagen wollte. „Es waren nicht nur die dabei, mit denen ich gut zurechtkam.“ Manch einer, der es mit Rainer Marten zu tun bekam, mag ihn unterschätzt haben. Der freundliche Mensch mit den verbindlichen Umgangsformen konnte sich in eine Sache verbeißen, bis es geknirscht hat. Wie etwa der erste Nachwende-Landrat in Pasewalk, der sich, auf Anraten des frisch eingeflogenen Westreferenten, weigerte, mit der Lokalpresse zu reden. Marten zog die Notbremse. „Wir haben knallhart nichts mehr aus dem Landratsamt veröffentlicht.“ Der Landrat, ehemaliger DDR-Betriebsdirektor und CDU-Mitglied, beschwerte sich bei der Chefredaktion. Bei einem Vororttermin in Neubrandenburg erhielt Marten derart eindrucksvolle Rückendeckung, dass der Landrat wutentbrannt die Redaktion verließ, nachdem er eine Lektion über die Freiheit der Presse erhalten hatte. „Und siehe da, wenige Tage später kam es zum ersten Gespräch“, lächelt Marten milde. Dass es einmal in einer gewendeten politischen Zeit zu einem Kräftemessen mit einem Landrat kommen würde, konnte Marten 1978 noch nicht einmal ahnen. „Ich konnte seinerzeit einen Mähdrescher auseinander- und wieder zusammenbauen“, sagt der gelernte Agrotechniker/Mechanisator selbstbewusst. Seine Delegierung für ein Studium als Agraringenieur schlug er aber in den Wind. „Ich hätte zu dem Beruf keine Liebe entwickelt“, gibt er zu. Stattdessen saß er am 15. Mai am Schreibtisch in der Lokalredaktion Strasburg der damaligen Bezirkszeitung „Freie Erde“. Marten hatte sich seinen Start allerdings anders vorgestellt. „Die ersten acht Wochen kümmerte sich niemand so recht um mich“, erinnert er sich. Erst eine Beschwerde bei den Chefs brachte ihn ins Spiel. „Hättest Du doch was gesagt“, hat er bis heute die Worte seines unmittelbaren Leiters im Ohr. Marten kann sich noch gut an seine ersten Aufträge erinnern. Er feilte an den Texten des damaligen Woldegker Stadtreporters und machte Anzeigen „Das Beste Team der Stadt“ – tricontes360 Anzeige Telefon: 0395 373-2261 Wir, die tricontes360, schaffen Perspektiven für engagierte und motivierte Mitarbeiter*innen. Quereinsteiger sind bei uns genauso herzlichwillkommen wie Kommunikationsexperten. Mit Homeoffice bieten wir unseren Beschäftigten eine Möglichkeit, Familie und Beruf besser in Einklang zu bringen. Unser Kundencenter befindet sich direkt im Kern des Stadtzentrums.Über den Dächern von Neubrandenburg haben wir einen fantastischen Blickauf unsere Stadt und den Tollensesee.Mit dem Einzug 2017 in die neue Büroumgebung haben wir moderne Arbeitsbedingungen geschaffen. Besonders wichtig ist uns ein wertschätzender und respektvoller Umgang. Unser Kundencenter in Neubrandenburg wurde 2017 neu gegründet. Es war ein Wagnis, denn Neubrandenburg hatte bereits eine Vielzahl an Centern. Wir haben uns schnell am Markt etabliert und bieten unseren Mitarbeitern eine zeitgemäße Arbeitsumgebung.Äußerst zufriedene Auftraggeber und Endkunden konnten wir mit unserer Dienstleistung begeistern und gehören inzwischen zu den führenden Unternehmen der tricontes360. Im Arbeitsalltag hat jeder täglich Kontakt mit Kundencentern. Ob eine Bestellung im Versandhandel ausgeführt wird, es Nachfragen zur Rechnung eines Telefonanbieters gibt oder möglicherweise die Kreditkarte verloren geht: Das Kundencenter ist der erste Ansprechpartner und löst die Anfragen. Unsere Auftraggeber sind führende Konzerne aus den Branchen Telekommunikation und der Energieversorgung. Sollten wir das Interesse geweckt haben, so könnt ihr euch persönlich oder digital jederzeit an uns wenden. 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Montag, 15. August 2022 70 Jahre Heimatzeitung Seite 11 sogenannte Volkskorrespondenzen lesetauglich. Das waren Berichte von Lesern, die aus ihrem Erleben in Wirtschaft, Kultur oder Freizeit kleine Artikel für die Zeitung verfassten. „Manche habe ich komplett neugeschrieben“, sagt er. Das störte die eigentlichen Autoren offenbar wenig, im Gegenteil. „Habe ich nicht einen tollen Artikel verfasst?“, rief ihn einen Tag später eine der Schreiberinnen begeistert an. Nachrichten und Berichte meist zwei Tage alt Zeitungsalltag sah in den 1970er und 1980er Jahren noch ganz anders als heute aus.Gegen7Uhr warfür den Anfänger Arbeitsbeginn: Der sogenannte Bahnhofsbrief musste pünktlich zum Frühzug nach Neubrandenburg. „Wenn wir den verpasst hatten, musste jemand mit dem Redaktionstrabi nach Neubrandenburg fahren“, sagt er. Indem Umschlag steckten Manuskripte, Fotos und sogenannte Seitenspiegel, aus denen in Neubrandenburg die eine Lokalseite pro Ausgabe entstand, für die jede Außenredaktion verantwortlich war. Das bedeutete im Kern: Wenn in der damals achtseitigen Ausgabe die Lokalseite erschien, waren Nachrichten und Berichte schon zwei Tage alt. Rainer Marten fasste Fuß in der Redaktion und fuhr viel über die Dörfer. „Ich hatte immer ein Herz für die lokale Politik. Schon damals war für die Leser nachprüfbar, was wir geschrieben haben.“ Und er bekam mit, dass es politische Rahmenbedingungen und ungeschriebene Tabuthemen gab. Wie zum Beispiel, als er zum 30. Jahrestag der DDR 1979 eine Reihe von Dörfern vorstellte. „Ein Text wurde ohne Begründung nicht gedruckt“, berichtet er.Erst auf Nachfrage bekam er den Grund heraus: In dem Text hatte er eine Frau aus dem Sudetenland vorgestellt, die in Kublank wohnte. „Die Vertriebenen sollten wohl nicht vorkommen.“ Dass die Freie Erde eine Zeitung der SED war, bestimmte auch den Arbeitsalltag einer Lokalredaktion. „Die Woche startete mit einer Beratung beim SED-Sekretär, der für die Agitation zuständig war“, berichtet Marten. Themen wurden „grob“ abgesteckt. „Das ging nicht so weit, wie heute manch einer glauben mag. Oft waren es scheinbar banale Dinge wie Versorgung und Essenslieferung bei der Ernte, die auf die Themenliste sollten.“ Wenn dann im echten Leben etwas schief lief, wurde der Lokalredakteur auch schnell mal zum Blitzableiter. Auch damals: Viele Tipps und Hinweise von Lesern Marten spricht von Zeiten, in denen mehr als 90 Prozent der Haushalte die Zeitung lasen, zum Preis von 15 Pfennig je Ausgabe. „Wir haben viele Tipps und Hinweise von unseren Lesern bekommen, viele Themen konnten wir uns selbst suchen.“ Und es gab gut gemeinte Empfehlungen wie: „Du musst Mitglied der Jagdgenossenschaft werden, dort wird die Politik gemacht.“ Neben seinem Job studierte er in den 1980er Jahren an der Fachschule für Journalistik. „Da ging einiges an Zeit drauf.“ In den turbulenten Wendejahren kam auf die Lokalredaktionen ein Berg an Arbeit zu. Mit dem Start des Nordkurier am 2. April 1990 wurde der Umfang des Lokalteils größer.„Wirwaren im Prinzip von 7bis 22 Uhr unterwegs“, sagt er. Installiert wurde die modernste Computertechnik, die es auf dem Markt gab. Plötzlich konnten die Zeitungsseiten direkt in der Reaktion gestaltet werden. Ein Kurier fuhr die Disketten nach Neubrandenburg, taggleich. „Wir wurden ins Zeitalter der Digitalisierung geworfen.“ Das brachte manchen Leser durcheinander. „Ihr könnt doch nicht schreiben, was noch gar nicht stattgefunden hat“, erinnert er sich an einen aufgeregten Anrufer, der angesichts plötzlicher Aktualität Schummelei vermutete. „Plötzlich tobte in den Gemeinden das Leben“, blickt Marten zurück. Das hing mit der kommunalen Selbstverwaltung zusammen, die den Bürgern und ihren Gemeindevertretern die Möglichkeit eröffnete, über ihr Schicksal zu bestimmen. „Wir haben In diesen Bahnhofsbrief passte der Inhalt einer Lokalseite der Freien Erde. jede Sitzung besucht“, betont er.Eshabe keinen SED-Sekretär mehr gegeben, der festgelegt habe, ob ein Bürgersteig auf der linken oder rechten Straßenseite gebaut wurde. Gemeinsam mit seinen Kollegen kam er vor allem in den ersten Wendejahren „Goldgräbern“ auf die Schliche, die nach der Wiedervereinigung in der Uecker-Randow-Region mit vermeintlichen Investitionen absahnen wollten. Weil Marten auch manch einer oder einem auf den Schlips trat, gehören zu seiner Bilanz zwei Hausverbote und ein knappes Dutzend juristischer Auseinandersetzungen. „Wir haben mit Hilfe unseres Anwalts keinen Fall verloren.“ Marten räumt ein, dass solche Streitigkeiten schon an den Nerven gekratzt haben. Doch nach fast einem Jahr Ruhestand verblassen diese negativen Begleiterscheinungen kritischer Berichterstattung. „Ich hatte einen der schönsten Berufe, die es gibt. Einen Beruf, mit vielen Freiheiten, wenn man nicht auf die Uhr schaut“, zieht er seine Bilanz nach rund 43 Berufsjahren. Kontaktzum Autor j.spreemann@nordkurier.de Anzeigen JEDESHAUSHAT EINE GESCHICHTE WOHNIDEEN FÜR EIN SCHÖNERES ZUHAUSE DASDR. 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